Zusammenfassung

Die Akne gehört zu einer der häufigsten Hautkrankheiten. Es wird geschätzt, dass 85% aller Deutschen schon einmal an den Beschwerden einer Akne gelitten haben. Die Krankheit wird bedingt durch hormonelle Veränderungen, die häufig mit der Pubertät in Gang gesetzt werden. In den meisten Fällen verschwindet die Akne bis zum 30. Lebensjahr wieder.

Auf einen Blick:

+ Auftreten vorzugsweise im Jugendalter, Männer häufiger betroffen als Frauen

+ Symptome fettige Haut, Mitesser, teilweise entzündliche Knötchen, vor allem an Gesicht und Oberkörper

+ Einflussfaktoren genetisch, psychogen, hormonell, ernährungsbedingt

+ Ansteckungsgefahr keine

+ Therapieempfehlung Akne

Was ist Akne?

Akne ist eine sehr häufig vorkommende, nicht-infektiöse Erkrankung der talgdrüsenreichen Hautregionen. Sie äußert sich in Form von fettiger Haut, Mitessern und entzündlichen Knoten.

Akne ist die typische Pubertätserkrankung. Insbesondere im Alter zwischen 12 und 18 Jahren wird ein Häufigkeitsgipfel erreicht. Jedoch kann die Erkrankung bereits im Neugeborenenalter erstmals auftreten (Acne neonatorum) oder in Form der Acne tarda bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Die Krankheit ist oftmals mit einem hohen Leidensdruck der Betroffenen verbunden, weil die Hautveränderungen gesellschaftlich als unschön betrachtet werden.

Auffällig ist, dass die Akne in den letzten Jahren in Ländern mit einem westlichen Lebensstil an Häufigkeit zugenommen hat, was auf ernährungsabhängige Einflüsse schließen lässt. Die Erkrankung verläuft in vielen Fällen leicht und nur über einen kurzen Zeitraum. Derart milde Verläufe können mit rezeptfreien Präparaten behandelt werden, jedoch verlangt die Schwere der Erkrankung bei etwa 40% der Patienten eine ärztlich geleitete Behandlung. Eine Geschlechterbevorzugung besteht zwar nicht, jedoch tritt die schwerste Verlaufsform der Akne, die Acne conglobata, häufiger beim männlichen Geschlecht auf.

Akne Ursachen

Aufgrund von Zwillings- und Familienstudien ist bekannt, dass genetisch bedingt eine unterschiedliche Anfälligkeit für das Auftreten von Akne besteht. Für die typischen Akneveränderungen fällt dem insulin-artigen Wachstumsfaktor-1 (IGF-1) eine zentrale Rolle zu. Aktiviert wird dieser zum einen durch steigende Androgenspiegel während der Pubertät, zum anderen kommt auch der Ernährung eine bedeutende Rolle zu. Insbesondere ein hoher Konsum von Milchprodukten und Nahrungsmitteln mit einem hohen glykämischen Index fördert die IGF-1-Bildung. Deshalb sollten sich Akne-Patienten auf jeden Fall bewusst ernähren und darüber informieren, welche Lebensmittel aufgrund einer Erzeugung kurzzeitig sehr hoher Blutzuckerwerte zu meiden sind.


Glykämischer Index

Der Glykämische Index gibt Auskunft darüber, wie sich ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Ebenfalls üblich sind die Abkürzungen „Glyx“ oder „GI“. Je höher der GI-Wert, desto höher ist der Anstieg des Blutzuckerspiegels im Körper. Der Begriff kommt aus der Diabetes-Forschung und wird dort seit den 80er Jahren verwendet. Interessanterweise fand man im Rahmen dieser Forschung zum Beispiel heraus, dass Weißbrot den Blutzuckerspiegel stärker hebt als Haushaltszucker, ohne dass man dies an der Molekülstruktur hätte erklären können.

