{"id":4475,"date":"2016-10-10T16:59:53","date_gmt":"2016-10-10T14:59:53","guid":{"rendered":"https:\/\/quizzical-curie.5-35-241-109.plesk.page\/?page_id=4475"},"modified":"2021-03-17T16:45:34","modified_gmt":"2021-03-17T15:45:34","slug":"metastasierung","status":"publish","type":"definition","link":"https:\/\/derma.plus\/en\/definition\/metastasierung\/","title":{"rendered":"Metastasierung"},"content":{"rendered":"<p><em>Metastasierung = Bildung von Metastasen<\/em><\/p>\n<p><em>Metastase ( altgriechisch: \u201eWanderung\u201c) bezeichnet im engeren medizinischen Sinne eine Absiedelung von Zellen eines b\u00f6sartigen Tumors in andere, unter umst\u00e4nden weit vom \u201eMuttertumor\u201c entfernte Gewebe des K\u00f6rpers. Man spricht entsprechend auch von \u201eTochtergeschwulst\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit eines Tumors zur Metastasierung verschlechtert die Prognose f\u00fcr den betroffenen Patienten meist erheblich, weil das Wachstum der Metastasen in den entsprechenden Organen zu schweren Funktionsst\u00f6rungen bis zum Funktionsverlust f\u00fchrt und eine Behandlung oft schwierig ist. So sind 90% der mit einer Krebserkrankung einhergehenden Todesf\u00e4lle auf die Ausbildung von Metastasen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Deswegen ordnet man zur Metastasierung f\u00e4hige Tumoren auf der Bewertungsskala f\u00fcr Malignit\u00e4t (&#8220;B\u00f6sartigkeit&#8221;) als hoch-maligne ein.<\/p>\n<h2 id=\"metastatische-kaskade\">Metastatische Kaskade<\/h2>\n<p>Der Prozess der Ausbildung von Metastasen kann in mehrere aufeinander folgende Phasen unterteilt werden. Erst, wenn alle diese Phasen erfolgreich durchlaufen wurden, kann eine Metastase sich in neuem Gewebe erfolgreich festsetzen und zu wachsen beginnen. Jede Phase stellt hierbei eine neue H\u00fcrde f\u00fcr die Tumorzellen dar, die sie nur \u00fcberwinden k\u00f6nnen, wenn sie\u00a0in der Lage sind sich entsprechend anzupassen und neue Eigenschaften zu entwickeln.<\/p>\n<h3>1. Phase: Lokale Invasion<\/h3>\n<p>F\u00fcr diesen Schritt m\u00fcssen Tumorzellen die F\u00e4higkeit erlangen, den Zellverband ihres Ursprungstumors verlassen und sich frei bewegen zu k\u00f6nnen. Hierf\u00fcr sind komplexe \u00c4nderungen der Zelleigenschaften auf biochemischer und struktureller Ebene notwendig, die auf einer Aktivierung bisher ungenutzter Genbereiche beruhen.\u00a0Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Erlangen der F\u00e4higkeit, bestimmte Enzyme zu produzieren, die \u201eProteasen\u201c genannt werden. Mit Hilfe dieser Proteasen (und insbesondere der Matrix-Metallo-Proteasen (MMP)-2 und -9 k\u00f6nnen die Tumorzellen Gewebsbarrieren, wie z.B. die Basalmembran, \u201eeinschmelzen\u201c und sich so einen Weg in das umliegende Gewebe bahnen.<\/p>\n<h3>2. Phase: Intravasation<\/h3>\n<p>Intravasation ist der Einbruch von Tumorzellen in das Lymph- oder Blutgef\u00e4\u00dfsystem (diese beiden Systeme sind so eng miteinander verbunden, dass der Einbruch in das eine in der Regel\u00a0auch einen Zugang zum anderen schafft).<\/p>\n<h3>3. Phase: Zirkulation im Blutkreislauf<\/h3>\n<p>Nach erfolgreicher Intravasation werden die Tumorzellen im Blut-\/Lymphkreislauf mitgeschwemmt und k\u00f6nnen so potentiell jedes Organ des K\u00f6rpers erreichen. Fehlt ihnen jedoch die Eigenschaft, das Gef\u00e4\u00dfsystem durch Abbau der Basalmembran der Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde (auch hierf\u00fcr werden wieder bestimmte Proteasen ben\u00f6tigt) zu verlassen, sterben die Tumorzellen nach kurzer Zeit ab.