One Acne™: Ein ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung der Hautqualität
Die Akne (Acne vulgaris) ist eine Erkrankung der talgdrüsenreichen Hautregionen, die vor allem für die Pubertät typisch ist, aber in jedem Alter auftreten kann. Weltweit ist schätzungsweise eine halbe Milliarde Menschen betroffen, womit die Akne zu den Top Ten der häufigsten Hautkrankheiten gehört. Auch wenn sie weder ansteckend noch lebensbedrohlich ist und oft mit zunehmendem Alter von selbst wieder verschwindet, kann die Krankheit für die Betroffenen extrem belastend sein. Fettige Haut, Mitesser (Komedonen) und entzündliche Knoten, die das Erscheinungsbild der Akne prägen, werden von vielen Menschen als unschön empfunden; entzündete Stellen schmerzen und Akne-Folgen wie Narben und Pigmentflecken (postinflammatorische Hyperpigmentierungen) verschlechtern das Hautbild zusätzlich. Kein Wunder, dass viele Betroffene versuchen, die Hautprobleme mit Kosmetikprodukten zu verbessern und störende Erscheinungen mit Make-Up und getönten Tagescremes abzudecken.
Das One Acne™-Konzept
Allerdings sind viele Kosmetikprodukte nicht auf die Probleme von an Akne erkrankter Haut zugeschnitten und können manchmal die Probleme sogar verstärken. Dies gilt insbesondere, wenn die Haut zusätzlich noch empfindlich ist und spezielle Ansprüche an die Hautpflege stellt. Eine internationale Gruppe von Hautärzten hat deshalb den ganzheitlichen Ansatz One AcneTM für die Pflege und Behandlung von empfindlicher und an Akne erkrankter Haut entwickelt [1]. Dieses basiert auf dem CTMP-Konzept [2], wobei T (treat) für Behandlung steht und CMP die drei Komponenten der begleitenden Hauptpflege Reinigung, Feuchtigkeitspflege und Lichtschutz (cleanse – moisturize – protect) umfasst. Somit betrachtet One AcneTM medikamentöse Therapien, ästhetisch-korrektive Verfahren und eine begleitende Hautpflegeroutine gemeinsam, um nicht nur eine aktive Akne-Erkrankung optimal zu behandeln, sondern auch langfristig die Hautqualität und die Verträglichkeit von Therapien zu verbessern. Letztlich soll sich das auch positiv auf die Therapietreue und die Patientenzufriedenheit auswirken. Eine Besonderheit des Konzepts: Die Hautpflege wird hier nicht als kosmetischer Zusatznutzen verstanden, sondern als gleichwertiger Baustein zu den medikamentösen und korrektiven Therapien.
Der Baustein „Behandlung“
Unter dem Begriff Behandlung werden medikamentöse und korrektive Therapien zusammengefasst. Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung der Akne sind derzeit äußerlich anzuwendende (topische) Retinoide. Dabei handelt es sich um synthetisch hergestellte Abkömmlinge des „Hautvitamins“ Vitamin A. Topische Retinoide wie Adapalen und Tretinoin sowie die in Deutschland nicht verfügbaren Vitamin-A-Derivate Trifaroten und Tazaroten wirken sehr effektiv gegen Mitesser und Hautentzündungen, verbessern Struktur und Elastizität der Haut und beugen der Bildung von Narben und Hyperpigmentierung vor. Zudem verfügen sie über leichte antimikrobielle und antientzündliche Eigenschaften und scheinen in der Lage zu sein, überschießende Reaktionen des Immunsystems zu dämpfen.
Korrektive Verfahren haben vor allem die Aufgabe, Folgen der Akne wie Narben und Hyperpigmentierung zu reduzieren und somit das Hautbild zu verbessern. Zum Volumenaufbau im Rahmen der Narbenbehandlung kommen häufig Hyaluronsäure-Filler (nicht-tierische stabilisierte Hyaluronsäure, NASHA) zum Einsatz, die auch aus der Faltenbehandlung bekannt sind. Laserbehandlung, chemische Peelings und Microneedling können ergänzend eingesetzt werden. Oft kommt es zu synergistischen Effekten, wenn medikamentöse und korrektive Therapien miteinander kombiniert werden.