Zu Lebensmitteln mit einem hohen glykämischen Index gehören beispielsweise Bier, Pommes, Weißbrot und süße Backwaren, Cola, Chips und Honig. (Weitere Infos hier)


Die typisacne-grafik-ursachen akne acne vulgaris komedonencherweise auftretenden Hautveränderungen sind das Resultat verschiedener, sich gegenseitig beeinflussender Faktoren, von denen vier von entscheidender Bedeutung sind: Keratinozyten (Zellen die normalerweise die Haut schützen), Sebozyten (Zellen die für die Talgbildung verantwortlich sind), das Bakterium Propionibacterium acnes und Entzündungsreaktionen in den betroffenen Bereichen.

 

Aufgrund neuerer Untersuchungen ist man zu der Ansicht gekommen, dass die entzündlichen Veränderungen der Akne nicht nur eine Folge der entzündungsfördernden, bakteriellen Stoffwechselprodukte des Bakteriums Propioniobacterium acnes sind, sondern dass bei Aknepatienten von vorneherein eine erhöhte entzündliche Reaktionsbereitschaft des Hautgewebes vorliegt. Selbst für das Auftauchen der Mitesser wird eine derartige auf einer Überempfindlichkeit des Immunsystems beruhende Entzündungsneigung diskutiert. Forscher verdächtigen die sogenannten T-Lymphozyten dafür verantwortlich zu sein

Wie entsteht Akne?

Bei der Akne glänzt die Haut, insbesondere im Nasenbereich, aufgrund einer verstärkten Talgbildung (Seborrhö). Neben der Talgbildung kennzeichnen nicht-entzündliche Hautveränderungen in Form von geschlossenen und offenen Mitessern (Komedonen) die Acne comedonica, wohingegen entzündliche Hautveränderungen in Form von Knötchen (Papeln) und Knötchen mit zentraler Eiterbildung (Papulopusteln) das Bild der Acne papulopustulosa charakterisieren. Kommt es zusätzlich zum Auftreten entzündlicher, ineinander verschmelzender und Fisteln bildender Knoten auch zur Entstehung von talghaltigen Zysten, liegt die schwerste Form der Akne vor, die sogenannte Acne conglobata. Besonders belastend an dieser schweren Akneform ist, dass eine Abheilung der Knoten oft nur unter Narbenbildung möglich ist, weil infolge der aggressiven Entzündungsprozesse auch tieferliegende Hautstrukturen zerstört werden.

 

 

Während die nicht-entzündlichen Mitesser keine körperlichen Beschwerden bereiten, sind die entzündlichen Hautveränderungen häufig schmerzhaft. Jedoch ist die eigentliche Belastung der Akne in vielen Fällen psychischer Natur: Die Gesichtsveränderungen führen teilweise zu sozialer Ausgrenzung der Betroffenen und können Depression hervorrufen. International werden verschiedene Skalierungen verwendet, um den Schweregrad der Akne zu objektivieren.

Nachfolgend wird ein Bewertungssystem dargestellt, das sich an den klinischen Veränderungen der Akne, den Mitessern (Komedonen), Knoten (Papeln) und Knoten und eitrigen Knötchen mit zusätzlich stark entzündlichen Knoten (Papulopusteln) orientiert.

Tabelle: Klassifizierung nach Schweregrad der Akne

SchweregradMitesserPapeln und PustelnKnoten
Mildwenige bis einigewenige bis einigekeine
Moderateinige bis vieleeinige bis vielewenige bis einige
Schwerzahlreichezahlreiche und/oder exzessivviele

Diese Bewertungsskalen sind insbesondere für klinische Studien über Akne wichtig. In der Praxis spielen sie keine zu große Bedeutung, da der objektive Schweregrad gerade bei der Akne häufig nicht mit dem vom Patienten wahrgenommenen subjektiven Beschwerdegrad einhergeht.

Diagnose und Differentialdiagnose

Die Diagnose der Akne wird durch eine ärztliche Feststellung der Symptome der Betroffenen gestellt – Laboruntersuchungen sind nicht notwendig, da sich ein typisches Krankheitsbild zeigt.

