Zusammenfassung

Aphten sind häufig sehr schmerzhafte Geschwüre, die sich auf dem Zahnfleisch, der Zunge oder der Mundschleimhaut manifestieren. Unbehandelt heilen sie meistens innerhalb von sieben bis zwölf Tagen ab. Aphten kommen weltweit häufig vor. Auslöser und Ursachen für eine Aphte werden mehrheitlich nicht gefunden.

Auf einen Blick:

+ Auftreten in allen Altersgruppen möglich, beginnend meist zwischen dem 20.-30. Lebensjahr, Frauen häufiger betroffen als Männer

+ Symptome entzündliche, sehr schmerzhafte Geschwüre, vor allem an den Schleimhäuten von Lippe und Wangen

+ Einflussfaktoren genetisch, psychisch, hormonell, Glutenunverträglichkeit

+ Ansteckungsgefahr keine

Einführung

Aphten, häufig auch „Aphthen“ oder „Aften“ geschrieben, sind schmerzhafte, plötzlich auftretende Geschwüre der Mundschleimhaut mit einem Durchmesser von 1 mm bis 30 mm. Zur Behandlung der mit Aphten einhergehenden Symptome und Schmerzen stehen verschiedene gute Medikamente zur Verfügung, die in erster Linie die Schmerzen lindern sollen. Eine vollständige Heilung der Apthen ist jedoch nicht möglich. Eine Aphte ist nicht ansteckend.

Ohne Behandlung heilen die Aphten nach Tagen oder auch erst nach Wochen ab, bei tiefergehenden Defekten ist eine Heilung nur unter Narbenbildung möglich. Aufgrund des häufig wiederkehrenden Verlaufes der Krankheit (rezidivierende Aphten) kommt es meist einige Zeit später zu einem erneuten Ausbruch der Aphten.
In Deutschland leiden etwa 15% der Bevölkerung an immer wieder auftretenden (chronisch-rezidivierenden) Aphten. Die schmerzhafte Entzündung im Mundraum kann in jedem Lebensalter auftreten, in einer Untersuchung konnten Forscher aber herausfinden, dass die Altersgruppe der 16-30 Jährigen mit 63,3% am häufigsten unter Aphten leiden. Die Werte für die 31-45-Jährigen lagen bei 20%, bei den 46-60-Jährigen waren noch 16,7% von Aften betroffen.

Ursachen und Auslöser

Bis heute sind die genauen Ursachen und die Entstehungsmechanismen der rezidivierenden Aphthen nicht gänzlich geklärt. Bekannt ist, dass für die Entzündung Zell-Prozesse mit T-Zell-Aktivität und Tumornekrosefaktor-alpha-Bildung als Ursachen relevant sind. Ansonsten gehen Forscher von einer Vielzahl Ursachen aus, zu denen vermutlich auch eine genetisch bedingte Neigung zur Ausbildung einer Aphte zählt. So konnten bei 30-40% der Betroffenen eine familiäre Häufung der schmerzhaften Entzündung im Mund nachgewiesen werden. Außerdem ist bekannt, dass bei Patienten mit Glutenunverträglichkeit der Konsum von Gluten eine Aphte hervorrufen kann. Auch Stress wird von den Betroffenen immer wieder als entscheidender Provokationsfaktor angesehen, der zu dem Auslösen eines erneuten Schubs der Krankheit führt. Eine aktuelle Arbeit konnte bei Patienten mit chronisch-habituellen (über lange Zeit wiederkehrenden) Aphten erhöhte Werte des bei Stress ausgeschütteten Hormons Kortison im Vergleich zu einer Kontrollstudie feststellen. Ebenso stehen bestimmte Nahrungsmittel und hormonelle Veränderungen im Verdacht einen Krankheitsschub auszulösen. Der Menstruationszyklus, Menopause und Schwangerschaft scheinen jedoch keinen Einfluss auf die Aphthose zu haben. Interessanterweise haben Raucher eine deutlich geringere Prävalenz (Erkrankungsrisiko) gegenüber Aphthen. Schließlich werden auch chemische Irritationen durch Inhaltsstoffe wie beispielsweise dem in Zahnpasta verwendeten Natriumlaurylsulfat (SLS) als mögliche Aphten Ursachen diskutiert. Daher sollte bei der Mundhygiene auf die richtige Auswahl der Zahnpasta geachtet werden. Auch der Härtegrad der Zahnbürste und falsches Putzen der Zähne kann zu unerwünschten Läsionen am Zahnfleisch und der Mundschleimhaut führen und dadurch Aphthen hervorrufen.

