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Hausmittel zur besseren Wundheilung

Schnittverletzungen, Schürfwunden, Platzwunden, Verbrennungen – sie alle haben eines gemeinsam: Der Körper fängt sofort mit einem Kompensations- und Reparaturmechanismus an. Es gibt viele Möglichkeiten den Körper bei der Wundheilung zu unterstützen. So können durch einfache Hausmittel Infektionen verhindert und die Wundheilung beschleunigt werden.

 

Was ist Wundheilung?

Man unterscheidet verschiedene Formen der Wundheilung.

Als primäre Wundheilung wird eine komplikationslose Wundheilung ohne Infektion bezeichnet. Die Primärheilung erfolgt in gut durchbluteten Gebieten, bei glattrandigen, wenig oder gar nicht verunreinigten Wunden ohne Substanzverlust, bei denen die Wundränder glatt und eng aneinander liegen, z.B. bei chirurgisch gesetzten Wunden oder einer kleinen Schnittwunde. Es bleibt nur eine schmale strichförmige Narbe zurück.

Bei der verzögerten Primärheilung besteht der Verdacht einer Infektion. Die Wunde wird zunächst für den Zeitraum der Entzündungsphase nicht komplett verschlossen.

Die sekundäre Wundheilung erfolgt bei großflächigen Gewebedefekt, wie z.B. bei Hundebissen, starken Verbrennungen oder tiefen Geschwüren. Eine solche Wunde kann nicht vernäht werden und muss vom Grund her zuwachsen. Die Heilung dauert Wochen bis Monate und es besteht ein hohes Infektionsrisiko.

Oberflächliche Wunden, bei der nur Epidermis und obere Teile des Coriums verletzt sind, heilen regenerativ. D.h. die Haut kann sich ohne Narbengewebe wieder genau so bilden, wie sie vorher war. Das ist z.B. bei leichten Schürfwunden der Fall.

 

Wie läuft die Wundheilung ab?

Die erste Phase der Wundheilung beginnt sofort nach einer Verletzung und wird als Exsudative Phase (Entzündungsphase) bezeichnet. Sie dauert etwa 2-3 Tage. Die Hautbarriere, die das gesamte Körperinnere schützen sollte, ist nun beschädigt und soll wieder repariert werden. Zunächst wird die Wunde durch die Blutung gereinigt und aufgefüllt. Nach einigen Minuten werden die Blutgefäße verengt, um den Blutverlust zu reduzieren. Anschließend treten aus den Blutgefäßen Gerinnungsfaktoren und Fibrinogen in die Wunde ein. Die sogenannte Gerinnungskaskade wird aktiviert, deren Funktion in erster Linie darin besteht, den entstandenen Defekt zu verschließen, sodass kein direkter Kontakt mehr zwischen Körperinnerem und der Außenwelt besteht. Durch das Zusammenspielen von Blutplättchen (Thrombozyten), die das Blutgerinnsel bilden, und den Gerinnungsfaktoren wird die Blutung gestoppt (Hämostase). Zudem sezernieren die Thrombozyten spezielle Stoffe für spätere Phasen der Wundheilung, damit z.B. Entzündungszellen in das Gewebe einwandern. Durch die Austrocknung des Blutgerinnsels entsteht Schorf, welcher die Wunde schützt und Heilungsprozesse unter seiner Oberfläche fördert.

Nach einigen Stunden wandern Leukozyten (Entzündungszellen des Immunsystems) in das Wundgebiet ein, dies kennzeichnet die zweite sogenannt Resorptive Phase (Débridementphase). Granulozyten und Makrophagen beseitigen Zelltrümmer, Verunreinigungen und phagozytieren Mikroorganismen, wie z.B. Bakterien, um eine Infektion vorzubeugen. Auch diese sezernieren wieder spezielle Stoffe, um andere Zellen anzulocken. Damit wird die Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) und die Grundsubstanzproduktion in der Wunde stimuliert.