Der Baustein „Hautpflege“
Eine Vielzahl an Hautpflegeprodukten kann die oben vorgestellten Behandlungsstrategien unterstützen. Dazu gehören insbesondere Reinigungsprodukte, Feuchtigkeitspflege und Produkte zum Schutz vor Lichteinstrahlung. Lichtschutzprodukte beugen Hyperpigmentierung und lichtbedingter Hautalterung vor. Sie sollten einen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30 aufweisen und möglichst auch vor UV-A-Licht und blauem sichtbaren Licht schützen. Alle Pflege- und Hautschutzprodukte sollten speziell auf die Bedürfnisse von empfindlicher und an Akne erkrankter Haut abgestimmt sein (Tabellen 1 und 2). Dazu gehört, dass sie keine reizenden oder allergenen Inhaltsstoffe enthalten und einen hautneutralen pH-Wert aufweisen, um den Säuremantel der Haut zu schützen. Ein niedriger Lipidanteil verhindert, dass Hautporen und Talgdrüsen verstopfen, was die Bildung von Mitessern fördert.


Inhaltsstoffe wie Glyzerin und Hyaluronsäure verbessern den Feuchtigkeitsgehalt der Haut, wobei Hyaluronsäure zusätzlich die Produktion von Kollagen und Elastin stimuliert. Vitamin B (Niacinamid) kurbelt in den hornbildenden Zellen der Oberhaut (Keratinozyten) die Produktion von Ceramiden an, die die Hautbarriere stärken. Außerdem schützt Vitamin B vor oxidativem Stress, reduziert Entzündungen und hat einen leicht aufhellenden Effekt, indem es die Pigmentierung hemmt. Bakuchiol stammt aus der Babchi-Pflanze (Psoralea corylifolia) und gilt als sanfte Variante zu Retinoiden. Es verbessert den Feuchtigkeitsgehalt und die Struktur der Haut und wirkt zudem entzündungshemmend und antioxidativ.
Ein individueller Behandlungsplan
Die Bedürfnisse der Haut – und somit die Anforderungen an die Hautpflege – sind nicht bei jedem Menschen mit Akne gleich. Stattdessen hängen sie vom Alter, vom Geschlecht, vom Hauttyp und der Hautfarbe, aber auch vom Krankheitsstadium und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Dies bedeutet, dass für jeden Patienten und jede Patientin eine individuelle Lösung gefunden werden muss. Umso problematischer ist es, dass viele Betroffene lange zögern, bevor sie sich ärztliche Hilfe holen und oft zuerst versuchen, die Symptome mit Standard-Kosmetikprodukten in den Griff zu bekommen.
Die Verwendung dieser Produkte und insbesondere von Make-up zum Abdecken von Akne-bedingten Hautveränderungen verschlimmern jedoch häufig die anfänglichen Symptome: Sie verstopfen die Poren und fördern damit die Bildung von Mitessern und entzündlichen Knoten. Hier ist dringend geboten, auf getönte Tagescremes zurückzugreifen, die auf empfindliche und an Akne erkrankter Haut zugeschnitten sind. Optimalerweise besitzen diese Produkte einen Lichtschutzfaktor und sind mit verschreibungspflichtigen Medikamenten kompatibel.
Doch selbst vielen Hautärzten ist die Bedeutung der Hautpflege als gleichwertigem Therapiebaustein bei der Behandlung von Akne noch nicht bewusst. So empfiehlt nur etwa die Hälfte von ihnen beim ersten Arztbesuch geeignete Hautpflegeprodukte. Hier möchte der One AcneTM-Ansatz aufklären, damit zukünftig mehr Betroffene eine optimale Behandlung erhalten.
[1] L. Kircik et al. (2025). A holistic management approach to improve overall skin quality and treatment outcomes in acne with or without sensitive skin. International Journal of Dermatology 64, 637-646.
[2] C.-L. Goh. (2024). Challenges and real-world solutions for adoption of holistic skincare routine (cleansing, treatment, moisturization, and photoprotection) in acne, rosacea, atopic dermatitis, and sensitive skin: An expert consensus. Journal of Cosmetic Dermatology 23, 2516-2523.