Der Mitesser (Komedo) ist das zentrale Merkmal der Akne und ausschlaggebend für eine Abgrenzung gegenüber anderen im Gesicht lokalisierten Erkrankungen. Lediglich die Erkrankungen Rosazea und die periorale Dermatitis kommen aufgrund äußerlicher Ähnlichkeiten als Differentialdiagnosen in Frage, lassen sich aber bei genauer Betrachtung recht sicher ausschließen:

Die periorale (=um den Mund angesiedelte) Dermatitis unterscheidet sich von der Akne dadurch, dass hauptsächlich der Gesichtsbereich um den Mund herum (auch Nase oder Augen) betroffen ist. Überdies fehlen bei der perioralen Dermatitis die aknetypischen Mitesser.

Auch bei der Rosazea bleiben die Mitesser aus, dafür ist sie geprägt von eitrigen Pusteln und Gefäßerweiterungen unter der Haut. Diese Gefäßerweiterungen sind für die typischen anhaltenden Rötungen im Wangenbereich verantwortlich.

Was hilft gegen Akne?

Forscher gehen heute davon aus, dass 60% der Akne-Erkrankungen mild verlaufen. Diese Personengruppe bedarf keiner ärztlichen Behandlung und es reichen rezeptfreie Präparate aus, um den Krankheitsverlauf zu kontrollieren (s. Abschnitt „Basistherapie“). Bei 40% der Erkrankten liegt jedoch eine behandlungsbedürftige Akne vor, die in erster Linie durch ein immer wiederkehrendes Auftreten und stärkere entzündliche Veränderungen mit Narbenbildung geprägt ist.

 

Äußerlich einzusetzende Wirkstoffe bei der Behandlung von Akne

Die Behandlung der Komedonenakne und der leichten bis mittelschweren papulopustulösen Akne erfolgt in der Regel äußerlich. Nachfolgende Tabelle zeigt die Wirkstoffgruppen der zur Verfügung stehenden Akne-Therapeutika und ihr Wirkungsspektrum.

Tabelle: Für die äußerliche Aknebehandlung verfügbare Wirkstoffe

WirkstoffKomedon-
auflösend/vermeidend
antimikrobiellantientzündlichrezeptfrei
Antibiotikaschwache Wirkungstark wirksamstark wirksamnein
Azelainsäurewirksamwirksamkeine Wirkungnein
Benzoylperoxidschwache Wirkungstark wirksamschwache Wirkungja
Retinoidestark wirksamschwache Wirkungschwache Wirkungnein

Zu beachten ist, dass keine der in der Tabelle genannten Wirkstoffgruppen in der Lage ist, die Talgproduktion zu senken.

Akne Therapie: Topische Antibiotika

Unter den topischen Antibiotika, also solchen, die auf den betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, sind Erythromycin und Clindamycin die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe. Das Risiko für Hautirritationen ist bei diesen Antibiotika sehr gering. Ihre Wirkung ist neben einer direkt antibakteriellen auch eine indirekt anti-entzündliche. Aufgrund rascher Resistenz-Entwicklungen der Propionibakterien und auch der natürlichen Hautflora ist ihr Einsatz jedoch immer zeitlich begrenzt und sollte niemals alleiniger Pfeiler einer Therapie sein, sondern immer in Kombination mit Benzoylperoxid oder einem topischen Retinoid eingesetzt werden.

Akne Therapie: Benzoylperoxid

Benzoylperoxid entfaltet seine antibakterielle Wirkung durch die Bildung freier Radikale in den entzündeten Follikeln und eine anschließenden Zerstörung der Bakterienmembran durch chemische Oxidierungsprozesse. Die Mitesser selbst bekämpft der Wirkstoff nicht. Eine unangenehme Wirkung der Substanz ist das Ausbleichen der Haare und farbiger Kleidungsstücke, worauf bei einer Empfehlung (Benzyolperoxid-Monopräparate sind nur noch bis zum 12. Lebensjahr erstattungsfähig) hingewiesen werden sollte.