Symptome und Krankheitsverlauf

Aphten zeigen eine charakteristische zeitliche Entwicklung: Zu Beginn bildet sich im Mund ein entzündlicher Fleck (kein Bläschen), der sich rasch über eine flache Erosion (= Bereich mit Verlust der obersten Schichten der Schleimhaut) in eine muldenförmig eingesunkene Aphte (= Bereich, in dem auch die tieferen Schichten der Schleimhaut zerstört sind) umwandelt. Die Oberfläche des Geschwürs bzw. der Aphte ist von einem gelblichen Belag bedeckt, welcher sich nicht abstreifen lässt (s. Abbildungen). Ein rezidivierender Verlauf ist die Regel. Typische Entstehungsstellen für Aphten sind das Zahnfleisch, die Schleimhäute der Lippen und der Wange, die Zunge, der Mundboden, aber auch Kieferwinkel, die hintere Rachenwand und der Kehlkopf.

Generell unterscheidet man bei gutartigen (benignen) Aphten aufgrund der Größe und Anzahl die Minor-Aphten von den Major-Aphten und den herpetiformen Aphten. Die mit Abstand häufigste Aphten-Form sind die Minor-Aphten (85-90% der Erkrankungsfälle). Sie heilen in der Regel innerhalb von maximal 14 Tagen ab. Major-Aphten machen etwa 10% aller Apthen aus. Aufgrund ihres Durchmesser von bis zu 3 cm sind diese Aphten häufig besonders schmerzhaft und ihre Abheilung kann bis zu sechs Wochen dauern.

 Kleine Aphten (Minor-Typ)Große Aphten (Major-Typ)Sehr kleine, wie Fieberbläschen-gruppierte (herpetiforme) Aphten
Häufigkeit:85-90%etwa 10%1 - 3%
Aphten-Durchmesser:2-5mm10-30mmnormalerweise 1-2mm
Anzahl:wenige, in der Regel 5 wenige bis zu 100
Abheilung:normalerweise nach 7 bis 14 Tagen ohne Narbenbildung
2-6 Wochen (selten auch länger)7-10 Tage

Das Auftreten von Aphten kann auch Ausdruck einer Systemerkrankung sein. Als Systemerkrankungen bezeichnet man Krankheiten, die den gesamten Körper befallen (im Gegensatz zu solchen, die auf ein bestimmtes Körperteil beschränkt sind). Deshalb sollte man bei der Diagnose von Aphten das Auftauchen bestimmter anderer Symptome im Blick behalten und gegebenenfalls weitere Untersuchungen anstellen.

Tabelle: Mit Aphten assoziierte Systemerkrankungen

ErkrankungZusätzliche Symptome
Behçet-SyndromUveitis, Konjunkunktivitis, Retinitis,
Gelenk- und Kopfschmerzen,
Hirnhautentzündung,
Erythema nodosum-artige Hautveränderungen
HIVgehäufte Infektanfälligkeit,
Gewichtsverlust,
Lymphknotenschwellungen
PFAPA-Syndrom
(periodisches Fieber, aphthöse
Stomatis, Pharyngitis, zervikale
Adenitis)
rezidivierende Fieberschübe, die meist vor dem
5. Lebensjahr beginnen,
Stomatitis mit Aphthen,
Pharyngitis,
Lymphadenitis
ZöliakieDurchfall,
Gewichtsverlust,
Bauchschmerzen,
Müdigkeit

Diagnose und Differentialdiagnose

Zur Diagnose der wiederkehrenden Aphthen kommen keine spezifischen Laboruntersuchungen zum Einsatz. Die Diagnosestellung beruht auf der Patientenbefragung und den sichtbaren Symptomen. Besteht jedoch ein Verdacht auf eine andere Grunderkrankung oder Mangelzustände, für die die Aphten lediglich ein Symptom sind, kann eine Bestimmung verschiedener Laborparameter aber aufschlussreich und notwendig werden.

