Zusammenfassung

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und die Kontaktstelle des Körpers zur Außenwelt. Als Barriere verhindert sie das Eindringen von Fremdstoffen, als Sinnesorgan nimmt sie Umweltreize wie Temperatur und Berührungen wahr. Eine wichtige Rolle spielt sie auch bei der Temperaturregulation des Körpers. Die Hautoberfläche ist dicht von nützlichen Mikroorganismen besiedelt, die u. a. die Ansiedlung von Krankheitserregern erschweren.

Auf einen Blick:

+Die Haut bedeckt eine Fläche von durchschnittlich 1,7 m2.

+Die Haut ist zwischen 1,5 und 4 mm dick.

+Die Haut wiegt zwischen 3,5 und 10 kg (~16% des Körpergewichts).

+Die Haut besitzt rund 250.000 Kälte- und 30.000 Wärmerezeptoren.

Die Haut – Aushängeschild des Menschen


Die Haut (griechisch = derma oder lateinisch = cutis) bedeckt die gesamte Körperoberfläche und ist damit das flächen- und gewichtsmäßig größte Organ des Menschen. Hinsichtlich ihrer Funktionen ist sie auch das vielseitigste Organ. Als Hüllorgan dient sie der Abgrenzung zwischen Innen und Außen, schützt vor Umwelteinflüssen sowie dem Verlust von Wasser und Elektrolyten und stellt die erste Verteidigungslinie des Immunsystems gegen Krankheits­erreger dar. Gleichzeitig ist sie ein Sinnesorgan, das Umweltreize aufnimmt, und der sichtbare Teil des Körpers, über den die zwischenmenschliche Kommunikation erfolgt. Allein deshalb gilt eine gesunde und gepflegte Haut als Aushängeschild des Menschen.

Haut ist nicht gleich Haut


Anhand der sichtbaren Oberflächenstruktur lässt sich die Haut in zwei Typen einteilen: An den Fingern, der Handinnenseite sowie der Fußsohle findet sich die so genannte Leistenhaut. Diese zeigt ein Muster aus Hautleisten, das den für jeden Menschen einzigartigen Fingerabdruck ausmacht. Die Leistenhaut enthält viele Schweißdrüsen, aber keine weiteren Hautanhangsgebilde wie Haare oder Nägel. Den restlichen Körper bedeckt die Felderhaut. Sie besitzt eine Oberflächenstruktur aus rautenförmigen Feldern (Areolae cutaneae), deren Größe je nach Körperregion variiert. Sehr gut lässt sich dieses Muster auf dem Handrücken erkennen. Die feinen Furchen um die Felder dienen als Reservefalten für die Oberhaut, da diese weniger dehnfähig ist als die darunter liegende Lederhaut. Im Unterschied zur Leistenhaut ist die Felderhaut je nach Körperregion mehr oder weniger stark behaart.

Grundsätzlich ist die Haut aus drei Schichten aufgebaut (Abb. 1): Epidermis (Oberhaut, Epi = griech. „über“), Dermis oder Corium (Lederhaut) und Subcutis (Unterhaut). Dabei werden die Epidermis und die Dermis auch als Cutis zusammengefasst. Die Epidermis ist ein mehrschichtiges Deckgewebe (Epithel), das die Haut nach außen abschließt und die Kontaktstelle zur Außenwelt darstellt. Sie besteht zu einem Großteil aus hornbildenden Zellen (Keratinozyten), die die Hornsubstanz Keratin bilden und im Zuge dieser übermäßigen Keratineinlagerung absterben. Die äußerste Schicht der Epidermis besteht ausschließlich aus diesen toten Hornzellen (Korneozyten), die mit der Zeit abschilfern und durch Zellen aus der tiefer liegenden Basalzellschicht ersetzt werden. Bei mechanischer Belastung wird die Hornschicht verdickt – es entsteht eine Hornhaut.