Akne Therapie: Azelainsäure

Die anti-mikrobielle Wirkung von Azelainsäure ist deutlich schwächer als die von Benzoylperoxid oder topischen Antibiotika. Ihre Effektivität gegen Mitesser (Komedone) ist nicht vergleichbar mit den topischen Retinoiden. Daher handelt es sich um eine Substanz, die nur bei leichten Formen der Akne zur Anwendung gelangen sollte oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Ihr Vorteil liegt im unbedenklichen Einsatz während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Akne Therapie: Topische Retinoide

Topische Retinoide sind synthetisch hergestellte Abkömmlinge des „Hautvitamins“ Vitamin A. Sie weisen die stärkste Wirkung gegen Mitesser (Komedone)  auf.  Außerdem wirken sie durch eine negative Beeinflussung der Wachstumsbedingungen für das Propionibacterium acnes antimikrobiell und haben geringfügig anti-entzündliche Eigenschaften. Überdies scheinen sie in der Lage zu sein, überschießende Reaktionen des Immunsystems zu dämpfen.

 

Aknebasistherapie

Die Pflege der Haut als Basistherapie beinhaltet Präparate zur Reinigung und zur Hautpflege, eventuell kann ein auf den Hauttyp abgestimmtes Tonic (Gesichtswasser) den Effekt zusätzlich verbessern. Die Basistherapie reicht in vielen Fällen leichter Akneverläufen bereits aus, um wieder einen für den Patienten akzeptablen Hautzustand zu erreichen. Daneben unterstützt die Basistherapie die medikamentöse Aknebehandlung.

Die Produkte wirken talgreduzierend (antiseborrhoisch), leicht schälend (keratolytisch) durch die Verwendung von Salicylsäure oder Milchsäure, Bakterien-reduzierend (antibakteriell) durch den Zusatz von Zink oder Alkohol und entzündungshemmend (anti-inflammatorisch) z.B. durch Inhaltsstoffe wie Hamamelis oder Panthenol. Die Mittel sind pH-neutral eingestellt.

Tabelle: Für die Aknebasistherapie empfehlenswerte Produkte

ProduktreiheReinigungPflegeTonic
Benevi Hydroderm®Gesichts-ReinigungGesichts-Fluid plusGesichts-Tonic
Effaclar®Reinigender GesichtsschaumA.I. FluidKlärende
Reinigungslotion

Eine Aknebasistherapie sollte in jedem Falle auch begleitend zu einer möglichen medikamentösen Behandlung erfolgen. So kann verhindert werden, dass der Therapie-Effekt durch nicht-adäquate Pflegepräparate gestört wird oder dass die medikamentösen Nebenwirkungen zu einem Abbruch der Behandlung durch den Patienten führen.

 

Selbsttherapie leichter Akne-Erkrankungen

Liegen nur wenige entzündliche Hautveränderungen und auch nur wenige Mitesser vor, ist eine Eigenbehandlung möglich und erfolgversprechend. Die Grundlage bietet hier die Aknebasistherapie. Bei stärker entzündlichen Hautveränderungen eignet sich zusätzlich der Wirkstoff Benzoylperoxid.

Tabelle: Rezeptfrei erhältliche Aknetherapeutika mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid

ProduktKonzentrationAnwendung
Aknefug® Oxid mild3%Das Gel 1-2 mal täglich auf die erkrankte Haut auftragen.
Aknefug® Oxid Wash5%Nach Befeuchten der erkrankten Hautpartien die Suspension 2-mal täglich dünn auf die Haut auftragen, wobei 2-3 kleine Spritzer genügen.

 

Aknetherapie bei schwereren Krankheitsverläufen

Die Behandlung und der Einsatz der Medikamente orientieren sich am individuellen Krankheitsverlauf. Liegen lediglich Komedonen vor, sollte in erster Linie die hierfür ursächliche follikuläre Verhornungsstörung bekämpft werden. Hier kommen in erster Linie topische Retinoide zum Einsatz. Die nachfolgende Tabelle zeigt die in Deutschland zugelassenen Retinoidsubstanzen, die sämtlich verschreibungspflichtig sind.

