Urea - Wunderwaffe in der Feuchtigkeitspflege? | derma.plus

Urea – Wunderwaffe in der Feuchtigkeitspflege?

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Urea, lateinisch für Harnstoff, ist ein Abbauprodukt im Eiweißstoffwechsel und wird mit dem Harn ausgeschieden, daher auch der Name.  Und so seltsam es auch klingen mag, dieses „Abfallprodukt“ kann unserer Haut ziemlich guttun! Denn Urea dringt in die oberste Hautschicht (Epidermis) ein und entfaltet dort seine feuchtigkeitsbewahrende Wirkung. Gerade Menschen mit Störungen der Hautbarrierefunktion und trockener Haut, wie beispielsweise Psoriatikern, Atopikern oder einfach Leuten mit Hautekzemen, schätzen diese Eigenschaft von Pflegeprodukten sehr und können damit die Symptomatik, z.B. Juckreiz oder Schuppung, deutlich verbessern.

Damit man die Wirkung von Urea versteht, muss man den Natural Moisturizing Factor (NMF) kennen. Der NMF beschreibt eine Substanzgruppe, die in der Lage ist Wasser in der Epidermis zu binden und zu halten. Das sind neben Urea u.a. verschiedene Aminosäuren, Milchsäure und Ionen, wie Natrium oder Kalium. Nur eine ausreichend mit Feuchtigkeit versorgte Epidermis kann wichtige Funktionen erfüllen:

  1. Plastizität, d.h. die Haut kann sich verformen und wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren, schützt vor Schäden von außen.
  2. Hydrolytisch aktive Enzyme, die für die Abstoßung abgestorbener und überflüssiger Hautzellen (Schuppung) zuständig sind, können arbeiten.
  3. Die Hautbarriere kann aufrechterhalten werden.

Da der Harnstoff auf diese Weise ein natürlicher Grundbaustein unserer Haut ist, ist er neben dem Einsatz in der Medizin oft auch als Bestandteil pflegender Kosmetika, wie beispielsweise in Cremes oder Haarshampoos, zu finden. Durch seine juckreizlindernden Eigenschaften ist er optimal zur Behandlung von trockener Haut geeignet. Egal ob Kopfhaut, Hände, Körper oder Füße – es gibt für alle Bereiche ein passendes Mittel. Bei extrem trockener Haut, Ekzemen, Schuppenflechte oder Neurodermitis werden eher Cremes oder Salben mit einem Wirkstoffgehalt von 5-20% Harnstoff verwendet. Ab 20% Harnstoffgehalt können Verhornungen aufgeweicht werden, indem die Zell-Zell-Kontakte, also die Bindungen zwischen den einzelnen Keratozyten, aufgelöst werden (keratoplastische Wirkung). Produkte mit 40% Harnstoffgehalt helfen beim Aufweichen von Nagelgewebe und können so bei Nagelerkrankungen mit Pilzbefall verwendet werden. Dabei wird das betroffene Nagelareal nach einer meist mehrtägigen Einwirkzeit mithilfe eines Okklusivverbandes aufgelöst und kann anschließend abgetragen werden.

Wussten Sie schon, dass Urea nicht nur als Pflegeprodukt, sondern auch in vielen alltäglichen Sachen unseres Lebens zu finden ist? Harnstoffharz, ein Weiterverarbeitungsprodukt aus Urea, wird in Hemden eingesetzt, um sie knitterfrei zu bekommen. Urea ist auch in den Eurogeldscheinen. Es gibt dem Papier eine Nassreißfestigkeit, sodass man die Scheine, im Gegensatz z.B. zu den Dollarscheinen, ohne weiteres mit Wasser waschen kann. Sogar in Möbeln finden wir Harnstoff: Es wird in Spanplatten eingesetzt, da Harnstoff sie hart und kratzfest macht. Früher wurde dieser aus Pferdeurin gewonnen, heutzutage kann aber darauf verzichtet werden – er wird mittlerweile synthetisch in Fabriken hergestellt.

Der „Alleskönner“ Urea ist mittlerweile im Bereich der Kosmetika und dermatologischen Präparate nicht mehr wegzudenken und die Pflegeindustrie setzt zunehmend häufiger Harnstoff in ihren Pflegeprodukten ein. Durch seine vielfältigen Eigenschaften kann man ihn zusammenfassend als eine Wunderwaffe in der Feuchtigkeitspflege bezeichnen.

Gucken Sie doch einfach mal bei Ihren Tiegeln und Tuben auf die Liste der Inhaltsstoffe nach, ob sie „Urea“ oder „Harnstoff“ entdecken.

Letzte Aktualisierung am 22.06.2017