Zusammenfassung

Die Neurodermitis ist eine chronische, nicht-ansteckende Hautkrankheit. Die gebräuchlichsten medizinischen Bezeichnungen für Neurodermitis sind „atopische Dermatitis“ und „atopisches Ekzem“. Die am häufigsten betroffenen Körperstellen sind Gesicht, Kopfhaut und Hände, sowie Armbeugen und Kniekehlen.

Auf einen Blick:

+ Auftreten insbesondere Kinder, Erwachsene wesentlich seltener betroffen

+ Symptome trocken-schuppige, gerötete Haut, starker Juckreiz, vor allem in Ellenbeuge und Kniekehle, häufig starke psychische Belastung

+ Einflussfaktoren genetisch, psychologisch, Umwelteinflüsse, oft kombiniert mit weiteren allergischen Erkrankungen

+ Ansteckungsgefahr keine

Einführung

Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, welche häufig schubweise auftritt. Die Betroffenen leiden unter quälendem Juckreiz und stark trockener Haut. Der medizinische Name „atopisches Ekzem“ bezieht sich auf die Zugehörigkeit zu der Familie atopischer Krankheiten. Als „atopisch“ bezeichnet man Krankheiten, die bei Kontakt mit natürlichen Umweltstoffen über die Atemwege, den Magen-Darm-Trakt oder über die Haut mit einer erhöhten Bildung des Antikörpers Immunglobulin E reagieren. Die Neurodermitis bildet gemeinsam mit dem allergischen Asthma bronchiale und der allergischen Rhinokonjunktivitis die so genannte „atopische Trias“, also einen Krankheitskomplex aus drei (Trias) häufig gemeinsam auftretenden atopischen Erkrankungen. An Neurodermitis erkrankte Personen haben somit ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer weiteren atopischen Erkrankung. Die am häufigsten betroffenen Körperstellen sind Gesicht, Kopfhaut und Hände sowie Armbeugen und Kniekehlen.

Schulungsprogramme

Patienten mit atopischem Ekzem haben viele Fragen, für die im Rahmen der Konsultation in der Praxis das individuelle Zeitkontingent oft nicht ausreicht. Hier bieten sich Schulungsprogramme an, die interdisziplinär (Haut- oder Kinderarzt, Psychologe und Ökotrophologe) besetzt sind. In mehreren Sitzungen werden die vielen Facetten der Erkrankung ausführlich diskutiert und viele praktische Tipps gegeben. Diese sogenannten Neurodermitis-Schulungen werden durch spezialisierte Haut- und Kinderarztpraxen bzw. Haut-und Kinderkliniken deutschlandweit angeboten.

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen für die Neurodermitis sind bis heute nur teilweise bekannt. Man weiß, dass genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle spielen. Die Haut von Patienten mit atopischem Ekzem ist charakterisiert durch eine Beeinträchtigung der Barrierefunktion. Diese Störung führt dazu, dass die Haut gegenüber Umwelteinflüssen anfälliger ist. Für diese Störfunktion der Haut sind u.a. fehlende Strukturproteine verantwortlich, welche wahrscheinlich durch einen Gendefekt hervorgerufen werden.

Von Seiten der Betroffenen werden häufig Nahrungsmittelallergien als wichtiger Auslöser der Neurodermitis vermutet. Jedoch sind Allergien, insbesondere Nahrungsmittelallergien, nur für einen kleinen Teil der Betroffenen ein relevanter Provokationsfaktor.

Irritative Faktoren spielen als Auslöser (Provokationsfaktoren) eine erheblich größere Bedeutung. Zu den sogenannten irritativen Faktoren, also solchen die für das Auslösen eines Schubes verantwortlich sind, zählen das Tragen von Textilien aus Wolle oder bestimmten synthetischen Materialien wie beispielsweise Polyacrylamid, außerdem das Klima (typische Verschlechterung der Neurodermitis in der kalten Jahreszeit aufgrund von Kälte und geringer Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen), starkes Schwitzen und nicht zuletzt psychische Faktoren, insbesondere Stress.

Die atopische Dermatitis ist überwiegend, jedoch nicht ausschließlich, eine Erkrankung der ersten Lebensjahre. Epidemiologische Untersuchungen ergaben bei Kindern aktuelle Erkrankungshäufigkeiten zwischen 8% und 16% in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Im Erwachsenenalter liegen die Zahlen mit 1% bis 2% deutlich geringer. Die Lebenszeitprävalenz in Deutschland wird mit 13,2% angegeben. Eine eindeutige Bevorzugung eines Geschlechts liegt nicht vor.

