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Reife Haut hat besondere Bedürfnisse

Wie alle Organe altert auch die Haut. Insbesondere wird sie dünner und trockener, weil über die zunehmend durchlässige Hautbarriere Feuchtigkeit verloren geht. Durch kleine Risse können dann Umweltschadstoffe und Krankheitserreger eindringen. Um ihre Barrierefunktion zu stärken, sollte trockene Altershaut deshalb konsequent mit Feuchtigkeit versorgt werden.   In den meisten Industriestaaten nimmt derzeit der Anteil an Senioren […]
Reife Haut hat besondere Bedürfnisse

Wie alle Organe altert auch die Haut. Insbesondere wird sie dünner und trockener, weil über die zunehmend durchlässige Hautbarriere Feuchtigkeit verloren geht. Durch kleine Risse können dann Umweltschadstoffe und Krankheitserreger eindringen. Um ihre Barrierefunktion zu stärken, sollte trockene Altershaut deshalb konsequent mit Feuchtigkeit versorgt werden.  

In den meisten Industriestaaten nimmt derzeit der Anteil an Senioren stetig zu. Für Deutschland –  einem der Länder mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit – gilt dies in besonderem Maße. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung sind immer mehr typische „Alterserkrankungen“ zu beobachten, die das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellen. Im Vordergrund stehen dabei meist neurodegenerative, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während Hautkrankheiten in der allgemeinen Wahrnehmung oft vernachlässigt werden. Dabei ist die Haut das flächen- und gewichtsmäßig größte Organ des menschlichen Körpers. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, den Körper nach außen abzugrenzen und ihn so vor mechanischen und chemischen Einflüssen zu schützen. Gleichzeitig befindet sich in der Haut die erste Verteidigungslinie des Immunsystems gegen eindringende Krankheitserreger. Hinzu kommen weitere lebenswichtige Funktionen: So wird in der Haut im Sonnenlicht das für die Knochengesundheit essentielle Vitamin D produziert. Die Haut reguliert den Wärmehaushalt des Körpers und fungiert außerdem als wichtiges Sinnesorgan. Weil sie in gewisser Weise das Aushängeschild des Menschen ist, können Hautprobleme und Zeichen der Hautalterung einen großen Einfluss auf die menschliche Psyche ausüben.

Die Haut – ein vielseitiges Organ

Die Haut ist ein aus mehreren Zellschichten komplex aufgebautes Organ. Natürliche Alterungsprozesse betreffen vor allem die oberste Hautschicht, die Oberhaut oder Epidermis, sowie die darunter liegende Dermis (Lederhaut). Die Epidermis besteht hauptsächlich aus Horn-bildenden Zellen (Keratinozyten), die fest zusammenhalten und eine physikalische Barriere für von außen eindringende Stoffe wie Krankheitserreger, Allergene und chemische Stoffe bilden. Gleichzeitig verhindert diese Hautbarriere, dass Wasser über die Epidermis verdunstet. Sie ist deshalb entscheidend für die Hautfeuchte. Der Oberhaut aufgelagert liegt als zusätzlicher Verdunstungsschutz eine Schicht aus Hauttalg. Die darunterliegende Dermis ist dagegen weitgehend frei von Zellen und besteht hauptsächlich aus der sogenannten extrazellulären Matrix. Diese setzt sich vor allem aus faserigen Bestandteilen wie Kollagen, Glykoproteinen und wasserbindenden Kohlenhydraten zusammen. Zu letzteren gehört beispielsweise die Hyaluronsäure, die in Pflegeprodukten als Mittel gegen Falten zum Einsatz kommt. Epidermis und Dermis sind über zapfenartige Papillen eng miteinander verzahnt. Der hohe Anteil an kollagenhaltigen Bindegewebsfasern in der Dermis verleiht der Haut ihre hohe Reißfestigkeit, elastische Fasern sind dagegen für ihre Dehnbarkeit verantwortlich. Feine Gefäße in der Grenzzone zur Epidermis gewährleisten die Versorgung der Haut mit Nährstoffen, größere Blutgefäße sind an der Temperaturregulation beteiligt. Wie jeder Teil des Körpers ist auch die Haut einem Reifeprozess unterworfen, der irgendwann in einen Alterungsprozess übergeht. Wann das geschieht und in welcher Geschwindigkeit, hängt von verschiedenen äußeren und inneren Faktoren ab.

