Frostbeule? Kalte Füße & Hände und ihre Ursachen

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Vom Wintermärchen zur Zitterpartie

Klare Luft, eisblauer Himmel, der erste Schnee – der Winter verlockt so Manchen zu ausgedehnten Spaziergängen in der verschlafenen Natur. Insbesondere jetzt in der Adventszeit laden die zahlreichen Weihnachtsmärkte draußen zum Verweilen ein. Doch auch wenn man noch so gerne bleiben möchte: Bei winterlichen Temperaturen und eisigen oder schneebedeckten Böden melden sich über kurz oder lang die kalten Füße. Insbesondere Frauen müssen sich dann häufig ein neckisches „Du Frostbeule!“ anhören.

Wir haben uns gefragt, was es denn mit dem Begriff auf sich hat, was Frostbeulen mit kalten Füßen zu tun haben und warum Pinguine barfuß im Schnee offensichtlich keine Probleme haben.

Frostbeulen und Erfrierungen

Kalte Temperaturen über einen längeren Zeitraum stellen die Durchblutung der Füße, Hände und auch der Nase und der Ohren vor echte Herausforderungen. Insbesondere bei zu engen Socken oder Schuhen (aber auch durch enge Bündchen von Jacken oder Strumpfhosen) kommt der wärmende Blutfluss in den weit von der warmen Körpermitte entfernten Körperteilen schnell ins Stocken. Die Kälte führt dazu, dass sich die kleinsten Blutgefäße in Händen und Füßen reflexartig zusammenziehen. Die entsprechenden Körperbereiche werden schlechter durchblutet, es kommt zu einer Unterversorgung mit dem für die Zellen lebenswichtigen Sauerstoff und zu einer zunehmenden Unterkühlung.

Die so zustande kommenden klassischen „Erfrierungen“ lassen sich in drei Schweregrade einteilen:

Frostbeulen am Oberschenkel bei einer Reiterin

  • Erfrierung 1. Grades: Die Haut ist aufgrund der verminderten Durchblutung blass. Es kommt zu Schwellungen des Gewebes und dem typischen Schmerzempfinden in den kalten Arealen.
  • Erfrierung 2. Grades: Dadurch, dass der Abfluss des Sauerstoff-armen Blutes aus dem Gewebe erschwert wird, kommt es zu einer blauen Verfärbung der minderdurchbluteten Körperteile (sauerstoffarmes Blut erscheint blau). Es kommt zur Ausbildung von Hautblasen.
  • Erfrierung 3. Grades: Durch die langandauernde oder extreme Kälteeinwirkung sterben die Zellen ab (Nekrose). Nekrotische Körperteile sind tiefblau-schwarz und nicht mehr schmerzhaft. Häufig ist der Rand der Nekrose entzündlich gerötet.

Wenn die Füße (oder auch Hände und Ohren) wiederholt und über längere Zeit Kälte und Feuchtigkeit ausgesetzt werden, kann es auch zur Entstehung von so genannten „Frostbeulen“ (medizinisch: Perniones) kommen. Die Ursache ist auch bei Frostbeulen eine verschlechterte Durchblutung. Frostbeulen sind juckende bis schmerzhafte, auffallen bläulich-violett gefärbte Beulen, die sich teigig-derb anfühlen. Sie neigen zur Bildung von Blasen oder Ulzerationen („Geschwüren“).

Einfach nur kalt oder steckt doch mehr dahinter?

Wenn Sie bei Kälte auffallend stark zu Durchblutungsstörungen der Füße, Hände, Ohren oder der Nase neigen, kann dies ein Anzeichen für krankheitsbedingte Durchblutungsstörungen sein.

Wichtigstes Beispiel ist hierbei das so genannte Raynaud-Syndrom. Es äußert sich durch das anfallsartige Auftreten von Schmerzen (in der Regel an den Fingern), die begleitet sind von einer plötzlichen Weißverfärbung der betroffenen Körperteile (Minderdurchblutung), gefolgt von einer Blaufärbung (mangelnde Sauerstoffversorgung) und einer abschließenden Rotfärbung (vermehrte Durchblutung als Reaktion des Körpers auf die kurzzeitige Mangeldurchblutung). Ausgelöst werden die Symptome typischerweise durch Kälte, aber auch Stress kann ein Auslöser sein. Frauen sind von der Erkrankung häufiger betroffen als Männer. Meist treten die ersten „Schübe“ des Raynaud-Syndroms nach der Pubertät auf und bessern sich nach Eintritt der Menopause. Bei Anzeichen eines Raynaud-Symptoms sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, da es auch ein Ausdruck zahlreicher anderer Grunderkrankungen sein kann!