Symptome und Krankheitsverlauf

An Neurodermitis erkrankte Personen zeigen typische Symptome: Die Haut ist empfindlicher als bei gesunden Menschen, was sich meist in Form trockener, geröteter Hautstellen äußert, die zur Schuppung neigen. Das Hauptleiden der Betroffenen ist jedoch der starke Juckreiz, welcher durch die empfindlichen Hautstellen begünstigt wird. Die natürliche Reaktion der Betroffenen ist das Kratzen der entsprechenden Stellen, wodurch sich die Irritation der Haut weiter verschlimmert und der Impuls des Kratzens entsprechend verstärkt. Aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist eine große Herausforderung für Neurodermitis-Patienten. Da der Juckreiz nachts häufig besonders intensiv ist, kann es zu Schlafdefiziten kommen, in deren Folge die Betroffenen unter einer starken psychischen Belastung leiden.

Obwohl die Neurodermitis in jedem Lebensalter erstmals auftreten kann, beginnt es vorwiegend im Säuglings- und Kleinkindesalter. 60% der Patienten erkranken bereits im ersten Lebensjahr, 85% bis zum fünften Lebensjahr. Mehrheitlich treten die ersten Hautveränderungen um den dritten Lebensmonat auf, ein noch früherer Beginn ist jedoch möglich. Eine vollständige Abheilung der Neurodermitis wird im Säuglings- und Kleinkindesalter in circa der Hälfte aller Fälle beobachtet. Bei den übrigen Patienten besteht die Neurodermitis in unterschiedlichem Schweregrad fort, wobei bei fast einem Drittel der Kinder mit einem kontinuierlichen Verlauf gerechnet werden muss.

Etwa 90% der Erkrankungsfälle sind als leicht einzuordnen und lassen sich sehr gut behandeln. Bis heute immer noch unbefriedigend sind die Behandlungsoptionen bei schweren Verläufen. Unter Berücksichtigung der hohen Lebenszeitprävalenz und circa 5% schwer verlaufender Fälle von Neurodermitis, kann man von 400.000 Betroffenen in Deutschland ausgehen, die mit einer schweren chronischen Neurodermitis zu kämpfen haben.

Die Symptome der Neurodermitis zeigen sich auf unterschiedliche Weise. So sind die gereizten Hautstellen von Person zu Person verschieden, ändern sich jedoch auch mit dem Alter des Patienten. Neurodermitis tritt häufig in Schüben auf. Die einzelnen Schübe dauern auch bei der selben Person unterschiedlich lange an und variieren in der Intensität. Das Ende eines Schubes tritt häufig ein, ohne dass man eine bestimmte Behandlungsmethode mit Sicherheit für den Heilungsprozess identifizieren kann. Diese Charakteristik der Neurodermitis führt dazu, dass die Patienten sich oft nicht sicher sind, welche Therapieform letztlich effektiv war. Insgesamt zeigen die vielen unterschiedlichen Behandlungsansätze, dass Forscher die Krankheit bis heute nur teilweise verstanden haben. Gerade in der Genmedizin werden intensive Bemühungen unternommen, die für die Neurodermitis verantwortlichen Gene zu isolieren.

Die typischerweise betroffenen Körperstellen variieren mit dem Alter. Im Kleinkind- und Vorschulalter bilden sich häufig beugenbetonte Ekzemherde, die vorwiegend im Bereich der Kniekehlen, Ellenbeugen, am Hals, aber auch am Nacken, im Gesicht (insbesondere an den Lidern) an Fußrücken und Händen auftreten. Im Erwachsenenalter sind neben den großen Gelenkbeugen Gesicht und Hals bevorzugt befallen. Zudem besteht meist eine ausgeprägte Sebostase (ausgetrocknete Haut). Sind ausschließlich oder zusätzlich die Zehen und/ oder die gesamte Fußsohle betroffen spricht man auch vom Atopischen Winterfuß.

Beim Einsetzen eines Schubs kommt es zunächst zu Entzündungen auf der Haut, die sich in Form von schuppenden Rötungen, Schwellungen der Haut, Nässen und Krustenbildung erkennbar machen. Wird während dieser akuten Entstehungsphase keine Behandlung durchgeführt, können sogenannte bakterielle Sekundärfunktionen den Krankheitsverlauf verkomplizieren. Dazu gehören Bläschen und Knötchen auf der Haut, sowie nässende Verkrustungen. Während bei manchen Patienten nur ein bestimmter, relativ kleiner Körperteil von der Neurodermitis betroffen ist, kommt es bei anderen Patienten zu großflächigem Befall ganzer Körperareale.

Diagnose und Differentialdiagnosen

Zur Diagnose von Neurodermitis gibt es keinen speziellen Test. Die Diagnosestellung basiert auf dem klinischen Bild und der Befragung des Patienten (bei Säuglingen und Kleinkindern: der Eltern) über den Krankheitsverlauf (Anamnese).