Als Differentialdiagnosen kommen eine Reihe infektiöser Ursachen für Entzündungen des Mundraumes in Frage. Insbesondere Virusinfektionen spielen hierbei eine Rolle. Darunter fallen Herpes -Viren, Mundfäule, Varizellen und Coxsackie-Viren. Zusätzlich existieren auch bakterielle Infektionen, die fälschlicherweise als Aphten gedeutet werden können, die Gingivitis und Syphilis. Auch Pilzinfektionen, Erkrankungen der blutbildenden Organe und Autoimmunerkrankungen können mit Aphten verwechselt werden. Wichtig ist es bei Aphten immer auf eventuelle Begleitsymptome wie Fieber, Durchfall, Bindehautentzündungen und Ulzerationen (Geschwüre) an anderen Stellen des Körpers zu achten. Bei einem besonders schweren, mit starker Narbenbildung einhergehendem Krankheitsverlauf sollte sicherheitshalber eine HIV-Erkrankung in Erwägung gezogen werden.

Therapie und Behandlung

Bis heute ist eine vollständige Heilung der chronischen Aphthen nicht möglich. Das primäre Ziel der Aphten Behandlung ist daher eine möglichst schnelle Linderung der Schmerzen. Bei nur vereinzelt auftretenden Aphthen werden überwiegend äußerliche (topische) Medikamente in Form von schmerzlindernden Mundgelen (z.B. InfectoGingi®) eingesetzt. Als Wirkstoffe eignen sich insbesondere Lidocain (lokal betäubende Wirkung) und antientzündlich und antibakteriell wirkende Pflanzenextrakte. Zusätzlich bildet das aufgetragene Gel einen als angenehm beschriebenen Schutzfilm auf der Aphte. Für die Sofortbekämpfung eines schmerzhaften Aphten-Schubes ist ein oraler Kortisonstoß eine sinnvolle Therapieoption. Kommt es in sehr kurzen Abständen zum Auftreten von Aphten, hat eine mehrmonatige Behandlung mit Colchicin die besten Chancen auf eine längerfristig anhaltende Symptomfreiheit. Hierbei sollte anfänglich eine Therapie mit der Einnahme von Colchicin über sechs Wochen stattfinden. Im Falle eines positiven Ansprechens der Aphte ist eine mehrmonatige Einnahme möglich. Alternativ steht die Substanz Pentoxifyllin zur Verfügung. Von einer Aphten Behandlung mit einem Hausmittel wird generell abgeraten. Allerdings kann eine Spülung der Mundschleimhaut mit Salbei oder Kamillentee als Behandlung mit einem Hausmittel in Erwägung gezogen werden.

Tabelle: Zur Selbstmedikation geeignete topische Behandlungsansätze rezidivierender Aphten

WirksubstanzWirkprinzipTherapeutika
Lidocain, Salbeiextrakt, Kamilleextraktanästhesierend (betäubend) und anti-entzündlichInfectoGingi® Mundgel
HydroxybenzsulfonsäureBildung eines Schutzfilms, Zersetzung des WundgewebesOralmedic® Einmalapplikation

 

Tabelle: Vom Arzt verordnete topische Behandlungsansätze rezidivierender Aphten

WirksubstanzWirkprinzipTherapeutika
SilbernitratKauterisation (Verätzung)5%ige Silbernitratlösung
Einmalapplikation
Kortisonanti-entzündlichVolon-A-Haftsalbe,
dreimal täglich nach den Mahlzeiten bis zur Beschwerdebesserung
Tacrolimusanti-entzündlichProtopic® 0,1%ige Salbe,
dreimal täglich bis zur Beschwerdebesserung