Tabelle: Zur Behandlung der Acne vulgaris zugelassene topische Retinoide

WirkstoffKonzentrationPräparat
Tretinoin0,05%Airol® Creme
Tretinoin0,05%Cordes® VAS Creme
Tretinoin0,05%Airol® Lösung
Isotretinoin0,05%Isotrex® Creme
Isotretinoin0,05%Isotrex® Gel
Isotretinoin0,1%Isotrex® Creme
Adapalen0,1%Differin® Creme
Adapalen0,1%Differin® Gel

Das Irritationspotenzial aller Substanzen ist vergleichsweise hoch, wobei Isotretinoin und Adapalen im Vergleich zum Tretinoin unbedenklicher sind. Die Substanzen kommen in der Regel einmal täglich und am besten abends zum Einsatz.

 

Behandlung der Acne papulopustulosa

Neben Komedonen liegen auch entzündliche Hautveränderungen vor, die zusätzlich zu der komedolytischen auch eine anti-entzündliche Behandlung erforderlich machen. Zur Behandlung dieser entzündlichen Akneform eignen sich besonders Kombinationspräparate, die patientenfreundlich einmal täglich am Abend aufgetragen werden.

Tabelle: Kombinationspräparate zur Behandlung der Acne papulopustulosa

WirkstoffkombinationFertigarzneimittelAnmerkung
Benzoylperoxid (5%) +
Clindamycin (1%)
Duac® GelNicht länger als 12 Wochen ununterbrochen
Adapalen (0,1%) +
Benzoylperoxid (2,5%)
Epiduo® Gel-
Isoretionin (0,5%) +
Erythromycin (2%)
Isotrexin® GelNicht bei Kindern <12 Jahren
Tretionin (0,25%) +
Clindamycin (1%)
Acnatac® GelNicht bei Kindern und Jugendlichen

 

Tabelle: Wirkprofil im Rahmen der topischen Aknetherapie verwendeter Kombinationsprodukte

Wirkstoffkombinationkomedolytische Wirkung
(gegen Mitesser)
antimikrobielle Wirkung
(gegen Mikroorganismen)
antiinflammatorische Wirkung
(gegen Entzündungen)
Benzyolperoxid +
Clindamycin
gering ausgeprägtsehr ausgeprägtdeutlich
Benzolyperoxid +
Adapalen
deutlichdeutlichmild
Isotretinoin +
Erythromycin
milddeutlichdeutlich
Tretinoin +
Clindamycin
deutlichsehr ausgeprägtdeutlich

Alle Antibiotika-haltigen Kombinationspräparate sind immer nur zeitlich begrenzt einzusetzen, um eine Resistenzentwicklung des Propionibacterium acnes und der Hautflora zu verhindern.

 

Orale Aknetherapie

Für die orale Behandlung der Akne werden einerseits zeitlich begrenzt Antibiotika eingesetzt, andererseits kommt hier der Wirkstoff  Isotretinoin zum Einsatz. Isotretinoin ist das wirksamste Aknetherapeutikum und führt fast immer zu einer vollständigen Abheilung der Symptome. Isotretionoin wird eingesetzt bei schweren Verläufen der papulopustulösen Akne sowie der schwersten Verlaufsform der Akne, der Acne conglobata. Außerdem findet es Anwendung bei Akne Verläufen, die unter einer ärztlich begleiteten Therapie nicht zufriedenstellend geheilt werden können.

Antibiotika

Bis heute konnte nicht gezeigt werden, dass die orale Gabe eines Antibiotikums effektiver als seine topische Anwendung ist. Es bestehen keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Tetrazyklinen (Doxycyclin, Minocyclin) und Erythromycin. Grundsätzlich sollte sich die Gabe auf acht bis zwölf Wochen beschränken. Zur Resistenzvermeidung ist eine topische Benzoylperoxid-, Azelainsäure- oder Retinoidbehandlung notwendig.

Der Einsatz von Minocyclin führt in seltenen Fällen zur Arzneimittel-induzierten Kollagenose (Funktionsverlust des Bindegewebes) und sollte daher kritisch abgewogen werden.