<\/p>\n<h3>4. Phase: Extravasation im Zielorgan und Etablierung von Metastasen<\/h3>\n<p>Um nach einer erfolgreichen Extravasation, also dem Verlassen der Blutbahn und dem Eindringen in umliegendes Gewebe, eine Metastase ausbilden zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Tumorzellen wiederum eine Reihe spezieller Eigenschaften besitzen. Sie m\u00fcssen in der Lage sein, unter den besonderen \u201eUmweltbedingungen\u201c in dem Gewebe, in dem sie gelandet sind, zun\u00e4chst zu \u00fcberleben und diese dann an ihre Bed\u00fcrfnisse anzupassen.\u00a0Hierbei spielt auch die \u201eMithilfe\u201c von bestimmten Zellen des Immunsystems eine besondere Rolle.<\/p>\n<p>Klassischerweise liegen die Zielorte von Metastasen \u201eBlutstromabw\u00e4rts\u201c des Muttertumors, sprich dem Blutstrom Richtung Herzen folgend. Daraus ergibt sich, dass Tumoren der K\u00f6rperwand und der Extremit\u00e4ten (Arme, Beine) oft in Skelett, Lunge und Gehirn metastasieren, Tumoren des Darmes h\u00e4ufig in die Leber (das gesamte Blut des Darmes flie\u00dft \u00fcber die Pfortader zun\u00e4chst in die Leber und von dort zum Herzen). Tumorzellen, die \u00fcber die Lymphbahn abgeschwemmt wurden, bilden h\u00e4ufig in den naheliegenden Lymphknoten Metastasen (z.B. Achsellymphknoten bei Brustkrebs).<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu gibt es Tumoren, die Zielorte \u201e\u00fcberspringen\u201c und bevorzugt in bestimmte Organe metastasieren, z.B. Lungenkrebs in die Nebenniere, Prostatakrebs in die Knochen des Lendenwirbel- und Beckenbereiches.<\/p>\n<p>Trotz ihrer guten Durchblutungsrate sind Herz, Milz und Nieren beim Menschen nur extrem selten von Metastasierung betroffen. Der \u201eSchutzmechanismus\u201c dieser Organe konnte bislang nicht sicher identifiziert werden.<\/p>\n<h2 id=\"einteilung-von-metastasen\">Einteilung von Metastasen<\/h2>\n<p><strong>Lokale Metastasen<\/strong> bilden sich direkt in der Umgebung des Tumors.<\/p>\n<p><strong>Region\u00e4re Metastasen<\/strong> entstehen in der Regel durch eine Abwanderung der Tumorzellen \u00fcber die Lymphbahn (lymphogene Metastasierung) und einem Festsetzen im n\u00e4chsten \u201eregion\u00e4ren\u201c Lymphknoten.<\/p>\n<p><strong>Fernmetastasen<\/strong> entstehen nach einer Abschwemmung der Tumorzellen mit dem Blutstrom (h\u00e4matogene Metastasierung), \u00fcber den sie in weiter entfernte Organe gelangen. Auch sogenannte Abtropf- oder Abklatschmetastasen werden zu den Fernmetastasen gez\u00e4hlt. Sie entstehen durch direkten Kontakt anderer Organe zum Muttertumor, zum Beispiel am Bauchfell (Peritoneum) bei Karzinomen der Organe des Bauchraumes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Metastasierung = Bildung von Metastasen Metastase ( altgriechisch: \u201eWanderung\u201c) bezeichnet im engeren medizinischen Sinne eine Absiedelung von Zellen eines b\u00f6sartigen Tumors in andere, unter umst\u00e4nden weit vom \u201eMuttertumor\u201c entfernte Gewebe des K\u00f6rpers. Man spricht entsprechend auch von \u201eTochtergeschwulst\u201c. 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