Aktuelle Untersuchung zeigt: tägliches Baden bei Neurodermitis erlaubt!
Die atopische Dermatitis ist eine häufige chronisch-entzündliche Hautkrankheit, die oft bereits im Kindesalter auftritt und durch einen Wechsel von Krankheitsschüben und weitgehend beschwerdefreien Intervallen gekennzeichnet ist. Am Beginn dieser komplexen Krankheit stehen meist Defekte in der Hautbarriere. Diese führen einerseits dazu, dass Feuchtigkeit über die Haut verloren geht, andererseits, dass reizende oder allergene Substanzen in tiefere Hautschichten eindringen und dort Entzündungen hervorrufen können. Die betroffene Haut ist in der Regel extrem trocken, gerötet und juckt meist sehr stark. Zusätzlich spielen bei der atopischen Dermatitis Verschiebungen in der Zusammensetzung der natürlichen Hautflora eine Rolle. Vor allem das opportunistische Bakterium Staphylococcus aureus kommt bei vielen Betroffenen vermehrt in erkrankten Hautbereichen vor.
Die richtige Pflege ist essentiell
Die Behandlung der atopischen Dermatitis orientiert sich an der Stärke der Beschwerden und erfolgt vor allem mit äußerlich angewendeten entzündungshemmenden Wirkstoffen. Neben dieser antientzündlichen Therapie ist es wichtig, die Haut sorgfältig zu pflegen und regelmäßig mit Feuchtigkeit zu versorgen. Diese sogenannte Basistherapie mit einer geeigneten, wirkstofffreien Feuchtigkeitspflege muss auch in den beschwerdefreien Krankheitsphasen konsequent umgesetzt werden. Die Beschwerden lindern kann auch regelmäßiges Baden, was noch dazu die Keimzahlen des opportunistischen Bakteriums S. aureus reduzieren kann. Optimalerweise wird direkt nach dem Bad die Feuchtigkeitspflege der Basistherapie aufgetragen. Uneinigkeit herrschte bisher allerdings zur Frage, wie oft gebadet werden sollte. So enthalten die meisten Leitlinien für die Behandlung der atopischen Dermatitis keine Angaben zu dieser Frage.
Empfehlungen für die Haut von Säuglingen
Für Säuglinge und Kinder mit atopischer Dermatitis galt dagegen lange Zeit die Empfehlung, nicht zu häufig zu baden und dabei möglichst auf Pflegeprodukte wie Feuchtigkeitscremes und Badezusätze zu verzichten. Im Jahr 2016 hat ein Runder Tisch von europäischen Experten für die Kinderhaut seine erstmals 2009 zusammengestellten Empfehlungen für die Pflege der gesunden Säuglingshaut dahingehend aktualisiert, dass die Verwendung von Badezusätzen unbedenklich ist. Statt Seife sollten dabei milderen Syndets mit leicht saurem pH-Wert zu bevorzugt werden. Zudem empfahl der Runde Tisch das regelmäßige Eincremen des ganzen Körpers mit einer Feuchtigkeitscreme zur Stärkung der Hautbarriere. Eine eindeutige Empfehlung zur Badehäufigkeit, insbesondere bei atopischer Dermatitis, wurde jedoch auch hier nicht ausgesprochen.
Studien zur Badehäufigkeit
In der Praxis zeigte sich, dass vor allem Hautärzte oft zurückhalten sind, wenn es um eine Empfehlung zur Badehäufigkeit geht. Hautärzte und Immunologen – also Spezialisten für die atopische Dermatitis – sind dagegen eher geneigt sind, häufiges Baden zu empfehlen. Eltern erkrankter Kinder bekommen deshalb oft widersprüchliche Ratschläge, was zu Verunsicherung führt. Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, hat nun ein US-amerikanisches Autorenteam die medizinische Literatur nach Studien durchsucht, in denen Menschen mit atopischer Dermatitis im Rahmen einer Behandlung mit definierter Häufigkeit gebadet hatten. Dadurch wollten die Mediziner vor allem zwei Fragen klären: 1. Verbessert tägliches Baden oder Duschen die Symptome der atopischen Dermatitis? 2. Wirkt Feuchtigkeitscreme besser, wenn diese nach einem Bad aufgetragen wurde?
Insgesamt wurden 13 passende Studien gefunden, die in sieben verschiedenen Ländern durchgeführt worden waren. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer war sieben Jahre; 11 der Studien hatten nur Kinder betrachtet, während bei den restlichen beiden Studien auch Erwachsene unter den Probanden gewesen waren. Jeweils etwa die Hälfte der Studien hatte in Nordamerika und Asien stattgefunden, der Rest in Europa.
Häufiges Baden schadet nicht
Das deutlichste Ergebnis der Literaturauswertung: Sobald überhaupt gebadet oder geduscht wurde, war dies mit einer deutlichen Verbesserung der Krankheitssymptome verbunden. Eine Korrelation mit der Häufigkeit ließ sich zwar nicht herstellen. Es wurde aber deutlich, dass sehr häufiges Baden – also einmal täglich oder öfter – keinen schädlichen Einfluss auf die Haut der Patienten hatte. Drei Studien konnten nicht in die statistische Auswertung einbezogen werden, weshalb sie lediglich qualitativ ausgewertet wurden. Doch auch sie bestätigten das Ergebnis der statistischen Analyse: In einer der Studien berichteten die erwachsenen Probanden, die zweimal täglich gebadet hatten, von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden. In zwei weiteren Studien hatten sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern, die einmal täglich gebadet oder geduscht hatten, die Hautbeschwerden und der Juckreiz abgenommen.
Aufklärung ist wichtig
Die wichtigste Botschaft der Literaturstudie: Tägliches Baden sollte auch für Menschen mit atopischer Dermatitis erlaubt und ermutigt werden. Hausärzte und Kinderärzte sollten darüber aufgeklärt und Behandlungsleitlinien aktualisiert werden. Allerdings bleiben noch viele Punkte ungeklärt. So wurde in vielen Studien nicht berücksichtigt, wie lange und mit welcher Wassertemperatur gebadet wurde, welche Wasserhärte vorlag, ob und welche Badezusätze verwendet wurden und ob die Haut mit einem Schwamm oder Handtuch gerubbelt wurde.
Aktuell lassen sich zum Baden folgende Empfehlung aussprechen: Das Bad sollte bei moderaten Temperaturen erfolgen (nicht viel mehr als Körpertemperatur) und nicht zu lang dauern (nicht mehr als 20 Minuten). Zur Reinigung sollten statt Seife vorzugsweise mildere Syndets mit leicht saurem pH-Wert verwendet werden. Auf ein Trockenrubbeln der Haut sollte verzichtet werden. Direkt nach dem Abtrocknen sollte Feuchtigkeitspflege oder bei Bedarf topisches Kortison aufgetragen werden.
[1] T. Hua et al. (2021). Does daily bathing or showering worsen atopic dermatitis severity? Archives of Dermatological Research 313, 729-735.