Mehrheitlich bereitet die Diagnosestellung „Neurodermitis“ keine Probleme. Mögliche Differentialdiagnosen beinhalten das Exsikkationsekzem (Austrocknungsekzem), das allergische Kontaktekzem, Pilzinfektionen oder das seborrhoischen Ekzem bei Säuglingen. Auch einige Stoffwechsel- und Immunerkrankungen führen manchmal zu ähnlichen Symptomen. Selten kommt es bei Kindern zu einer Verwechslung mit Skabies (Krätze). In den meisten Fällen ist die Verwechslungsgefahr mit anderen Krankheiten nicht besonders hoch, dies ändert sich jedoch wenn untypische Körperstellen betroffen sind.

Tabelle: Differentialdiagnosen der Neurodermitis und Abgrenzungsmöglichkeiten

KrankheitAbgrenzung zur Neurodermitis
Pityriasis roseaakuter Beginn, häufig Beginn mit einer Hautveränderung (dem sogn. Primärmedaillon) bevor es einige Zeit später zu weiteren Hautveränderungen kommt; die entzündlichen Herde zeigen eine randständige Schuppung; die Hautveränderungen jucken mehrheitlich nicht; die Neurodermitis-typischen Prädilektionsstellen wie die großen Beugen sind meistens nicht befallen.
Seborrhoisches Ekzem
im Säuglingsalter
Beginn bereits in den ersten Lebenswochen; kein Juckreiz; Befall der Windelregion, die bei der Neurodermitis zumeist ausgespart bleibt
Tinea pedisSchuppung in der Regel einseitig; positiver Pilz-Nachweis
Tinea corporisSchuppung randbetont; Pilznachweis positiv
Ekzematisierte Skabieshäufiger Befall des Genitalbereichs; Juckreiz auch bei weiteren Kontaktpersonen; relativ akuter Beginn

Therapie und Behandlung

Zur Behandlung von Neurodermitis wird eine breite Palette unterschiedlicher Behandlungsmethoden und Medikamente eingesetzt. Da der Krankheitsverlauf bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt ist, wird auch bei den Behandlungsmethoden viel ausprobiert und unterschiedliche Ansätze werden miteinander kombiniert. Das Therapiekonzept der Neurodermitis umfasst in allen Fällen die Basistherapie sowie die gezielte Behandlung der Ekzeme in Abhängigkeit der klinischen Ausprägung. Bei schweren Fällen werden diese Therapiebausteine durch weitere ergänzt. Eine angemessene Therapie der Neurodermitis beinhaltet neben der medikamentösen Behandlung auch die Aufdeckung und, sofern möglich, Vermeidung der individuellen Provokationsfaktoren.

Bei schweren Fällen der Neurodermitis ist eine gewissenhafte Therapie der Krankheit besonders wichtig. Die Basistherapie beinhaltet die Pflege der Haut mit speziellen Produkten, die die gestörte Hautbarriere mit Hautlipiden und Feuchthaltefaktoren verbessern. Eine intensive Basistherapie hat das Ziel, das Auftreten von Ekzemen zu vermeiden, hinauszuzögern und bei Auftreten von Ekzemen, deren Abheilung zu beschleunigen. Für die Behandlung der entzündlichen Hautveränderungen werden bevorzugt äußerlich aufzutragende Kortison- oder Calcineurininhibitoren-Externa verwendet.

Weitere Bausteine, die individuell zur Anwendung gelangen, sind juckreizlindernde Antihistaminika, Behandlungen mit ultraviolettem Licht oder Rehabilitationsmaßnahmen in Kombination mit Aufenthalten in Reizklimata (Meer, Hochgebirge).

Basistherapie bei Neurodermitis

Die bei der Neurodermitis zugrundeliegende Störung der Hautbarriere führt zu der typischen trockenen Haut (Sebostase). Daher spielt die Hautpflege zur Verbesserung der Barrierefunktion eine entscheidende Rolle im medikamentösen Behandlungskonzept.

Eine konsequente Basistherapie verbessert signifikant das Krankheitsbild und ebenfalls die subjektiven Beschwerden durch Juckreiz und Schlafverlust. Die Basistherapie dient der Wiederherstellung der Barrierefunktion. Diese Störung der Hautbarriere kann durch entsprechende Messungen des natürlichen hauteigenen (transepidermalen) Wasserverlustes nachgewiesen werden. Der transepidermale Wasserverlust ist sowohl in der veränderten Haut als auch in den klinisch unbefallenen Haut erhöht. Eine gestörte Hautbarriere erleichtert weiterhin das Eindringen von Allergenen in die Haut, woraus eine entsprechende Sensibilisierung resultieren kann. Die Basistherapie wird auch dann durchgeführt, wenn die Ekzeme bereits abgeheilt sind und erfüllt somit wichtige Präventivaufgaben. Die Häufigkeit der Anwendung orientiert sich am Zustand der Haut.

