Konsequenter Einsatz von Sonnenschutz verringert Hautkrebshäufigkeit

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Der konsequente Einsatz von Sonnenschutzmitteln kann die Häufigkeit des schwarzen Hautkrebs realistisch um 10% senken

Ultraviolette Strahlung aus dem Sonnenlicht schädigt das Erbgut von Hautzellen und kann Hautkrebs verursachen. Hiervor schützt die Verwendung von Breitbrand-Sonnenschutzmitteln. Dennoch werden diese Produkte noch immer von vielen gefährdeten Personen nur unregelmäßig oder gar nicht verwendet. Australische und britische Wissenschaftler haben nun errechnet, wie viele Fälle von schwarzem Hautkrebs vermeidbar wären, wenn Sonnenschutzprodukte konsequenter angewendet würden.

 

Zwischen 63 und 90 Prozent aller Fälle von schwarzem Hautkrebs (maligner Melanome) lassen sich direkt auf den Einfluss von UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht zurückführen. Damit ist diese der wichtigste Umweltfaktor, der das Hautkrebsrisiko erhöht. Die energiereiche UVB-Strahlung (290-320 Nanometer) hat eine mutagene Wirkung, bewirkt also Veränderungen am Erbgut der Hautzellen, hauptsächlich indem es nebeneinander liegende Pyrimidinbasen miteinander verknüpft. In letzter Zeit mehren sich jedoch die Hinweise, dass der Einfluss der energieärmeren UVA-Strahlung (320-400 nm) unterschätzt wird. Offensichtlich erzeugt sie reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die ebenfalls das Erbgut schädigen. Um die Haut vor den Auswirkungen der UV-Strahlung zu schützen, existieren heute sogenannte Breitband-Sonnenschutz­mittel, die sowohl den UVA- als auch den UVB-Bestandteil des Sonnenlichts reflektieren oder absorbieren und dadurch die Hautzellen abschirmen.

 

Sonnencreme schützt vor schwarzem Hautkrebs

Verschiedene Studien haben die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln zur Vermeidung von Hautkrebs gezeigt. Dazu gehört eine kontrollierte klinische Studie aus Queensland in Australien, in der die Studienteilnehmer zufallsgesteuert in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Eine Gruppe verwendete täglich einen geeigneten Sonnenschutz, die andere nur unregelmäßig. Nach einem zehnjährigen Beobachtungszeitraum waren die Teilnehmer, die den Sonnenschutz nur unregelmäßig verwendet hatten, doppelt so oft an einem Melanom erkrankt wie die Teilnehmer, die täglich Sonnencreme aufgetragen hatten. Auf der Basis dieser und anderer Studien empfehlen medizinische Fachgesell­schaften die regelmäßige Anwendung von Breitspektrum-Sonnenschutzmitteln.

Dennoch halten sich viele Menschen nicht an diese Empfehlungen. In einer großangelegten Befragung in den USA gaben 6 Prozent der weißen Männer und 22 Prozent der weißen Frauen an, immer Sonnencreme zu benutzen. Immerhin 43 Prozent der Kinder gaben an, Sonnencreme zu verwenden, wenn sie sich im Sommer draußen aufhalten. In Australien lagen die Werte bei 21 Prozent für Männer und 35 Prozent für Frauen. Bei Kindern erreichten die Werte je nach Altersgruppe und Geschlecht zwischen 31 und 51 Prozent, wobei mehr jüngere Kinder und Mädchen zur Sonnencreme griffen.

 

Modellierung der Auswirkungen eines verbesserten Sonnenschutzes

Wissenschaftler aus Manchester (UK) und Queensland (Australien) fragten sich deshalb, wie viele Fälle von schwarzem Hautkrebs vermeidbar wären, wenn sich die Verwendung von Sonnenschutzmitteln in der Bevölkerung steigern ließe. Dazu berechneten sie, wie viele Erkrankungen jeweils im Jahre 2031 zu erwarten wären, wenn sich der Anteil der Bevölkerung, der regelmäßig Sonnencreme einsetzt, in den nächsten Jahren nicht verändert bzw. wenn er steigt. Das realistische Szenario ging dabei von einer jährlichen Steigerung um fünf Prozent in den nächsten zehn Jahren aus. Ein weiteres, in der Realität sicher nicht erreichbares Modell, berechnete die Zahlen unter der Annahme, dass 100 Prozent der gefährdeten Bevölkerung regelmäßig Sonnenschutzmittel anwenden, entweder ab Beginn der Modellierung (2012) oder erst nach einem Zeitraum von zehn Jahren (verzögertes, maximales Modell). Außerdem berücksichtigen die Wissenschaftler bei den Berechnungen, dass es etwa zehn Jahre dauert, bis sich die Verwendung von Sonnenschutzpräparaten auf das Risiko auswirkt, ein Melanom zu entwickeln. Den Berechnungen zugrunde lagen die Daten zum Einsatz von Sonnenschutzmitteln in der weißen – also besonders gefährdeten – Bevölkerung in den USA und Australien, da hier die meisten Daten über den Einsatz von Sonnencreme zur Verfügung standen. Als Schutzeffekt der Sonnencreme wurde der Wert von 50 Prozent aus der klinischen Queensland-Studie herangezogen.