Antiandrogene

Antiandrogene üben einen Sebum-produktionshemmenden und Komedo-reduzierenden Effekt aus und können bei Frauen zum Einsatz gelangen. Sebum ist eine ölige Substanz, die von der Haut produziert wird, um diese zu schützen. Bei einer übermäßigen Sebumproduktion, wie sie häufig mit einer Akneerkrankung einhergeht, kann das Sekret aber eine gegenteilige Wirkung aufweisen. Geeignete Präparate enthalten eine Kombination aus Ethinylestradiol und einem Gestagen (im Falle von Diane® 35, Bella Hexal 35® 35 ug Ethinylestradiol und 2 mg Cyproteronacetat, im Falle von Valette® 30µg Ethinylestradiol und 2 mg Dienogest bzw. im Falle von Neo-Eunomin® 50ug Ethinylestradiol und 1 mg Chlormadinonacetat (1 mg in Phase I (11 Tage) und 2mg in Phase II (11 Tage)). Wie bei den oralen Antibiotika ist die Gabe von Antiandrogen-Präparate immer in Kombination mit einer topischen Aknetherapie durchzuführen.

Isotretinoin

Die stärkste gegen Akne wirksamste Substanz ist Isotretinoin (cis-Retinsäure), ein orales, synthetisches Retinoid. Es interagiert mit allen für die Krankheitsmechanismen der Akne relevanten Faktoren: Isotretinoin führt zu einer Normalisierung der follikulären Verhornungsstörung, unterdrückt massiv die Sebumproduktion über eine Verminderung der Talgdrüsengröße und –sekretion, reduziert die follikuläre Besiedelung mit Propionibacterium acnes durch Entzug der für das Wachstum benötigten sauerstoffarmen Bedingungen und verfügt über eine entzündungshemmende Aktivität. Das Indikationsspektrum für den Einsatz von Isotretinoin bildet sich wie folgt:

Absolute Indikationen 

Isotretinoin sollte immer zum Einsatz kommen bei

  • Vorliegen einer Acne conglobata
  • familiärer Belastung hinsichtlich einer vernarbenden Akne

 

Relative Indikationen

Der Einsatz von Isotretinoin sollte erwogen werden bei:

  • auf adäquate topische Behandlung nicht ansprechender Akne
  • sehr starker psychoreaktiver Beeinflussung

 

Gelingt es innerhalb eines vernünftigen Zeitraums von circa sechs bis neun Monaten mit einer topischen Behandlung nicht eine deutliche Besserung der Akne zu erzielen, ist ein Behandlungsbeginn mit Isotretinoin ratsam. Die empfohlene Tagesdosierung liegt bei 0,5 mg/kg KG, wobei im Falle guter Verträglichkeit auch im Verlauf auf eine Dosis von 0,8 mg/kg KG gesteigert werden kann. Die Einnahme erfolgt so lange, bis eine kumulative Gesamtdosis (Summe aller angewendeten Tagesdosen) von 120-150 mg/kg KG erreicht wurde. Danach kann mit einer geringeren Rate wiederkehrender Symptome gerechnet werden.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die Gabe von Isotretinoin nur unter strengsten Kontrollen möglich: Der Beginn einer Behandlung erfolgt erst, wenn vor und nach einem Zeitraum von vier Wochen mit konsequenter Verhütung zwei ausreichend sensitive Schwangerschaftstests ein negatives Resultat gezeigt haben. Im weiteren Verlauf erfolgt eine Kontrolle alle vier bis fünf Wochen. Die Abgabe der Isotretinoin-Medikation erfolgt immer nur für einen 30-tägigen Bedarf.

Dosisabhängig sollte nach der Einnahme von Isotretinoin mit einer Reihe möglicher Nebenwirkungen gerechnet werden. Am häufigsten wird hierbei eine ausgeprägte Trockenheit von Haut und Schleimhäuten beobachtet, die sich insbesondere in einer Cheilitis (Entzündung der Lippen) äußert. Aus diesem Grund sollte grundsätzlich eine intensive Feuchtigkeitspflege der Haut und vor allem der Lippen erfolgen. Da auch die Augen zu Trockenheit neigen können, empfiehlt sich für Kontaktlinsenträger während der Behandlung der Wechsel auf eine Brille. Ebenfalls häufiger zu beobachten ist eine Neigung zum Nasenbluten.

Treten im Rahmen der Behandlung Muskelschmerzen (Myalgien) auf, kann die tägliche Dosis zunächst reduziert werden. Bei weiterhin bestehenden Beschwerden wird ein völliges Absetzen des Medikaments notwendig.