 

Tabelle: Vom Arzt verordnete systemische Behandlungsansätze rezidivierender Aphten

WirksubstanzWirkprinzipTherapeutika
Kortisonanti-entzündlich1mg pro kg Körpergewicht für drei Tage
Colchicinanti-entzündlich, schmerzlindernd1-2 mg pro Tag
Pentoxifyllinanti-entzündlich400 mg pro Tag

 

Meistens kommt es nach unterschiedlich langen, zum Teil mehrere Jahre umfassenden Zeiträumen zu einem Rückgang der Schübe und schließlich einem Rückgang der Symptome (spontane Remission).

2015 haben mehrere Forschungsstudien gezeigt, dass an rezidivierenden Aphten leidende Patienten eine veränderte Bakterienflora besitzen. Diese Ergebnisse können zukünftig die Grundlage für einen neuen, verbesserten Therapieansatz liefern.

Prävention und Vorbeugung

Zur Prävention von Aphten an der Mundschleimhaut steht eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Die einfachsten Schritte zur Vorbeugung bestehen in einer guten Mundhygiene. Es wird berichtet, dass es zunächst bereits hilft, zwischen den Mahlzeiten auf Snacks und Süßigkeiten zu verzichten und nach jeder Mahlzeit konsequent den gesamten Mund, d.h. die Zähne, das Zahnfleisch, die Zunge und die Mundschleimhaut zu putzen. Hierbei ist auf die geeignete Auswahl sowohl der Zahnpasta als auch der Zahnbürste bei der Mundhygiene zu achten. Außerdem sollte halbjährlich ein Termin beim Zahnarzt stattfinden. Im Bereich der Mundhygiene gibt es neben Mundwasser und Mundduschen auch noch die Möglichkeit, die Zahnbürste nach dem Putzen mit Alkohol zu desinfizieren.

In Phasen von Stress oder Zeiten mit Schlafmangel ist man meistens besonders anfällig für die Neubildung von Aphten. Ein geschwächtes Immunsystem kann die Bildung der Aphten begünstigen. Stress sollte daher so weit wie möglich vermieden werden, auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf geachtet werden.

Therapieempfehlungen der derma.plus Experten

Bei wiederkehrenden vereinzelten Aphten im Mund empfehlen wir InfectoGingi®, ein lokales Schmerzgel mit Lidocain, das durch den Zusatz von Kamille- und Salbeipflanzenextrakten zusätzlich eine wundheilungsfördernde und antiseptische Wirkung entfaltet. Durch die guten Hafteigenschaften von InfectoGingi® an der Mundschleimhaut ist eine viermal tägliche Auftragung ausreichend. Bei sehr schmerzhaften Aphten kann es vorkommen, dass die schmerzstillende Wirkung verstärkt werden muss. Zusätzlich kann mit Hilfe einer Mischung aus Schwefelsäure und verschiedenen Sulfonsäuren (Oralmedic®) die Aphte lokal verätzt werden. Großflächige oder schwer zugängliche Aphten können einen anderen Applikationsweg verlangen. In diesem Fall empfehlen wir ein Hyaluronsäure-haltiges Präparat, das die Aphte mit einer schützenden Schicht überzieht, wodurch die Schmerzen reduziert werden und die Heilung unterstützt wird (Aftamed Mundspülung und Mundspray).

Sollte sich unter dieser Aphten Behandlung keine Besserung innerhalb von wenigen Tagen erzielen lassen, stehen zur Therapie verschreibungspflichtige Medikamente wie oben beschrieben zur Verfügung. Hierfür ist eine Konsultation bei einem Facharzt zur Diagnosestellung und Therapieanpassung notwendig.

Aphten (Orale Aphthose)
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19 Stimmen

Literatur


Letzte Aktualisierung: 23.01.2017