Auch Haut altert

Reife Haut ist in erster Linie durch eine Atrophierung gekennzeichnet, bei der die Dicke der einzelnen Hautschichten – insbesondere der Epidermis und der Dermis – abnimmt. So vermehren sich beispielsweise die Keratinozyten seltener, und auch Reparaturmechanismen verlaufen langsamer. Infolgedessen werden weniger Zellen nachgebildet als durch natürliche Alterung absterben und kleine Verletzungen heilen schlechter. Gleichzeitig sinkt die Anzahl an immunkompetenten Zellen und an Melanozyten, die die Haut durch Produktion des braunen Pigments Melanin vor Sonneneinstrahlung schützen. Durch eine Schwächung der Verzahnung von Epidermis und Dermis nimmt die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber mechanischen Einflüssen wie Scherkräften ab. Auch die Dermis atrophiert: Das Bindegewebe bildet sich ebenso zurück wie die elastischen Fasern, was sich in der Bildung von Falten äußert. Eine Abnahme der extrazellulären Matrix verringert die Quellfähigkeit der Dermis, wodurch die Haut schlaff wirkt. Im Gesicht nimmt in der unter der Dermis liegenden Subcutis der Anteil an Fettgewebe ab, was den Eindruck der Schlaffheit noch verstärkt.

Reife Haut verliert ihre Schutzfunktion

Unter den altersbedingten Veränderungen leiden auch die Aufgaben der Haut. Insbesondere wird die Barrierefunktion geschwächt, so dass leichter Wasser über die Epidermis verloren geht und die Hautfeuchte abnimmt. Dies wird dadurch verstärkt, dass die Talgdrüsen weniger aktiv sind und natürliche Feuchthaltefaktoren zurückgehen. Trockene, wenig elastische Haut bildet schnell kleine Risse, durch die Krankheitserreger und belastende Stoffe aus der Umwelt eindringen können. Die Folge sind häufige Entzündungen und Infektionen, die das nachlassende Immunsystem nicht mehr wirksam bekämpfen kann. Die Infektanfälligkeit wird weiter dadurch erhöht, dass der pH-Wert von reifer Haut basischer wird. Das schwächt den natürlichen Säureschutzmantel der Haut, der die Ansiedelung krankmachender Mikroorganismen hemmt, und verändert darüber hinaus das hauteigene Mikrobiom. Atrophierte Haut ist außerdem leichter angreifbar durch äußere Einflüsse wie mechanische Belastungen, Alkohol, Nicotin und Sonneneinstrahlung. Vor allem die im Sonnenlicht enthaltene UVA-Strahlung ist wesentlich für die lichtbedingte Hautalterung (Photoaging) verantwortlich. Sie schädigt die Kollagenfasern im Bindegewebe der Dermis, wodurch die Spannkraft der Haut nachlässt. Außerdem steht sie im Verdacht, die Entstehung von Altersflecken zu begünstigen. Weitere äußere Faktoren, die die Hautalterung beschleunigen, sind Zigarettenrauch, Umweltschadstoffe und Schlafmangel.

„Altershaut“ – empfindliche und extrem trockene Haut im Alter

Im hohen Alter ist die Haut nicht nur anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Pilze. Auch entzündliche Hautkrankheiten und Hautkrebs – sowohl „helle“ Formen wie Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome als auch das maligne Melanom, der „schwarze“ Hautkrebs – treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Aber selbst wenn die Haut gesund bleibt: Ein Großteil der Senioren leidet unter extrem trockener, juckender Haut. Für diesen Zustand hat sich in der Medizin der Begriff „Altershaut“ etabliert. Starke Hauttrockenheit (Xerosis) kann durch Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus und die Einnahme bestimmter Medikamente, beispielsweise Blutdrucksenker oder entwässernder Wirkstoffe, weiter gefördert werden. Auch die Verwendung ungeeigneter Pflegeprodukte wie tensidreicher Waschlotionen, austrocknende, alkoholhaltige oder sehr fettreiche, porenverschließende Präparate, häufiger Wasserkontakt und eine geringe Luftfeuchte (z. B. trockene Heizungslust im Winter) können die Hauttrockenheit und den Juckreiz verstärken. Durch Kratzeffekte kann sich die Haut infizieren – es bilden sich Altersekzeme, die die Lebensqualität der Betroffenen einschränken.

Der Haut Feuchtigkeit zuführen

Die Alterung der Haut lässt sich nicht aufhalten. Durch geeignete Maßnahmen kann man sie aber verlangsamen und Symptome wie Hauttrockenheit und Juckreiz mildern. Dazu sollten im ersten Schritt äußere Stressfaktoren konsequent vermieden werden. Statt basische Seifen und austrocknende Pflegeprodukte sollten tensidarme, synthetische Detergenzien mit hautneutralem pH-Wert (Syndets) sowie feuchtigkeitsspendende und rückfettende Pflegeprodukte zum Einsatz kommen. Außerdem sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch regelmäßiges Trinken geachtet werden. Arzneimittel, die die Hautatrophie verstärken wie lokale Kortikosteroide, oder Antibiotika, die das Mikrobiom verändern, sollten auf Altershaut wenn möglich nur kurzfristig angewendet werden. Sonnenschutz ist lebenslang wichtig; spätestens im Alter sollte er täglich aufgetragen werden. Daneben ist es entscheidend, die Haut mindestens einmal täglich mit einer geeigneten Feuchtigkeitspflege einzucremen, um ihre Barrierefunktion zu stärken. Die Pflege sollte sowohl auf den Hauttyp, als auch auf die Jahreszeit abgestimmt sein. So kommen im Winter generell fettreichere Produkte zum Einsatz als im Sommer. Wasserfreie fettreiche Systeme sind allerdings für die Pflege der Altershaut ungeeignet, da sie die Poren verschließen können.

