Mikrowellentherapie gegen Achselschweiß | derma.plus
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Die Mikrowellentherapie: Stark gegen Achselschweiß, schonend fürs Gewebe

Ein Beitrag von Frau Dr. rer. nat. Larissa Tetsch

Starkes Achselschwitzen kann für die Betroffenen eine große psychische Belastung darstellen. Dies gilt besonders, wenn das Schwitzen mit einem unangenehmen Körpergeruch einhergeht. Bei starken Beschwerden halfen bislang oft nur chirurgische Verfahren. Neue Hoffnung verspricht jetzt die nicht-invasive Verödung der Schweißdrüsen mit Hilfe von Mikrowellenstrahlung.

 

Schätzungsweise 1-2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden unter einer Fehlsteuerung der ekkrinen Schweißdrüsen durch das vegetative Nervensystem (Hyperhidrose). Dadurch kommt er zu verstärktem Schwitzen der Achseln, Hände, Füße, des Kopfes oder des Oberkörpers. Die Hyperhidrose ist für viele Betroffene eine schwere psychische Belastung und führt oft zu einer sozialen Stigmatisierung. Ein Teufelskreis, denn emotionale Anspannung und Stress fördern das Schwitzen meist noch weiter.

 

Nicht-invasive Verfahren müssen regelmäßig wiederholt werden

Um das Schwitzen in den Griff zu bekommen, stehen verschiedene Therapien zur Verfügung. Medikamentös lässt sich die Aktivität des Sympathikusnervs dämpfen. Dieser Teil des vegetativen Nervensystems aktiviert die Schweißdrüsen durch Ausschüttung von Acetylcholin. Das häufig verschriebene Oxybutynin wird oral eingenommen und wirkt als Gegenspieler von Acetylcholin. Clonidin kann sowohl systemisch als auch topisch, also lokal begrenzt, angewendet werden. Betrifft die Hyperhidrose nur bestimmte Körperteile wie Hände, Füße oder die Achseln können Aluminiumsalze, Leitungswasseriontophorese oder intradermale Injektionen von Botulinumtoxin helfen. Botulinumtoxin ist ein bakterielles Neurotoxin, das ebenfalls die Aktivierung der Schweißdrüsen durch den Sympathikusnerv hemmt. Vor allem bei schweren Formen von Achselschwitzen sind Botulinumtoxininjektionen sehr effektiv, müssen allerdings regelmäßig wiederholt werden, da die Wirkung je nach Studie nur zwischen 4 und 8 Monaten anhält. Dadurch wird die Behandlung auf Dauer sehr teuer.

Invasive Verfahren bergen hohes Komplikationsrisiko

Eine Alternative stellen verschiedene chirurgische Verfahren dar wie die Entfernung der Schweißdrüsen durch die minimal-invasive Achselsaugkürettage. Als letzte Option kann der Sympathikusnerv durchtrennt werden, so dass eine Aktivierung der Schweißdrüsen unterbleibt. Dabei ist das Risiko für Komplikationen jedoch hoch, und oft schwitzen die Patienten nach der Operation stärker an anderen Körperteilen (Kompensationsschwitzen). Eine Entfernung oder Zerstörung der Schweißdrüsen wird auch zur Behandlung der axillären Bromhidrose empfohlen, bei der die Patienten unter starkem Körpergeruch leiden, der dadurch entsteht, dass das Sekret der apokrinen Schweißdrüsen (auch Duftdrüsen genannt) in den Achselhöhlen durch Bakterien zu übel riechenden Fettsäuren und Aminen zersetzt wird. Apokrine Schweißdrüsen lassen sich im Gegensatz zu ekkrinen Schweißdrüsen durch Botulinumtoxin nicht hemmen. Axilläre Hyperhidrose und Bromhidrose treten oft gemeinsam auf.

Hyperhidrose Mikrowellentherapie Achselschweiß

Abb.: Die in der Dermis sitzenden ekkrinen und die in der Unterhaut sitzenden apokrinen Schweißdrüsen werden durch Mikrowellenstrahlung zerstört (Thermolyse), ohne das umgebende Gewebe zu verletzen.

 

Dauerhafte Erleichterung durch Mikrowellen

Eine wirksame Behandlung beider Krankheitsbilder verspricht die Mikrowellentherapie. Mikrowellen gehören zu den elektromagnetischen Wellen mit Wellenlängen von etwa 30 cm bis 1 mm. Bei der Mikrowellentherapie wird die entsprechende Hautschicht bei gleichzeitiger Kühlung der Oberfläche stark aufgeheizt, um so die Schweißdrüsen zu veröden (Abbildung). Dies sollte das Schwitzen dauerhaft ausschalten, da sich Schweißdrüsen nach der Geburt nicht mehr erneuern können. Ein weiterer Vorteil ist, dass Mikrowellen bevorzugt wasserhaltiges Gewebe wie Drüsen erhitzen und das umgebende Fettgewebe kaum beeinträchtigen. Die Strahlung kann so gewählt werden, dass sie ihre Wirktemperatur von 60°C gezielt in der Hautschicht entfaltet, in der sich die Drüsen befinden. Das zerstörte Drüsengewebe wird vom Körper durch Bindegewebe ersetzt.