Bei der Auswahl der Pflegeprodukte sind folgende Faktoren relevant:

  • Lokalisationsabhängige Faktoren: Ab dem 10. Lebensjahr werden für die Basispflege im Gesicht im Vergleich zum restlichen Körper Produkte mit einem geringeren Lipidgehalt verwendet. Verantwortlich hierfür ist die mit der Pubertät einsetzende Talgdrüsenaktivität.
  • Jahrezeitenabhängige Faktoren: Die Belastung der Hautbarriere ist in der kalten Jahreszeit deutlich stärker, weshalb die verwendeten Lipidkonzentrationen in der Regel höher sind.
  • Allergische Faktoren: Vermeidung von Inhaltsstoffen gegenüber denen eine Allergie bereits besteht oder die ein hohes allergenes Potenzial besitzen.

Glycerin und Harnstoff sind hervorragende natürliche Feuchthaltefaktoren, die die Hautfeuchtigkeit bei der Neurodermitis positiv beeinflussen. Hinsichtlich ihrer feuchtigkeitsspendenden Wirksamkeit sind sie identisch. Da Harnstoff beim Kontakt mit ekzematöser Haut brennen kann, sind Pflegeprodukte auf der Grundlage von Glycerin im Säuglings- und Kleinkindesalter zu empfehlen bis eine klare Artikulation des Kindes hinsichtlich der subjektiven Verträglichkeit möglich ist.

Anbieter von Basistherapeutika haben die oben aufgeführten medizinischen Anforderungen in ihrer Produktauswahl entsprechend umgesetzt. Beispielhaft gezeigt wird dies nachfolgend beim Produkt Neuroderm®. Alle Mitglieder der Produktfamilie sind Harnstoff-frei und verfügen über einen Glycerin-Gehalt von 20% (s. Tabelle). Der Unterschied der Produkte liegt im Lipidgehalt und berücksichtigt somit die jeweilig vorliegenden Anforderungen des Hautorgans. Die sehr reichhaltige Neuroderm® Pflegecreme Lipo, enthält zusätzlich noch 5% Mandelöl.

Tabelle: Basistherapie der Neurodermitis – Neuroderm®-Basistherapiekonzept

ProduktGlyceringehalt (%)Lipidgehalt (%)
Neuroderm® Pflegecreme2030
Neuroderm® Pflegelotio2025
Neuroderm® Pflegecreme Lipo2050

Tabelle: Weitere geeignete Basistherapeutika

Basistherapeutika mit Vaselin/Parafflin Basistherapeutika ohne Vaselin/Parafflin
Basiscreme DACAllergika® Lipolotio sensitive Körperlotion
Dexeryl® Creme Physiogel intensiv Creme
Cetaphil® Creme
Lipikar® Baume AP Balsam

Es gab in der Vergangenheit mehrere wissenschaftliche Studien zur Basistherapie von Neurodermitis. Daraus lassen sich einige gesicherte Erkenntnisse für die Anwendung der Basistheraphie ziehen: Es empfiehlt sich ein zweimaliges Auftragen der Pflege pro Tag, idealerweise innerhalb von 30 Minuten nach dem Baden, um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu optimieren. Außerdem indizieren einige Studien, dass durch eine konsequente Basispflege weniger Kortison eingenommen werden muss um die Neurodermitis zu bekämpfen. Diese Aussage ist allerdings noch nicht endgültig bestätigt.

Neurodermitisbehandlung – Bedeutung antimikrobieller Maßnahmen

Dem Gram-positiven Bakterium Staphylococcus aureus kommt im Krankheitsgeschehen des atopischen Ekzems eine duale Rolle zu. Zum einen ist er der verantwortliche Erreger einer Komplikation der Erkrankung, dem superinfizierten atopischen Ekzem, zum anderen ist er aufgrund seiner Enzymausstattung, insbesondere seiner Toxine, in der Lage, Entzündungsprozesse auszulösen und zu unterhalten. Um eine Keimreduzierung zu erzielen, wird dem Basistherapeutikum deshalb oftmals ein Antiseptikum zugesetzt. Am häufigsten werden Triclosan (1-2%) oder Chlorhexidingluconat (1%) verwendet, wobei ihr Einsatz immer nur zeitlich begrenzt (etwa vier Wochen) erfolgen sollte.

