Röschenflechte in der Schwangerschaft – Ein Risiko für das Ungeborene?

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7. November 2017

Röschenflechte in der Schwangerschaft: ein Risiko für das Ungeborene?

Die Röschenflechte ist eine häufige, nicht-ansteckende Hauterkrankung unklarer Ursache, die in der Regel von alleine wieder abheilt. Bei einer Schwangerschaft kann sich die Erkrankung aber möglicherweise ungünstig auf das Ungeborene auswirken. In einem konkreten Fall brachte eine Patientin, die zu Beginn der Schwangerschaft an einer Röschen­flechte erkrankt war, ein Kind mit vorzeitiger Verknöcherung der Schädelnähte zur Welt. Eine daraufhin von den behandelnden Ärzten durchgeführte Literaturanalyse ergab jedoch keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Röschenflechte.

 

Die Röschenflechte (Pityriasis rosea) ist eine häufige Hautkrankheit, deren Ursache bislang unklar ist. Diskutiert wird unter anderem ein Zusammenhang mit Herpes-Infektionen (Herpes-simplex-Viren HSV6 und HSV-7), da sich in der Haut von Patienten häufiger derartige Viren nachwiesen ließen als bei nicht erkrankten Personen. Bei der Röschenflechte kommt es hauptsächlich am Oberkörper zur Ausbildung ovaler, rötlicher Stellen mit „Halskrausen-artiger“ randbetonter Schuppung. Teilweise kann der Ausschlag Juckreiz verursachen, ist aber ungefährlich und heilt in der Regel ohne Therapie von alleine wieder ab. In etwa der Hälfte der Fälle bildet sich zu Beginn eine ovale, bis zu 10 Zentimeter große Hautveränderung, das „Primärmedaillon“. Einige Tage später kommt es dann zum schubartigen Auftreten einer Vielzahl ähnlicher Hautveränderungen, die meist nach drei bis acht Wochen, teilweise jedoch erst einige Monate später narbenlos abheilen.

Die Röschenflechte tritt insbesondere bei Jugendlichen und jungen Frauen auf. Geschieht dies während einer Schwangerschaft, kann die Krankheit möglicherweise eine Gefahr für das ungeborene Kind darstellen. In der medizinischen Fachliteratur wird vereinzelnd von Fällen berichtet, bei denen Frauen nach einer Röschenflechten-Diagnose Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt brachten, aber auch von solchen, bei denen es zu einer Früh- oder sogar zu einer Todgeburt kam. Dabei ist allerdings ein Zusammenhang mit der Röschenflechten-Erkrankung der Mutter nicht sicher erwiesen.

 

Patientin mit Röschenflechte entbindet Säugling mit vorzeitig verknöcherten Schädelnähten

Eine Fallstudie der Universität von San Diego im US-amerikanischen Kalifornien berichtete nun von einer 28 jährigen Frau, die in der 10. Schwangerschaftswoche mit einer Pityriasis rosea vorstellig wurde, nachdem bereits ihr Mann zwei Monate zuvor wegen dieser Erkrankung behandelt worden war. Zwar ist eine Röschenflechte nicht ansteckend, doch kann sie in seltenen Fällen bei Geschwistern oder Ehepaaren nacheinander auftreten, hier oft zuerst beim Mann und anschließend bei der Frau. In diesem Fall war der Ehemann an einer inversen Pityriasis rosea erkrankt, bei der typischerweise der Nacken und die Extremitäten betroffen sind.

Bei der Patientin hatte die Erkrankung in der achten Schwangerschaftswoche begonnen. Unter einer Behandlung mit wirkstofffreier Pflegecreme heilten die Hautveränderungen innerhalb von acht Wochen komplikationslos ab. Vorsichtshalber wurde der Verlauf der Schwangerschaft engmaschig kontrolliert. In der 41. Woche brachte die Patientin per Kaiserschnitt einen gesunden Jungen mit einem normalen Geburtsgewicht von 3,8 Kilogramm und einer Größe von 51 Zentimetern zur Welt. Allerdings wies das Neugeborene eine vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte (Kraniosynostose) auf, die ohne Behandlung das Wachstum des Gehirns einschränken und infolgedessen zu einer Minderung der kognitiven Funktionen führen kann. Nach einer operativen Korrektur der Fehlbildung entwickelte sich das Kind normal.

 

Literaturanalyse ergibt keinen Zusammenhang mit Röschenflechte

Um das Risiko einer Pityriasis rosea-Erkrankung bei Schwangeren für das Ungeborene abzuschätzen und zu überprüfen ob weitere Fälle von Kraniosynostose bekannt sind, analysierten die behandelnden Ärzte die verfügbare medizinische Fachliteratur. Dabei fanden sie 54 beschriebene Fälle von Frauen, die zwischen der 8. und der 32. Schwangerschaftswoche eine Röschenflechte entwickelt hatten. Bei zwei Dritteln der Frauen geschah dies im 2. Trimester, bei rund einem Fünftel im ersten und bei jeder zehnten Patientin im dritten Trimester. Frühere Studien hatten ergeben, dass ein Auftreten der Krankheit im ersten Trimester die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung des Ungeborenen erhöhte. Die Literaturanalyse bestätigte dies nicht. Stattdessen waren 64 Prozent der Frauen, bei denen es während Schwangerschaft und Geburt zu Komplikationen kam, im zweiten Trimester an der Röschenflechte erkrankt.

Mehr als die Hälfte der betroffenen Frauen brachte gesunde Kinder zu Welt, in 15 Fällen wiesen die Neugeborenen nach der Geburt ein niedriges Geburtsgewicht und teilweise weitere Probleme wie etwa zu niedrigen Blutdruck auf. In zehn Fällen kam es zu einer Fehl- oder Todgeburt. Eine vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte war dagegen im keinem Fall beschrieben. Diese tritt im Schnitt bei einem von 5000 Neugeborenen auf. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die vorzeitige Verknöcherung in dem beschriebenen Fall unabhängig von der Röschenflechten-Erkrankung der Mutter aufgetreten ist. Aus den Literaturdaten lässt sich darüber hinaus nicht ableiten, wie hoch das Risiko für das Ungeborene bei einer Röschenflechten-Erkrankung der Mutter insgesamt ist, da möglicherweise bevorzugt Fälle publiziert werden, in denen Komplikationen auftreten.

 

Röschenflechte in der Schwangerschaft – Ein Risiko für das Ungeborene?
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Literatur


 

Letzte Aktualisierung am 12.11.2017