Die Reparaturphase (Proliferative Phase) erfolgt etwa 3-5 Tage nach Gewebeschädigung. Zunächst wandern Fibroblasten in das Wundgebiet ein. Diese bilden ein Kollagennetzwerk, das zu neuem Bindegewebe ausreift. Die Wundkontraktion wird durch eingewanderte Myofibrillen ermöglicht. Dadurch findet die Bindegewebsbildung gerichtet statt und der ursprüngliche Defekt wird verkleinert. Zeitgleich gelangen Angioblasten in die Wunde und bilden neue Blutgefäße. Dies lässt das gebildete Granulationsgewebe hellrot, fleischig erscheinen und ermöglicht eine bessere Versorgung des Wundgebietes.

Die letzte Phase der Wundheilung wird als Reifungsphase bezeichnet. Nach etwa 3 Wochen erreicht das Gewebe in der Wunde seine maximale Belastbarkeit. Das Granulationsgewebe wird umgebaut. Die Kollagenfasern orientieren und vernetzen sich. Das neue Gewebe im Defekt ist dem normalen Hautgewebe zwar sehr ähnlich, besitzt aber keine Talg- und Schweißdrüsen und ist etwas anders pigmentiert. Man spricht hier vom Narbengewebe.

Bei kleinen Wunden dauert der gesamte Prozess im Regelfall einige Tage bis wenige Wochen. Bei größeren Wunden oder Infektion entsprechend länger.

 

Was kann ich tun um die Wundheilung zu beschleunigen?

Um die Wundheilung zu beschleunigen, stehen uns verschiedenste Hausmittel zur Verfügung. Bei einer größeren, stark blutenden Wunde ist die Gerinnung das A und O. Deshalb ist eine Wundkompresse am sinnvollsten, sodass die Blutstillung beschleunigt wird. Erst danach sollte mit der Wundreinigung und Desinfektion begonnen werden. Ist kein Wunddesinfektionsmittel vorhanden, kann auch fließend kaltes Wasser helfen. Eine altbewährte Alternative ist Kamillentee. Dazu den Tee mit heißem Wasser aufbereiten und nach Abkühlen den Teebeutel direkt auf die Wunde legen. Ähnliche, leicht erhältliche Mittel sind in Schwarztee getunkte Kompressen und Teebaumöl. Für Honig, vor allem der aus Manuka-Honig bestehende und in der Apotheke erhältliche Medihoney, liegen viele bestätigende Studien vor. Wie das funktioniert und worauf man achten sollte haben wir in unserem Artikel „Honig – Wundermittel bei der Wundheilung?“ näher beschrieben.

Wärme, Feuchtigkeit, Vitamine, und der Mineralstoff Zink sind Faktoren, die den Wundheilungsprozess erleichtern und damit fördern. Kälte und Sauerstoffmangel verlangsamen den Wundheilungsprozess dagegen. Deshalb werden im klinischen Alltag gerne mit Zinksalbe versehene Verbände eingesetzt. Arnikasalbe ist ein weiteres häufig verwendetes Mittel der Wahl, das auch antientzündlich wirkt und so Schwellungen lindert. Beides erhalten Sie in der Drogerie und in der Apotheke.

Da bei Verletzungen grundsätzlich zwischen einer primären und sekundären Heilung unterschieden wird, wird der Arzt bei größeren Wunden im Einzelfall entscheiden, welches Mittel das Beste ist.

Bei kleineren Wunden können also schon Hausmittel wie Honig, Kamillentee, Schwarztee, die in jeder Küche zu finden sind und diverse andere Mittel helfen, den Heilungsprozess zu erleichtern. Nichtsdestotrotz gehören tiefer liegende Verletzungen in die Hände des Arztes, um eine möglichst narben- und beschwerdefreie Regeneration zu erzielen.

 

Hausmittel für eine bessere Wundheilung
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Letzte Aktualisierung am 09.09.2017