Desinfizierende Bäder mit Kaliumpermanganat oder Chlorbleiche:

Der Farbstoff Kaliumpermanganat verfügt ebenfalls über sehr gute desinfizierende Eigenschaften und kann dem Badewasser zugesetzt werden . Es wird dringend empfohlen, eine in der Apotheke erhältliche Fertiglösung (Kaliumpermanganat Lösung 1%sr von apomix) zu verwenden.

2009 wurde erstmals über den erfolgreichen Einsatz von Chlorbleichebädern bei Kindern und Erwachsenen mit atopischem Ekzem berichtet und nachfolgend durch weitere Untersuchungen bestätigt. Natriumhypochlorit verfügt über exzellente antibakterielle, antivirale und sporozide Eigenschaften ohne Induktion von Resistenzen. Zudem ist Natriumhypochlorit nichttoxisch gegenüber Gewebe – und Schleimhautoberflächen und somit sicher einzusetzen.

Das Protokoll ist einfach: Eine Kaffeetasse handelsüblicher Chlorbleiche (z.B. DanKlorix) wird einer vollen Badewanne zugesetzt. Die Badezeit beträgt bei 37-38° Celsius 5-10 Minuten. Die Wirkung ist auf die benetzten Areale beschränkt. Hautveränderungen am Kopf und im Gesicht werden somit nicht erfasst.

Neurodermitis – Topische, anti-entzündliche Behandlung

Topische Kortikoide:

Eine Abheilung der Ekzeme ist in der Regel auch unter einer konsequenten Basistherapie nicht möglich, sodass zusätzlich immer wieder anti-entzündlich wirksame Substanzen zum Einsatz gelangen, die im Rahmen ihrer entzündungshemmenden Wirkung auch gleichzeitig den Juckreiz mindern. Therapie der Wahl sind hierbei die topischen Steroide und insbesondere die Substanzen, bei denen das Atrophie-Risiko bei Anwendung an Körperstamm und Extremitäten minimal ist.

Tabelle: Topische Steroide mit einem verbesserten Nutzen-Nebenwirkungsrisiko

SubstanzPräparat
Hydrokortison ButepepratNeuroderm® akut 0,1 Creme
Hydrocortison-17-butyratAlfason® Creme/CreSa; Laticort® Creme
Methylprednisolon Advantan® Creme
Momethasonfuroat Ecural® Fettcreme; Monovo® Creme
Prednicarbat Dermatop® Creme ; Prednitop® Creme

Topische Calcineurin-Inhibitoren:

Seit 2002 stehen mit Pimecrolimus (Elidel® Creme) und Tacrolimus (Protopic® Salbe; 0,03% für Kinder bis 12. und 0,1% ab dem 12. Lebensjahr) zwei weitere immunhemmende topische Wirkstoffe zur Verfügung. Im Unterschied zu den Kortisonpräparaten können die beiden Wirkstoffe die Haut nicht verdünnen, verfügen somit über keine atrophogene Wirkung. Deshalb werden beide Substanzen auch bevorzugt im Bereich „kortison-kritischer“ Areale eingesetzt, beispielsweise zur Behandlung der Hautveränderungen im Gesicht und im Genitalbereich. In der täglichen Praxis ist bei schwer Erkrankten auch der gleichzeitige oder alternierende Einsatz der topischen Kortikoide und der Calcineurin-Inhibitoren häufig für eine befriedigende Ekzemstabilisierung notwendig.

Leider dürfen beide Substanzen offiziell erst mit dem zweiten Geburtstag eingesetzt werden, was für viele Kinder zu spät ist, da sich zu diesem Zeitpunkt die Hautveränderungen bereits deutlich gebessert haben bzw. sogar abgeheilt sind oder die Substanzen aufgrund der limitierten Wirkstärke dann für viele Kinder nicht mehr ausreichend sind. Die Verwendung vor dem zweiten Lebensjahr ist prinzipiell möglich, erfolgt dann jedoch off-label.

Fett-feuchte Umschläge zur Behandlung nässender Ekzeme

Bei akuten Verschlechterungen der Ekzeme kann mittels fett-feuchter Verbände eine rasche Hautberuhigung und Ekzemstabilisierung erreicht werden. In Abhängigkeit des zu behandelnden Hautareals wird der Verband entsprechend zugeschnitten. Für jedes Areal, z.B. Arm oder Bein werden zwei Verbände benötigt.