 

Die Haut ist dreischichtig aufgebaut und besteht von außen nach innen aus Epidermis (Oberhaut), Dermis (Lederhaut) und Subcutis (Unterhaut). In der Lederhaut befinden sich auch die Hautanhangsgebilde wie Haare, Nägel und Drüsen. Gezeigt ist ein Stück der Leistenhaut mit ausgeprägten dermalen Papillen.

Abb. 1: Die Haut ist dreischichtig aufgebaut und besteht von außen nach innen aus Epidermis (Oberhaut, A), Dermis (Lederhaut, B) und Subcutis (Unterhaut, C). In der Lederhaut befinden sich auch die Hautanhangsgebilde wie Haare (4+5), Nägel und Drüsen (2+3). Gezeigt ist ein Stück der Leistenhaut mit ausgeprägten dermaßen Papillen (rote Wellenlinie).

Die Oberhaut macht dicht


Die mehrschichtige Epidermis (Abb. 2) bildet eine Barriere gegen eindringende Fremdstoffe und Mikroorganismen. Die nach außen abschließende Schicht wird als Hornschicht (Stratum corneum) bezeichnet. Sie besteht aus vollständig verhornten, toten Zellen und kann an der Fußsohle als „Hornhaut“ bis zu 200 Zellschichten dick sein.

 

Abb. 2: Aufbau der Oberhaut. Die Hornschicht (Stratum corneum) schließt die Oberhaut nach außen ab und besteht vollständig aus toten Hornzellen. Darunter liegt die Glanzschicht (Stratum lucidum), die einen Übergang zur Körnerzellschicht (Stratum granulosum) darstellt. Die hornbildenden Zellen entstehen in der Basalzellschicht (Stratum basale), von der aus sie nach oben wandern. In der Stachelzellschicht (Stratum spinosum) beginnen sie mit der Verhornung und wandeln sich in der Körnerzellschicht unter Abplattung zu toten Hornzellen um. Basal- und Stachelzellschicht bilden zusammen die Keimschicht (Stratum germinativum). Unter der Basalzellschicht liegt die Basallamina, die die Epidermis von der Dermis trennt.

Abb. 2: Aufbau der Oberhaut. Die Hornschicht (Stratum corneum, 2) schließt die Oberhaut nach außen ab und besteht vollständig aus toten Hornzellen. Darunter liegt die Glanzschicht (Stratum lucidum, 3), die einen Übergang zur Körnerzellschicht (Stratum granulosum, 4) darstellt. Die hornbildenden Zellen entstehen in der Basalzellschicht (Stratum basale, 6), von der aus sie Richtung Hautoberfläche wandern. In der Stachelzellschicht (Stratum spinosum, 5) beginnen sie mit der Verhornung und wandeln sich in der Körnerzellschicht unter Abplattung zu toten Hornzellen um. Basal- und Stachelzellschicht bilden zusammen die Keimschicht (Stratum germinativum). Unter der Basalzellschicht liegt die Basallamina (7), die die Epidermis (A) von der Dermis (B) trennt.

 

Zwischen die Hornzellen lagern sich Fette ein, wodurch eine wasserabweisende Schutzschicht entsteht, die ein Eindringen von Krankheitserregern verhindert. Einen zusätzlichen Schutz vor krankmachenden Mikroorganismen bietet das leicht saure Milieu (pH-Wert 5,5) der Hautoberfläche zusammen mit Bakterien-abtötenden Substanzen aus dem Schweiß. Man spricht dabei auch von einem „Säure­schutz­mantel“ der Haut. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Hautflora – Bakterien und Pilze, die an das Hautmilieu angepasst sind. Die Mikroorganismen der Hautflora sorgen als natürliche „Mitbewohner“ dafür, dass sich Krankheitserreger auf gesunder Haut nur schwer ansiedeln können, da sie als „Konkurrenz“ um bspw. Nährstoffe den krankmachenden Keimen das Wachstum erschweren. Die Hautflora ist in ihrer Zusammensetzung erstaunlich stabil gegenüber Umwelteinflüssen. Kommt es dennoch zu Veränderungen, begünstigt das gemeinsam mit einer gestörten Hautbarrierefunktion häufig die Entstehung oder den Ausbruch von Hautkrank­heiten wie der atopische Dermatitis (Neurodermitis).