Inhaltsstoffe, die Altershaut gut tun

Produkte für die Feuchtigkeitspflege enthalten keine medizinischen Wirkstoffe, können aber dennoch über eine Reihe von Zusätzen der Hauttrockenheit entgegenwirken. Dazu gehören vor allem Substanzen, die Feuchtigkeit in der Haut binden wie Harnstoff (Urea) und  Glyzerol. Harnstoff ist ein natürlicher Feuchthaltefaktor; er stärkt die Hautbarriere, lindert Juckreiz und wirkt bis zu einem gewissen Maße antibakteriell. Harnstoff wird von den Keratinozyten der Oberhaut aufgenommen und regt dort die Bildung von antimikrobiellen Peptiden und Lipiden an. Auf entzündeter Haut ist allerdings eine Kombination aus Harnstoff mit Glyzerol oder Magnesium besser verträglich. Magnesium hat darüber hinaus einen direkten antientzündlichen Effekt. Für eine Rückfettung nach dem Duschen kann ein Zusatz von Sheabutter sorgen. Zur Linderung bei starkem Juckreiz wird häufig das lokale Betäubungsmittel Polidocanol eingesetzt. Bei Rissen und Juckreiz im Analbereich oder zum Auftragen in Hautfalten haben sich zinkhaltige Produkte bewährt. Eine weitere Alternative bei starkem, behandlungsresistentem Juckreiz sind Teer- oder Schieferöl-haltige Produkte, die zusätzlich entzündungshemmend und antiseptisch wirken, aber recht streng riechen. Auf nicht entzündeter Haut können Capsaicin-haltige Produkte Linderung bringen, allerdings müssen sie mehrmals täglicher angewendet werden. Menthol wirkt durch seinen kühlenden Effekt juckreizlindernd. Infizierte Hautstellen sollten vorrangig mit Antiseptika behandelt werden, da diese im Unterschied zu Antibiotika keine Resistenzbildung fördern.

Medizinische Wirkstoffe können hinzukommen

Bei akuten Beschwerden müssen manchmal entzündungshemmende oder andere medizinische Wirkstoffe eingesetzt werden. Dann kann es sich lohnen, auf eine Magistralrezeptur zurückzugreifen. Diese standardisierten und in offiziellen Rezeptursammlungen veröffentlichten Zubereitungen werden vom Arzt verschrieben und in der Apotheke zubereitet. Für den Patienten kann das den Vorteil haben, dass als Basis für die Rezeptur die Feuchtigkeitspflege zum Einsatz kommt, die er bei Symptomfreiheit als Basispflege nutzt. Auf dieser Basis können dann bei Bedarf verschiedene Wirkstoffe und Wirkstoffkonzentrationen ausprobiert werden. Hinzu kommt, dass Magistralrezepturen oft günstiger sind als ein fertiges Arzneimittel – was vor allem von Bedeutung ist, wenn das Präparat vom Patienten selbst bezahlt werden muss. Neben Magistralrezepturen gibt es auch Individualrezepturen, die speziell auf die Bedürfnisse eines einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Sie werden aber seltener verschrieben. Grundsätzlich gilt, dass die wirkstofffreie Basispflege auch in den symptomfreien Intervallen weiter verwendet werden sollte. Eine gute Feuchtigkeitspflege kann die beschwerdefreie Zeit verlängern – dadurch reduzieren sich der Einsatz von Medikamenten und damit mögliche Nebenwirkungen.


Quellen und weiterführende Literatur

U. Blume-Peytavi et al. (2016) Age-Associated Skin Conditions and Diseases: Current Perspectives and Future Options. Gerontologist 56, 230-242.
W. G. Philipp-Dormston et al. (2023). Topisches Magnesium in der modernen Dermatologie. Kosmetische Medizin 4, 176-179.
P. Staubach (2016). Pflege alter Haut. Individuelle Rezepturen gegen den Juckreiz. DAZ 26, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-26-2016/pflege-alter-haut
P. Staubach, M. Metz (2013). Magistral formulations and pruritus therapy – What is established, what is confirmed, what is new? J Dtsch Dermatol Ges 2013;11(11):1049-1055
P. Staubach, D. J. Lunter (2014). Basistherapie in der Dermatologie. Geeignete Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen. Hautarzt 65, 63-74.
J. Wohlrab, K. Hilpert, A. Wohlrab (2014). Besonderheiten der Altershaut. Hautarzt 65, 911-922.

Letzte Aktualisierung: 10. April 2024

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