Das zu behandelnde Hautareal wird mit einer Fettcreme (kortisonhaltig, z.B. Alfason® CreSa oder Ecural® Fettcreme oder kortisonfrei, z.B. Neuroderm® Basiscreme oder Neuroderm® Pflegecreme Lipo) dick eingestrichen. Anschließend kommt die erste Lage des Schlauchverbandes feucht auf das zu behandelnde Areal. Darüber kommt die zweite Lage, welche trocken ist. Tubifast® Schlauchverbände sind für die fett-feuchten Verbände hervorragend geeignet. Sie können circa für 15 Anwendungen benutzt werden, die Kosten werden auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der Verband führt über den kühlenden Effekt sofort zu einer deutlichen Erleichterung der Beschwerden. Nach vier bis fünf Stunden kann der Vorgang wiederholt werden. Nach zwei bis drei Tagen hat sich die Haut im Behandlungsareal wieder beruhigt und die normale Behandlung kann wieder aufgenommen werden

Leider fehlen weitere Wirkstoffe, deren anti-entzündliche Wirkung mit denen von Steroiden und Calcineurin-Inhibitoren vergleichbar ist. Dies gilt für Gerbstoff-, Phytopharmaka- oder für Schieferöl-haltige Externa. Der Vertrieb Bufexamac-haltiger Präparate ist in Deutschland seit Mai 2010 nicht mehr erlaubt.

Beeinflussung des Juckreizes durch orale Antihistaminika

Zur Behandlung des Juckreizes reichen die modernen nicht-sedierenden Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin, Desloratadin, Mizolastin, Fexofenadin) nicht aus. Zeitlich begrenzt, z.B. für drei bis fünf Tage, können unterstützend sedierende Antihistaminika (Dimetiden (Fenistil®, Clemastin (Tavegil®), Doxylamin (Mereprine®), Hydroxyzin (Atarax®)) eingenommen werden.

Neurodermitis – Behandlung schwerer Verläufe

Während eine Behandlung des leichten und mittelschweren atopischen Ekzems heute gut möglich ist, sind unsere Behandlungsmöglichkeiten beim schweren atopischen Ekzem unzureichend. Verbindliche Kriterien zur Schweregradeinteilung der Neurodermitis fehlen. Nachfolgende Tabelle nennt klinische, subjektive und Laborparameter, die eine schwere Neurodermitis kennzeichnen.

Tabelle: Kriterien für schwere Verlaufsformen der Neurodermitis

KlinikLaborSubjektiv
keine erscheinungsfreien PhasenGesamt-IgE > 1000 IU/mlquälender Juckreiz
infiltrierte und nässende Ekzemewiederholte Kratzattacken
disseminierte oder generalisierte Ekzemaussaatgestörtes Schlafvermögen

Hier reichen oben genannte Therapiemaßnahmen häufig nicht aus. Es gibt jedoch mögliche Therapiealternativen, mit denen eine zumindest zeitlich begrenzte Stabilisierung erreicht werden kann. Einerseits durch sogenannte Phototherapieverfahren bei denen die Haut mit UV-Licht (UVB311nm, UVA, UVA-UVB, UVA1) bestrahlt wird und andererseits durch den Einsatz von Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Azathioprin.

In der Regel ist die Wirksamkeit eines Therapieverfahrens auf die Zeitdauer der aktiven Behandlung begrenzt, ohne dass es zu längeren rezidivfreien Phasen kommt. Ein neuartiges Therapieverfahren ist die UV-freie Behandlung mit Dermodyne®, einer Ganzkörperhautbestrahlung mit gepulstem Blaulicht. Dieses Therapieverfahren, dessen Kosten zurzeit nur im Rahmen einer Einzelfallentscheidung von den Krankenkassen übernommen werden, hat die Potenz einer langfristigen Stabilisierung auch im Fall von langjährig bestehenden schweren Ekzemverläufen.

Dupilumab – ein effektiver monoklonaler Antikörper für die Behandlung der schweren Neurodermitis

Den dramatischen Fortschritt in der Psoriasis-Behandlung, der die letzten fünf Jahre auszeichnete, wird eventuell auch die Neurodermitis erleben. Der humane monoklonale Interleukin-4-Antikörper Dipilumab wird der erste Vertreter einer neuen Reihe wirksamer Systemtherapeutika sein. Durch seine Bindung an die Alpha-Untereinheit des Interleukin-4-Rezeptors ist er in der Lage, die Signalübertragung von zwei in der Pathogenese der Typ-2-Helfer-Zell-vermittelten Immunreaktionen wichtigen Zytokine, IL-4 und IL-13 zu blockieren.

