Zusammenfassung

Faulecken sind oft chronisch verlaufende Entzündungsreaktionen an den Mundwinkeln, die durch das Einreißen der Haut schmerzhaft sein können. Alle Altersgruppen können erkranken.
Wichtig ist eine intensive Pflege der befallenen Hautregion. Reicht diese nicht aus, muss zusätzlich für die Zeitdauer bis zur klinischen Abheilung eine antientzündliche Therapie erfolgen.

Auf einen Blick:

+ Auftreten alle Altersgruppen können erkranken

+ Symptome ein- oder beidseitige unterschiedlich starke Rötungen der Mundwinkel, zusätzliche gelbliche Schuppenbildung oder Einrisse sind möglich

+ Einflussfaktoren trockene Haut, Neurodermitis, Kontaktdermatitis, erhöhte Feuchtigkeit der Mundwinkel durch Zahnspangen oder Prothesen

+ Ansteckungsgefahr keine

Einführung

Sogenannte Faulecken sind unterschiedlich stark ausgeprägte Rötungen an den Mundwinkeln. Synonym werden auch die Namen Mundwinkelrhagaden, eingerissene Mundwinkel, Perlèche oder medizinisch Angulus infectiosus verwendet.
Hierbei handelt es sich um eine meist chronisch verlaufende Entzündungsreaktion der Haut in den Mundwinkeln, eine Halbschleimhaut. Sie kann alle Altersgruppen betreffen und durch das Einreißen der Haut auch schmerzhaft sein. Für die Therapie wichtig ist eine intensive Pflege der befallenen Hautregion. Wenn dies nicht ausreicht, muss zusätzlich für die Zeitdauer bis zur klinischen Abheilung eine antientzündliche Therapie erfolgen.

derma.plus Expertenwissen: Halbschleimhaut
Als Halbschleimhaut wird die Haut bezeichnet, die in direkter Umgebung von Schleimhaut liegt. Durch die Schleimhaut ständig befeuchtet bildet sie keine verhornende Schicht, wie die ‚normale‘ Haut (siehe auch: Gesunde Haut)

Ursachen und Auslöser

Eine erhöhte, länger bestehende Feuchtigkeit im Bereich der Mundwinkel führt zu einer Schwächung der Hautbarriere in diesem Bereich mit nachfolgender Hautentzündung und Besiedelung mit sehr unterschiedlichen Erreger. Diese Feuchtigkeit kann durch erhöhten Speichelfluss oder ständiges Lippenlecken bedingt sein. Es gibt eine Reihe von möglichen Auslösefaktoren. Besonders gefährdet sind Personen mit einer allgemein trockenen Haut oder einer Neurodermitis.

Zu den möglichen Auslösefaktoren gehören:

  • Zahnspangen, Prothesen
  • Kontaktdermatitis, z.B. durch Nickel
  • bestimmte Medikamente z.B. durch orale Isotretinoin-Gabe im Rahmen einer Akne-Therapie
  • genetischen Erkrankungen wie z.B. einem Down-Syndrom
  • Autoimmunerkrankungen wie Pemphigus vulgaris

 

Im mikrobiologischen Abstrich der entzündeten Haut lassen sich eine Vielzahl von Bakterien (neben Staphylococcus aureus auch Streptokokken oder gramnegative Erreger) und Hefen nachweisen. Jedoch sind diese Keime nicht als spezifisch anzusehen, sondern als Sekundärbesiedler einer chronischen Halbschleimhautentzündung. Dies bedeutet, dass die nachgewiesenen Keime nicht die Ursache der Entzündung sind, sondern die beschädigte Hautbarriere ausnutzen, um sich hier anzusiedeln.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Faulecken zeigen sich als eine ein- oder beidseitig im Bereich der Mundwinkel angeordnete, unterschiedlich stark ausgebildete, schuppende Rötungen, die zusätzlich auch gelbliche Schuppenkrusten aufweisen können und kleine Einrisse der Haut zeigen.

Die subjektiven Beschwerden können Schmerzen, Brennen und Juckreiz in jeweils unterschiedlich ausgeprägter Intensität umfassen. Insbesondere morgens beim Aufstehen und den ersten Mundbewegungen kommt es zu schmerzhaften Mikroeinrissen. Auch der Kontakt mit säurehaltigen Speisen induziert ein schmerzhaftes Brennen.

Bei nicht ausreichender Behandlung kann sich die Erkrankung über Wochen hinziehen.

Diagnose und Differentialdiagnose

Die Diagnosestellung bereitet in der Regel keine Schwierigkeiten. Sie erfolgt aufgrund des klinischen Bildes. Abstriche zum Nachweis von Erregern sind nur bei chronischen, auf eine Behandlung wiederholt nicht ansprechenden Verläufen sinnvoll.
Manchmal kann eine zusätzliche Herpes-Infektion Schwierigkeiten bereiten.

Therapie und Behandlung

Die Behandlung beinhaltet zum einen die Wiederherstellung der gestörten Hautbarriere und zum anderen die Abheilung der Entzündungsreaktion.

Zur Barrierereparatur sehr gut geeignet sind die OTC-Präparate Alfason® Repair Creme und Neuroderm® Repair Creme, die beide über eine nachgewiesene optimierte Lipidzusammensetzung verfügen und sich hierdurch von üblichen Pflegeprodukten unterscheiden. Die Präparate sollten sooft als möglich aufgetragen werden.

Gelingt hierdurch keine Abheilung muss zusätzlich kurzzeitig antientzündlich behandelt werden, wobei es sich hierbei um verschreibungspflichtige Medikamente handelt.

Die antientzündliche Behandlung kann ausschließlich antientzündlich erfolgen mit einem äußerlichen Kortison (z.B. Prednicarbat (u.a. Prednitop® Creme)), die gerne auch kombiniert mit einem gegen Pilze gerichteten Wirkstoff wie Micoanazol (z.B. Decoderm® tri Creme) oder mit einem Antiseptikum wie Clioquinol (z.B. Locacorten®-Vioform®-Paste) eingesetzt werden. Eine Kortison-freie Therapie ist mit einem topischen Calcineurininhibitor wie z.B. Tacrolimus (Protopic® Salbe) möglich.

Eine ausschließlich äußerliche antibiotische oder antimykotische Behandlung führt in der Regel nicht zu einer Abheilung. Dies gilt auch analog für eine mit Tabletten geführte antimikrobiologische Behandlung. Wichtig ist es, mögliche Auslösefaktoren zu ermitteln und diese soweit möglich konsequent auszuschalten.

Tabelle: Übersicht über die Behandlung der Faulecken

 PräparateApplikationsfrequenz
BarrierereparaturAlfason® Repair Creme
Neuroderm® Repair Creme
mehrmals tgl.
mehrmals tgl.
Antientzündliche
Behandlung
äußerlich Kortison
äußerlich Kortison-frei
äußerlich kombiniert:
Pilzwirkstoff & Kortison
Antiseptikum & Kortison

Prävention und Vorbeugung

Sowie erste Beschwerden oder klinische Anzeichen auftauchen, ist es sinnvoll die Mundwinkel sofort und mehrfach täglich einzucremen.

Faulecken (Angulus infectiosus)
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Literatur

Letzte Aktualisierung: 07.02.2017