Antibiotikaresistenzen - Aufklärung und Vermeidung | derma.plus

Antibiotikaresistenzen – Aufklärung und Vermeidung

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Antibiotikaresistenz – Was ist das?

Antibiotikaresistenzen werden zunehmend zu einem großen Problem in der Behandlung von infektiösen Krankheiten aller Art. Unsachgemäßer Gebrauch von Antibiotika sowohl seitens des Patienten als auch vom Arzt sind die häufigste Ursache für die Resistenzbildung. Doch erst einmal zur Definition: Unter einer Resistenz bei Mikroorganismen, wie Bakterien oder Viren, versteht man die Fähigkeit des Erregers, die antimikrobielle Wirkung des Antibiotikums abzuschwächen oder ganz zu neutralisieren.

Man unterscheidet zwischen einer natürlichen (primären) Resistenz und einer erworbenen (sekundären) Resistenz. Erstere ist eine Spezieseigenschaft des Bakteriums, was bedeutet, dass jedes Bakterium einer Spezies X an sich schon resistent gegenüber einem Antibiotikum Y ist. Beispielsweise sind Antibiotika, die die Zellwand des Erregers angreifen, gegenüber Bakterienspezies, die keine Zellwand besitzen, wirkungslos. Die erworbene Resistenz jedoch bezeichnet die Resistenzbildung durch Mutationen in den Genen des Bakteriums. Zudem haben Bakterien die Fähigkeit, diese Mutation auch an andere Bakterien durch Genaustausch weiterzugeben. Solch eine Resistenzbildung ist oft dem falschen Gebrauch von Antibiotika geschuldet und kann deshalb, im Gegensatz zu der primären Resistenz, von Arzt und Patient beeinflusst werden.

Wie vermeidet man eine Resistenzbildung?

Weiß man nun bei einem Patienten, dessen Infektion behandelt werden soll, dass der Erreger gegenüber dem entsprechendem Antibiotikum resistent ist, so wird der therapeutische Erfolg bei Gabe dieses Antibiotikums ausbleiben. Um dem vorzubeugen, bestehen zwei wichtige Arten der Therapie bei einem Verdacht auf einen infektiösen Erreger. Bei der kalkulierten Antibiotika-Therapie behandelt der Arzt ohne ein sogenanntes Antibiogramm. Dies ist ein laborchemisches Verfahren zur Bestimmung der Resistenzen des Erregers gegenüber verschiedener Antibiotika. Man wählt also das Antibiotikum, das laut wissenschaftlicher Studienlage bei den vorliegenden Beschwerden am besten passt, ohne den Erreger und seine Resistenzen zu kennen. Bei der zweiten Art der Antibiotikawahl, der gezielten Antibiotika-Therapie, ist ein Antibiogramm vorhanden, man kann nun also genau auf den Erreger spezialisierte Antibiotika verschreiben – die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolgs ist viel höher.

Doch welche Faktoren können eine Resistenzbildung begünstigen? Da Antibiotikaresistenzen ein ernstes Problem darstellen und die Behandlung um ein Vielfaches erschweren, ist nicht nur die korrekte Wahl des Antibiotikums entscheidend, sondern auch der sachgemäße Gebrauch. Schmalspektrum-Antibiotika, die nur auf wenige ganz bestimmte Erreger wirken, sollten generell Breitspektrum-Antibiotika, die eine Vielzahl von Erregern decken, bevorzugt werden.

In vielen Ländern sind Antibiotika nicht verschreibungspflichtig. Der Patient kann die Antibiotika ganz einfach in der Apotheke erwerben, ohne vorher beim Arzt gewesen zu sein.  Hören die Beschwerden auf, setzen viele dann das Antibiotikum ab, obwohl genau das verhindert werden soll. Durch die frühzeitige Beendigung der Antibiotikagabe überleben nun ausreichend viele Bakterien, die eine Resistenz entwickelt haben und vermehren sich. Was daraus folgt, ist nicht nur eine weiterbestehende Infektion, sondern auch eine geschwächte Wirkung des Antibiotikums bei der nächsten Gabe. Diese kann sogar so stark ausfallen, dass das Medikament unwirksam wird und nicht mehr eingesetzt werden kann.

Länder, in denen durch dieses Ursachen-Folge-Prinzip eine erhöhte Anzahl an Resistenzkeimen in der Bevölkerung nachgewiesen wurde, sind beispielsweise Spanien, Griechenland, China und Indien.

Es bleibt zu sagen, dass jede Antibiotikagabe wohl überlegt sein soll und auf eine fortgesetzte Einnahme auch nach Symptomlinderung, so wie es der Arzt empfohlen hat, geachtet werden muss. Auf diese Weise wird nicht nur die Resistenzbildung global gesehen in der Bevölkerung gemindert, die Resistenzwahrscheinlichkeit wird auch im eigenem Körper reduziert, sodass man bei der nächsten Antibiotikagabe bessere Heilungschancen hat.

 

Letzte Aktualisierung am 08.06.2017