Nachdem Studien die Wirksamkeit von Dupilumab bereits bei Patienten mit Asthma und erhöhten Eosinophilen-Zahlen (Eosinophile Granulozyten sind die besonderen weißen Blutkörperchen, die im Rahmen von Allergien unnatürlich erhöht sind) zeigen konnten, wurde seine klinische Wirksamkeit auch bei einer zweiten atopischen Erkrankung, dem atopischen Ekzem eindrucksvoll bestätigt: Die einmal wöchentlich durchgeführte subkutane Injektion des Antikörpers verbesserte innerhalb von vier Wochen deutlich gegenüber der Placebobehandlung alle für das atopische Ekzem relevanten klinischen Parameter. Dies galt insbesondere auch für den subjektiven Parameter „Juckreiz“. Eine Fortführung der Behandlung über einen Zeitraum von insgesamt 12 Wochen führte zu einer weiteren Verbesserung. Auch die Kombination des Antikörpers mit topischen Steroiden zeigte eine signifikante Verbesserung im Vergleich zur alleinigen Steroidbehandlung. Die Verträglichkeit war sehr gut.

In Deutschland ist mit einer Einführung des Präparates ab Januar 2017 zu rechnen.

Komplikationen des atopischen Ekzems

Zwei Komplikationen sind beim atopischen Ekzem von klinischer Bedeutung, beide werden durch Mikroben verursacht. Dies ist zum einen das impetiginisierte atopische Ekzem, das durch Staphylococcus aureus verursacht wird und das Eczema herpeticatum, das durch das Herpes simplex-Virus hervorgerufen wird.

Das impetiginisierte atopische Ekzem zeigt sich klinisch durch das Auftreten von Pusteln auf bestehenden Ekzemen, wobei die am häufigsten betroffenen Stellen das Gesicht und die Extremitäten sind. Bevorzugt erkranken Patienten mit einer schlecht eingestellten Neurodermitis. Therapeutisch führt eine orale Antibiotikatherapie zur raschen Symptombesserung.

Beim Eczema herpeticatum imponieren klinisch sichtbare, kleine Bläschen oder Erosionen auf erythematöser oder ekzematöser Haut. Bevorzugt befallen werden Gesicht, Nacken, Hals und Brustbereich. Die Patienten weisen mehrheitlich ein eingeschränktes Allgemeinbefinden mit Fieber und Lymphknotenschwellungen auf. Nicht immer ist die Erkrankung nur auf die Haut beschränkt: Keratokonjunktivitis, Virämie und multiples Organversagen mit Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute (Meningitis und Enzephalitis) sind beschrieben. Das Eczema herpeticatum verlangt eine sofortige Krankenhauseinweisung! Therapie der Wahl ist die sofortige intravenöse Verabreichung von Aciclovir in einer Dosierung von drei Mal täglich 5-10 mg/kg Körpergewicht (Kinder unter 12 Jahre 750 mg/m2 Körperoberfläche) über einen Zeitraum von fünf bis sieben Tagen. Als orale Alternative ist die Gabe von Famciclovir mit drei Mal täglicher Gabe von 250 mg über fünf bis zehn Tage möglich.

Möglichkeiten der Prävention (Vorbeugung)

Zur Vorbeugung gegen das Auftreten der Krankheit überhaupt (=Primärprävention) sollten Mütter in der Schwangerschaft und während des Stillens auf aktives Rauchen und auch auf Passivrauchen verzichten. Ausschließliches Stillen in den ersten vier Monaten wird zusätzlich empfohlen. Heute wird zusätzlich auch das tägliche Eincremen möglichst rasch nach der Geburt empfohlen.

Auch die Wahl der Kleidung ist ein wichtiger Baustein. Die Kleidung kann den Hautzustand unterschiedlich beeinflussen. Besonders wichtig ist es Stoffe zu vermeiden, auf die die Haut der Betroffenen unverträglich reagiert. Dazu gehören beispielsweise Wolle und einige synthetische Materialien. Gerade grobfaserige Kleidung kann starke Irritationen der Haut auslösen. Außerdem ist es wichtig die Kleidung an das entsprechende Wetter anzupassen und dabei vor allem zu warme Textilien zu vermeiden, da eine verstärkte Schweißabgabe die Neurodermitis verschlimmern kann.

Man spricht bei Faktoren, die einen Schub der Neurodermitis auslösen oder negativ beeinflussen, von Provokationsfaktoren. Diese lassen sich in unterschiedliche Kategorien unterteilen. Am relevantesten sind hierbei die irritativen Provokationsfaktoren. Individuelle Faktoren wie allergische Reaktionen sind weitaus weniger ausschlaggebend als von vielen angenommen wird. Es ist wichtig, sich über die verschiedenen Provkationsfaktoren bewusst zu sein und diese so gut wie möglich zu vermeiden.