Eine Kontrolle der Leberfunktion und der Fettwerte  vor Beginn der Behandlung, vier Wochen nach Behandlungsbeginn und bei unauffälligen Werten im weiteren Verlauf alle drei Monate wird empfohlen.

 

Unterstützende Therapieverfahren bei Akne

Neben der klassischen Akne-Toilette zählen hierzu Peeling-Verfahren, Behandlungen mit Licht und die photodynamische Behandlung.

Die mechanische Entfernung von Komedonen im Rahmen der Akne-Toilette ist als unterstützende Maßnahme in geübten Händen sinnvoll, verhindert wirksam die Narbenentwicklung durch eine ungeübte Eigenbehandlung und kann den Heilungsprozess verkürzen. Ein vorgeschaltetes, oberflächliches Peeling erleichtert das Herauslösen der Komedonen.

Eine Behandlung der Akne mit ultraviolettem Licht ist nicht angebracht. Negativer Effekt dieser Behandlung ist die vermehrte Bildung von Squalen, einem öligen Stoffwechselprodukt, das die Bildung von Komedonen fördert. Auch besteht unter einer UV-Behandlung das Risiko für postinflammatorische Hyperpigmentierungen. Zudem trägt UV-Licht zur Hautalterung bei und ist hautkrebsfördernd.

Für die unterstützende Behandlung leichter Formen der entzündlichen Akne scheint die Behandlung mit Blaulicht (405-420nm), das im Vergleich zu Rotlicht die Porpyhrinsynthese zehnmal stärker anregt, wirksam zu sein. Nachteil dieses Verfahrens ist neben der lediglich geringen Wirksamkeit der hohe zeitliche Aufwand, da die Behandlung mindestens zwei Mal pro Woche über einen mehrwöchigen Zeitraum durchzuführen ist. Berichte über den erfolgreichen Einsatz der photodynamischen Behandlung liegen zwar vor, jedoch fehlen hierzu größere kontrollierte Studien.

Prävention und Vorbeugung

Die Hauptursache für die meisten Akne-Erkrankungen sind hormonelle Veränderungen während der Pubertät. Diese Veränderungen lassen sich nicht aufhalten und deshalb ist eine Prävention der Akne nur bedingt möglich. Durch eine angemessene Aknebasistherapie und Ernährung wie oben beschrieben, lässt sich das Risiko einer Akne jedoch erheblich reduzieren.

Die Akneforschung hat in letzter Zeit bedeutende Fortschritte erzielt. In den letzten Jahren wurde die wichtige Rolle des Propionibacterium acnes belegt und erste Experimente zur Herstellung eines Impfstoffes zeigen vielversprechende Ergebnisse. Sollte diese Tendenz weiter bestehen bleiben, könnte ein Durchbruch in der Aknebehandlung gelingen.

Therapieempfehlungen der derma.plus-Experten

Die Basistherapeutika von Benevi (Hydroderm® Gesichts-Reinigung, Hydroderm® Gesichtsfluid plus und Hydroderm® Gesichts-Tonic) sind aus dermatologischer Sicht besonders empfehlenswert, da sie eine hohe Behandlungseffektivität bieten und gleichzeitig das Risiko für Hautirritationen sehr gering ist.

Die Kombination von Tretinoin-Clindamycin (Acnatac®-Gel) ist sehr wirksam bei der entzündlichen Akne und wird von uns immer vor einer oralen Isotretinoin-Behandlung eingesetzt.

Oral verabreichtes Isotretinoin ist mit weitem Abstand die wirksamste Form der Aknetherapie und das Risiko bei Beachtung der bekannten Vorsichtsmassnahmen absolut kalkulierbar.

Für die kosmetische Kaschierung von „nervenden Pickeln“ ist die Benevi® Color Pigmentcreme ideal, die als helle und dunkle Variante verfügbar ist. Durch Mischen der Präparate kann jede individuell gewünschte Hauttönung erreicht werden.

 

Akne (Acne vulgaris)
4.2
22 Stimmen


Literatur


Letzte Aktualisierung: 07.09.2017

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