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Abb.: Vermeidbare Fälle von schwarzem Hautkrebs. Rund 10% der Fälle von schwarzem Hautkrebs wären vermeidbar, wenn die Verwendung von Sonnenschutzprodukten mit einem angenommenen Schutzeffekt von 50 Prozent (hoch) um realistische fünf Prozent jährlich gesteigert würde. Ein maximaler Schutz der Bevölkerung ließe die Anzahl an neu auftretenden Melanomerkrankungen um etwa ein Drittel sinken, je nachdem ob der vollständige Schutz sofort oder erst in zehn Jahren (gestreift) erreicht wird. Die Modellierung unter der Annahme eines geringeren Schutzeffekts der Sonnencreme (niedrig) ergab ein ähnliches Bild mit etwas geringeren Werten.

 

Rund 10% der Melanom-Erkrankungen scheinen vermeidbar

Unter dem realistischen Szenario einer fünfprozentigen Zunahme der Verwendung von Sonnencreme in den Jahren von 2012 bis 2022 ließ sich errechnen, dass in den USA im Jahre 2031 rund 230.000 und in Australien 28.000 weniger Fälle von Melanom-Erkrankungen auftreten würden. Dies entspricht einer etwa zehnprozentigen Reduktion der Krankheitsfälle (Abbildung). Das maximale Modell berechnete eine Reduktion um 38 Prozent in den USA und 34 Prozent in Australien bzw. von 28 und 25 Prozent, je nachdem ob der vollständige Schutz sofort oder verzögert erreicht wurde. Zur Sicherheit wurden die Berechnungen ein zweites Mal mit einem geringeren angenommenen Schutzeffekt der Sonnencreme durchgeführt. Zwar ergaben sich dabei etwas niedriger Werte, doch immerhin ließen sich auch unter diesen Bedingungen und der realistischen Annahme einer fünfprozentigen Zunahme des Einsatzes von Sonnencreme sieben bzw. sechs Prozent der Melanom-Erkrankungen in den USA und Australien vermeiden. Unter der unrealistischen Annahme, dass zum sofortigen Zeitpunkt die gesamte Bevölkerung durch Sonnencreme geschützt sei, würden im Jahre 2031 voraussichtlich 24 und 21 Prozent weniger Fälle von Melanomen auftreten.

 

Verschiedene Sonnenschutzstrategien sollten kombiniert werden

Erstaunlich scheint dabei, dass selbst der optimale Schutz der Bevölkerung die Fälle von Melanom­Erkrankungen nur um etwa ein Drittel reduzieren würde. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass selbst die konsequente Verwendung von Sonnencreme nicht hundertprozentig schützt, wie die klinische Studie aus Queensland zeigt. Selbst Breitspektrum-Sonnenschutzfilter können nicht die gesamte UV-Strahlung von der Haut abhalten. Auch ist in die Modelle eingerechnet, dass sich nicht immer alle Studienteilnehmer an die Studienvorgaben halten. Grundsätzlich sollten deshalb immer verschiedene Faktoren des Sonnenschutzes kombiniert werden, beispielsweise die Verwendung von Sonnencreme mit dem Tragen geeigneter Kleidung, dem Vermeiden der Sonne in der Mittagszeit und dem Verzicht auf Sonnenbänke.

Paradoxerweise kann das Risiko für Hautkrebs durch die Verwendung von Sonnencreme sogar steigern, wenn diese die Menschen dazu verleitet, länger in der Sonne zu bleiben als die Schutzwirkung anhält. Auch wenn Sonnencreme aufgetragen wurde, gilt deshalb in der heißen Jahreszeit, die Haut so wenig wie möglich dem direkten Sonnenlicht auszusetzen. Obwohl die Studie sich auf schwarzen Hautkrebs beschränkte, hätte ein verbesserter Sonnenschutz ebenfalls einen Einfluss auf das Auftreten von Plattenepithelkarzinomen (heller Hautkrebs) und seiner Vorstufen, der aktinischen Keratosen. Umso mehr scheint es sinnvoll, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln in der Bevölkerung zu erfassen und durch gezielte Maßnahmen zu fördern.

 

Konsequenter Einsatz von Sonnenschutz verringert Hautkrebshäufigkeit
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Literatur


 

Letzte Aktualisierung am 27.12.2017