Die für die Epidermis typischen hornbildenden Zellen haben ihren Ursprung in der untersten Epidermisschicht, der Basalzellschicht (Stratum basale). Von dort wandern die durch Zweiteilung entstandenen Zellen an die Hautoberfläche, wodurch sich die Epidermis etwa alle vier Wochen komplett erneuert. In der Stachelzellschicht (Stratum spinosum) beginnt der Verhornungsprozess der hornbildenden Zellen (Keratinisierung), der sich in der Körnerzellschicht (Stratum granulosum) unter sichtbarer Abplattung der Zellen und Verlust des Zellkerns fortsetzt. Stachelzellschicht und Basalzellschicht werden auch als Keimschicht (Stratum germinativum) oder Regenerationsschicht zusammengefasst. Den Übergang zwischen Körnerzell- und Hornschicht bildet die Glanzschicht (Stratum lucidum), die jedoch nur in der Leistenhaut deutlich ausgeprägt ist.

Die unteren beiden epidermalen Zellschichten enthalten neben Keratinozyten noch weitere Zelltypen wie die Langerhans-Zellen, spezielle Abwehrzellen, die in die Epidermis eingedrungene Krankheitserreger erkennen und dem Immunsystem melden. In der Basalzellschicht liegen außerdem Sinneszellen für Berührungsreize (Merkel-Zellen) und die melaninbildenden Zellen (Melanozyten).

Die Lederhaut hat viele Aufgaben


Nach unten, zur Dermis hin, ist die Epidermis durch die Basallamina abgegrenzt. Diese dünne, faserhaltige Schicht verläuft in der Felderhaut weitgehend flach, wird aber in der Leistenhaut durch Ausbuchtungen der Lederhaut (Papillen) verformt. Dadurch entstehen die sichtbaren Hautleisten des Fingerabdrucks. Entsprechend ihrer Struktur wird die Lederhaut in eine obere Papillenschicht (Stratum papillare) und eine untere Netzschicht (Stratum reticulare) unterteilt. Die zapfenartigen Papillen in der Leistenhaut vergrößern die Kontaktfläche zwischen Epidermis und Dermis und damit den mechanischen Zusammenhalt dieser Hautschichten (gut zu erkennen in Abb. 1 und Abb.2: Die roten Wellenlinien zeigen schematisch die Papillen). In der Felderhaut wird dieser Zusammenhalt durch die Haare erreicht, so dass eine Ausprägung von Papillen nicht notwendig ist.

Durch ihren hohen Anteil an reißfesten, kollagenhaltigen Bindegewebsfasern dient die Lederhaut einerseits der Verankerung der Epidermis, ist aber andererseits auch durch elastische Fasern für die Dehnbarkeit der Haut verantwortlich. Letztere nimmt im Alter ab, was die Faltenbildung begünstigt. Feine Gefäße in der Grenzzone zur Epidermis gewährleisten die Versorgung der Haut mit Nährstoffen und der untere Teil der Dermis enthält glatte Muskulatur und größere Blutgefäße, die an der Temperaturregulation beteiligt sind. Vor allem in den Fingerspitzen und Lippen besitzt die Dermis zudem Tastrezeptoren (Meissner-Körperchen). Ebenfalls in der Lederhaut liegen die Hautanhangs­gebilde, also die Haare mit dem Haarbalgmuskel (Musculus arrector pili), die Nägel, sowie die Talg-, Schweiß- und die Milchdrüsen. Der Begriff Lederhaut stammt ursprünglich daher, dass durch das Gerben dieser Hautschicht aus Tierhäuten Leder entsteht.