 

Für die Behandlung der Achsel optimiert: das MiraDry-Gerät

Das miraDry-Gerät der US-amerikanischen Firma Miramar Labs in Kalifornien ist für die Behandlung der Achselhöhlen optimiert. Eine integrierte Kühlung schützt die Oberhaut, während ein sanftes Ansaugen der Haut tiefere Hautschichten schont. Vor der Behandlung wird eine örtliche Betäubung durchgeführt, bevorzugt eine Tumeszenzanästhesie, bei der das Betäubungsmittel mit Druck zwischen die Gewebeschichten der Unterhaut gespritzt wird. Auf diese Weise kann ein größeres Volumen unter der Haut deponiert werden, so dass eine einzige Injektion zur Betäubung der gesamten Achsel ausreicht. Das große Flüssigkeitsvolumen isoliert außerdem nicht betroffene Hautschichten und verhindert so Nervenverletzungen durch die Mikrowellen. Ein Behandlungszyklus dauert 25-40 Minuten und gliedert sich in drei Schritte: Nach der Reinigung werden die Achseln mit einer Behandlungsschablone beklebt. Anschließend wird die Tumeszenzanästhesie gelegt und dann das miraDry-Gerät schrittweise und anhand der Schablone über die Achsel bewegt.

 

Sie sind an einer Behandlung mit dem miraDry-Gerät interessiert? Für eine ausführliche Beratung vereinbaren sie einen Termin im Hautzentrum Nymphenburg bei Prof. Abeck und seinem Team.

 

Gute Ergebnisse auch bei Bromhidrose

Eine randomisierte Studie mit 120 Patienten bescheinigte der Behandlung gute Erfolgschancen bei der Behandlung der axillären Hyperhidrose [1]. So hatten sich die Symptome in den ersten zwei Monaten nach der Behandlung bei 67% der behandelten Patienten gebessert (gemessen anhand einer Abnahme der Punkte des Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS) um mindestens zwei Punkte), während dies bei nur 13% der Patienten der Kontrollgruppe der Fall war. In einer anderen Studie [2] profitierten 90% der 31 Behandelten in den ersten 12 Monaten von der Behandlung. Bei 83% von 11 behandelten Patienten, die zusätzlich unter Bromhidrose litten, sank der HDSS um zwei Punkte, und der Körpergeruch verschwand sogar bei fast allen Patienten [3]. Ähnliche Erfolgsraten bei der Behandlung der Bromhidrose zeigen ansonsten nur chirurgische Methoden sowie die subkutane Lasertherapie zur Zerstörung der Schweißdrüsen. In Spanien wurden seit Mai 2015 insgesamt 102 Patienten mit dem miraDry-Gerät behandelt. In 95% der Fälle reichten zwei Behandlungenzyklen im Abstand von drei Monaten aus, um die Beschwerden zu beseitigen. Allen Patienten, die unter Bromhidrose litten, konnte auf diese Weise geholfen werden.

 

Langfristige Wirkung bei wenigen Nebenwirkungen

Die Mikrowellenbehandlung wird von den meisten Patienten sehr gut vertragen. In der ersten Woche kommt es meist zu einer lokalen Entzündung, die innerhalb von einer Woche abklingt und durch die Einnahme eines schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkstoffs (z. B. Paracetamol, Ibuprofen) gelindert werden kann. Auch Blutergüsse zeigen sich oft. In der Literatur wurden bisher lediglich zwei Fälle von Nervenverletzung beschrieben, die aber innerhalb eines Jahres folgenlos abheilten. Kompensationsschwitzen wurden ebenfalls bisher so gut wie noch nicht beschrieben. Bei einem Viertel der Patienten führte die Behandlung jedoch zu einem dauerhaften Haarverlust in der Achsel. Der größte Nachteil der Behandlung sind die relativ hohen Kosten. Dennoch sollte die Behandlung auf lange Sicht günstiger sein als Injektionen mit Botulinumtoxin, die regelmäßig wiederholt werden müssen. Bislang ist dokumentiert, dass die Wirkung der Mikrowellenbehandlung zwei Jahre anhalten kann. Langzeitstudien müssen jetzt klären, ob die Methode Achselschwitzen tatsächlich lebenslang verhindern kann.

Literatur


 

Letzte Aktualisierung am 01.10.2019