Etwas weniger Eindrucksvoll äußert sich die sogenannte Akrozyanose: Diese Durchblutungsstörung tritt in erster Linie bei jungen Frauen auf, die einen zu niedrigen Blutdruck haben. Bei Kälte verfärben sich die Hände, häufig auch die Zehen, die Nase und die Ohren dauerhaft bläulich. Bis auf die Farbveränderung treten meistens keine Beschwerden auf.

Die Durchblutungsstörungen beider Krankheitsbilder fördern die Entstehung von Frostbeulen und Erfrierungen.

Was tun bei Erfrierungen und Co.?

Frostbeulen verschwinden in den meisten Fällen ohne weitere Behandlungen innerhalb von wenigen Wochen. Zur Unterstützung der Heilung sollten die betroffenen Körperteile immer warm gehalten werden. Zusätzlich können wärmende und durchblutungsfördernde Salben (z.B. mit Campher) lindernd wirken. Wenn Sie auffallend häufig mit Frostbeulen zu kämpfen haben oder Anzeichen eines Reynaud-Syndroms bemerken, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, um möglicherweise ursächliche Durchblutungsstörungen auszuschließen.

Bei Erfrierungen ersten Grades sollten die betroffenen Körperbereiche vorsichtig und langsam erwärmt werden.

Geeignete Schuhe mit ausreichend isolierender Sohle sind das A und O auf kaltem Boden!

Kommt es zu schwerwiegenderen Erfrierungsanzeichen sollte ein Arzt konsultiert werden, da das Risiko besteht, dass sich in den unterkühlten Bereichen Blutgerinnsel (Thromben) bilden und/oder Giftstoffe, die sich im absterbenden Gewebe gebildet haben, unkontrolliert in den Kreislauf gelangen und eine Blutvergiftung verursachen. Bei Erfrierungen dritten Grades ist häufig eine Amputation des abgestorbenen Gewebes notwendig.

Generell sollten die besonders kälteempfindlichen Körperteile natürlich am besten immer warm gehalten werden, um Frostbeulen und Co. erst gar keine Chance zu geben. Patienten mit Durchblutungsstörungen sollten ganz besonderen Wert auf funktionelle Socken, gut isolierende Schuhe und Handschuhe legen. Taschen- und Fußwärmer und Kreislauftraining (z.B. Wechselbäder) sowie stressreduzierende Maßnahmen sind ebenfalls als sinnvolle Maßnahmen zu nennen. Medikamentöse Behandlungen zur Verbesserung der Durchblutung sind nach Absprache mit einem Arzt möglich. Auf das Rauchen sollten Betroffene konsequent verzichten, da Nikotin die Verengung der Blutgefäße hervorruft und so die Symptomatik (und auch allgemein das Auftreten kalter Hände und Füße) verstärkt.

Warum bekommen Pinguine eigentlich keine kalten Füße?

Die Antwort ist: Bekommen sie! Und das ist sehr praktisch. Denn wenn Pinguine (und auch andere Tiere, die dauerhaft „barfuß“ auf Schnee und Eis unterwegs sind, wie beispielsweise Enten) warme Füße hätten, hätten Sie dasselbe Problem wie wir, wenn wir mit nassen Fingern oder der Zunge gefrorene Dinge anfassen: Sie würden permanent festfrieren. Da das nicht nur unpraktisch, sondern auch schmerzhaft wäre, hat sich die Natur etwas Besonderes ausgedacht: Die Blutgefäße in den Beinen und Füßen der „Kaltfüßler“ sind aufgebaut, wie ein Wärmetauscher: Das kalte Blut aus den Füßen fließt in seinen Venen zurück in Richtung der warmen Körpermitte. In direkter Nachbarschaft zu diesen Venen verlaufen die Arterien, die das warme Blut aus der Körpermitte in Richtung der Füße transportieren. Durch den sehr engen Kontakt der Blutgefäße wird hierbei im „Gegenstromprinzip“ das warme Blut langsam abgekühlt und sorgt so dafür, dass die Füße so kalt sind, wie die Umgebung und somit kein Problem mit dem Festfrieren bekommen. Praktischerweise wird das kalte Blut durch das Gegenstromprinzip gleichzeitig auf seinem Weg zum Herzen langsam erwärmt – und der Körper spart eine Menge Energie.