Die Unterhaut (Subcutis) besteht aus lockerem Bindegewebe und verbindet die darüber liegenden Hautschichten mit dem Knochen. Sie enthält das Unterhautfettgebe, Sinneszellen für starke Druckreize wie Vibrationen (Vater-Pacini-Körperchen) sowie größere Blutgefäße und Nerven, die in die oberen Hautschichten ziehen.

Die Haut schützt und reguliert


Ein im Tierreich einzigartiges Merkmal der menschlichen Haut ist die Fähigkeit zum Schutz vor ultravioletter Strahlung durch Einlagerung des Pigments Melanin. UV-Strahlung verändert das Erbgut (DNA) der Hautzellen, so dass das Krebsrisiko steigt. Schädliche UV-Strahlung wird zu einem Teil bereits von der Hornschicht (Stratum corneum) aufgenommen oder reflektiert. Da diese Hornzellen nicht mehr leben, kann ihnen die Strahlung nichts anhaben. Wie bei mechanischer Überlastung reagiert die Haut auf für längere Zeit erhöhte UV-Strahlung mit einer Verdickung der Hornschicht, die auch als „Lichtschwiele“ bezeichnet wird. Gleichzeitig produzieren die pigmentbildenden Melanozyten als Reaktion auf die UV-Einstrahlung verstärkt UV-absorbierendes Melanin. Das Pigment kann je nach Hauttyp als Eumelanin oder Phäomelanin vorkommen, wobei das braune Melanin einen besseren Schutz vor UV-Strahlung bietet als das rötliche Phäomelanin, das nur vom keltischen Hauttyp produziert wird.

Ein Zusammenspiel verschiedener Hautstrukturen hilft bei der Regulation des Wärmehaushalts des Körpers. Feinste Blutgefäßnetzwerke (Kapillargefäße), die dicht unter der Hautoberfläche entlang laufen, transportieren die Körperwärme zur Hautoberfläche, wo sie durch die Verdunstungskühle des Schweißes abgeleitet wird. Die Aktivität der Schweißdrüsen wirkt folglich einer Überhitzung des Körpers entgegen. Eine Unterkühlung wird durch die isolierende Funktion des Unterhautfettgewebes verhindert. Damit keine Körperwärme verloren geht, werden bei Kälte Lederhaut und Unterhautfettgewebe nur noch wenig durchblutet. Die Haare können dagegen beim Menschen nur noch eine geringe Isolationsfunktion übernehmen. Die sogenannte Gänsehaut, bei der der Haarbalgmuskel als Reaktion auf Kälte das Haar aufstellt, ist ein Relikt aus früherer Zeit: Bei einem geschlossenen Haarkleid (Fell) würde durch die Gänsehaut eine isolierende Luftschicht entstehen.

Die Haut hat Spürsinn


Zur Aufnahme von Umweltreizen ist die Haut mit verschiedenen Rezeptoren ausgestattet: In der Lederhaut befinden sich Schmerzrezeptoren, die je nach Körperregion unterschiedlich dicht angeordnet sind. Dabei handelt es sich um freie Nervenendigungen, deren Ausläufer bis in die Epidermis reichen. Als Temperaturrezeptoren fungieren ebenfalls freie Nervenendigungen, die sich besonders an Kinn, Nase, Ohrmuschel, Ohrläppchen und Lippen häufen. Zudem existieren Druck-, Dehnungs- und Tastrezeptoren, letztere vor allem in der unbehaarten Haut, in den Fingerspitzen, den Lippen, der Zunge, den Brustwarzen, und den äußeren Geschlechtsorganen.

Die Nägel schützen Finger und Zehen vor Verletzungen und bilden ein Widerlager für das Greifen. Auch die Haare haben eine Schutzfunktion – vor Wärmeverlust, Sonnenstrahlung und Nässe – und zusätzlich eine große soziale Signalwirkung. Sowohl die Haut als auch Haare und Nägel prägen das Erscheinungsbild des Menschen maßgeblich und sind Ziel kosmetischer Veränderungen u. a. durch Schminke, Tätowierungen, Sonnenbäder, Hautaufhellung und Körperschmuck aller Art.