Tabelle: Provokationsfaktoren der Neurodermitis

IrritativPsychisch Mikrobiell(Pseudo)AllergischUV-LichtAndere
Waschgewohnheitennegativer StressStaphylococcus aureusAeroallergene (Hausstaubmilben, Baum- und Gräserpollen)photosensitivklimatisch
Wasserhärte positive ErregungMalassezia-SpeziesNahrungsmittelhormonell
KleidungZusatzstoffe in LebensmittelnInfekte
Nahrungsmittel
Schweiß

Die jüngsten Forschungsergebnisse im Bereich der Neurodermitis belegen die Wichtigkeit einer wirkstofffreien Basispflege bei Neugeborenen zur Prävention einer Erkrankung.

2010 wurde durch Simson und Mitarbeiter erstmals berichtet, dass es durch eine wirkstofffreie Basispflege, die unmittelbar nach Geburt beginnt, möglich ist, das Auftreten einer Neurodermitis zu verhindern: 22 Hochrisiko-Neugeborene wurden im Durchschnitt knapp zwei Jahre lang nachverfolgt. Von 20 auswertbaren Kindern entwickelten in diesem Zeitraum nur drei eine Neurodermitis. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie wurden 2014 in zwei voneinander unabhängigen Untersuchungen, die beide auch eine Kontrollgruppe enthielten, eindrucksvoll bestätigt.

Die amerikanisch-englische Untersuchung unter Federführung von Simpson umfasste 124 Neugeborene mit einem hohen Risiko an einer Neurodermitis zu erkranken. Mit Ausnahme der Kopfhaut wurden die Kinder regelmäßig mindestens einmal pro Tag am ganzen Körper eingecremt, während in der Kontrollgruppe eine lediglich bedarfsgerechte Hautpflege erfolgte. Nach sechs Monaten lag die Rate von Neurodermitis-Neuerkrankungen in der eingecremten Gruppe bei lediglich 22%, während der Wert in der Kontrollgruppe bei 43% lag.

Diesen positiven Effekt der Basispflege bestätigte auch die Studie einer japanischen Forschergruppe um Kenta Horimukai. 59 von 118 Neugeborenen mit einem hohen Risiko an Neurodermitis zu erkranken (Geschwisterkind oder Elternteil an Neurodermitis erkrankt) pflegten ihre Haut täglich mit einer Feuchtigkeitspflege über einen Zeitraum von 32 Wochen. Nach diesem Zeitraum waren in der Interventionsgruppe 32% weniger Neugeborene an einer Neurodermitis erkrankt als in der Kontrollgruppe.

Beide Studien belegen die Bedeutung der Basispflege als ein Instrument der Primärprävention der Neurodermitis und unterstreichen die Bedeutung der Hautbarriere in der Entstehung der Erkrankung. Dass ein Auftreten einer Neurodermitis nicht bei allen Kindern verhindert werden konnte weist darauf hin, dass nicht allein die Hautbarriere im bis heute immer noch nicht vollständig verstandenen Krankheitsgeschehen von Bedeutung ist. Auch fehlen Daten zur Schwere der Neurodermitis bei den Kindern in der Interventionsgruppe im Vergleich zu den Kindern der Kontrollgruppe.

Da die Daten das Auftreten einer Neurodermitis bei einem hohen Prozentsatz der Kinder ohne familiäres Risiko belegen, muss diskutiert werden, ob die regelmäßige Hautpflege nicht für alle Neugeborenen sinnvoll ist.

Therapieempfehlungen der derma.plus Experten

Beim täglichen Umgang in der Praxis mit Betroffenen sind für mich die folgenden Punkte für einen optimalen Therapieerfolg entscheidend:

Wenn Ekzeme vorhanden sind, ist eine konsequente Basistherapie wichtig. Diese muss aber vom Patienten auch als angenehm empfunden werden.

Meine „Lieblingsprodukte“ zur Basispflege sind:

Kopf:Linola® sept Creme übernacht
Ekzeme im Gesicht:Allergika® Gesichtsrepair sensitive Creme
Körper:Neuroderm® Pflege Lotion (trockene Haut) und Alfason® Basis Cresa (sehr trockene Haut)
Lippen/Hände/Füße:Neuroderm® Repair Creme

Eine konsequente Ekzemtherapie muss erfolgen. Diese kann heute am Körper ohne Nebenwirkungen mit den Kortisonen der 4. Generation erfolgen. Hiervon muss der Patient jedoch überzeugt sein, um diese Produkte auch solange einzusetzen, wie es für die vollständige Abheilung benötigt wird.

Lesen Sie auch unseren neuen Journalbeitrag vom 17.03.2017 zur Behandlung der Neurodermitis mit präbiotischer Feuchtigkeitscreme: hier.

Neurodermitis (Atopisches Ekzem)
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Literatur

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Leitlinie

  • Neurodermitis S2k-Leitlinie. Abrufbar unter www.awmf.org in einer Kurz- und Langfassung

Letzte Aktualisierung: 26.10.2016