Mikrowellentherapie zur Behandlung der Bromhidrose | derma.plus

Mikrowellentherapie zur Behandlung der Bromhidrose

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Die Mikrowellentherapie zur Behandlung der Bromhidrose ist anderen Eingriffen überlegen

Starker Körpergeruch, der dadurch entsteht, dass Bakterien das Sekret von Duftdrüsen in der Achselhöhle zersetzen, kann für die Betroffenen eine starke Belastung darstellen. Letzter Ausweg ist oft eine operative Entfernung der Schweißdrüsen. Im Vergleich mit der Saugkürettage und der subkutanen Laserbehandlung ist die Mikrowellenbehandlung effektiv, wenig schmerzhaft und leicht durchzuführen bei gleichzeitig wenig Nebenwirkungen und einem niedrigen Rückfallrisiko.

 

Axilläre Bromhidrose ist eine Erkrankung, bei der die Betroffenen unter einem starken Körpergeruch leiden. Dieser entsteht dadurch, dass das Sekret der apokrinen Duftdrüsen in den Achselhöhlen von Bakterien zu Fettsäuren und Aminen zersetzt wird. Übermäßige Schweißbildung kann das Wachstum der Bakterien anregen und dadurch das Problem verstärken. Die apokrinen Duftdrüsen sind im Unterschied zu ekkrinen Schweißdrüsen je an einen Haarfollikel gebunden und auf bestimmte Körperregionen wie die Achselhöhle, Brustwarze und Genitalregion beschränkt. Ihr Sekret und das der Talgdrüsen sowie die jeweilige Bakterienflora einer Hautregion sind maßgeblich für den natürlichen Körpergeruch verantwortlich. Die Sekretproduktion der Duftdrüsen wird besonders durch emotionale Reize wie Angst, Wut oder Erregung aktiviert.

 

Minimalinvasive Zerstörung der Duftdrüsen

Die effektivste Therapie für eine axilläre Bromhidrose ist die operative Zerstörung der Schweißdrüsen. Dabei werden heute bevorzugt minimalinvasive Methoden eingesetzt, um das Risiko von Gewebe- und Nervenverletzungen sowie einer Narbenbildung zu reduzieren. Gängige Methoden sind die Achselsaugkürettage, bei der wie bei der Liposuktion (umgangssprachlich: Fettabsaugen) das Unterhautgewebe, in dem sich die apokrinen Duftdrüsen befinden, abgesaugt wird. Bei der Mikrowellentherapie wird dagegen die entsprechende Hautschicht stark aufgeheizt bei gleichzeitiger Kühlung der Oberfläche. Durch die Hitzeeinwirkung kommt es zu einer dauerhaften Zerstörung der Schweißdrüsen. Eine dritte Methode ist die subkutane Lasertherapie, bei der die Schweißdrüsen durch indirekte thermische Effekte zerstört werden. Um die Wirksamkeit dieser drei routinemäßig eingesetzten Therapien zu untersuchen, wurden rückwirkend (retrospektiv) die Daten von 403 gegen Bromhidrose behandelte Patienten ausgewertet.

Von diesen hatten 168 die Mikrowellentherapie, 119 die subkutane Laserbehandlung und 116 die Achselsaugkürettage erhalten. Jeweils vor der Behandlung und drei sowie zwölf Monate im Anschluß an die Behandlung wurde die Schweißbildung sowohl subjektiv auf der Hyperhidrose-Schweregrad-Skala (HDSS) von 1 (keine Beeinträchtigung durch den Schweiß) bis 4 (schwere Beeinträchtigungen durch den Schweiß) als auch objektiv durch einen Stärke-Iodtest ermittelt. Zusätzlich wurden die Abnahme der Geruchsbildung als Maß für die Effektivität der Behandlung, die Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung und die Verbesserung der Lebensqualität anhand des Dermatologischen Lebensqualitätsindexes (DLQI) bestimmt.

 

Subkutane Laserbehandlung am wenigsten effektiv

Hyperhidrosis Hyperhidrose übermäßiges Schwitzen Schweißgeruch axilläre Bromhidrose

Abb. 1: Verbesserung der klinischen Symptome. Zwölf Monate nach der Behandlung wurde bei allen Patienten die Reduktion der Geruchsbildung bestimmt. Bei Patienten, die mit Mikrowellentherapie und Saugkürettage behandelt worden waren, hatten sich die Symptome um fast 100 Prozent verbessert. Nach der subkutanen Lasertherapie lag dieser Wert mit 49 Prozent deutlich niedriger.

Alle drei Behandlungen verbesserten die Symptome signifikant: Es wurde signifikant weniger Schweiß gebildet, und der Körpergeruch nahm ab. Sowohl hinsichtlich der subjektiven Schweißbildung (HDSS), der Verbesserung der Lebensqualität (DLQI), der Abnahme der Geruchsbildung und der Patientenzufriedenheit schnitt die subkutane Lasertherapie schlechter ab, als die anderen beiden Behandlungsmethoden, zwischen denen es hinsichtlich dieser Parameter kaum Unterschiede gab. So lag die Verbesserung der klinischen Symptome für die Saugkürettage und die Mikrowellentherapie bei 99% bzw. 92%, bei der subkutanen Laserbehandlung bei nur 49% (Abb. 1). Dazu passend bewerteten die Patienten ihre Zufriedenheit mit der Behandlung auf der Skala von 1 bis 5 mit 4,9 und 4,5 für Saugkürettage und Mikrowellentherapie im Vergleich zu nur 2,8 bei der Lasertherapie. Gleichzeitig lag die Rückfallquote bei der subkutanen Lasertherapie mit 79% im Vergleich zur Mikrowellentherapie mit 9,3% und der Saugkürettage mit keinem einzigen dokumentierten Rückfall sehr hoch. Ein weiterer Nachteil der subkutanen Lasertherapie war, dass ihr Erfolg im Unterschied zur Saugkürettage und zur Mikrowellentherapie stark vom jeweiligen Behandler abhängt. Bei der subkutanen Laserbehandlung werden die apokrinen Drüsen durch indirekte thermische Effekte zerstört, was weniger effektiv ist als eine direkte Entfernung durch Saugkürettage. Mikrowellen können dagegen genau auf die Hautschicht fokussiert werden, in der sich die Duftdrüsen befinden.

 

Starke Nebenwirkungen bei der Saugkürettage

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Abb. 2: Erholungszeit nach der Behandlung. Nach einer Mikrowellen- oder subkutanen Lasertherapie waren die Patienten im Schnitt nach nur wenigen Tagen schmerzfrei und konnten die Arme wieder uneingeschränkt bewegen. Nach der Saugkürettage litten die Behandelten deutlich länger an Schmerzen und benötigten im Schnitt über zwei Wochen, um vollständig wiederhergestellt zu sein.

Zwar wurden bei der Saugkürettage die besten Ergebnisse erzielt, aber die Patienten hatten nach der Operation auch deutlich länger Schmerzen, benötigen länger zur Erholung und wiesen mehr Komplikationen auf als bei den anderen Behandlungsmethoden. Während bei der Mikrowellentherapie nur leichte Komplikationen in Form von Missempfindungen und Schwellungen auftraten, die mit der Zeit von selbst wieder verschwanden, kamen bei der subkutanen Lasertherapie schwerere Nebenwirkungen hinzu, vor allem Verbrennungen der Haut durch den Kontakt zur Laserkanüle. Insgesamt litten 40,5% (Mikrowellentherapie) und 51,3% (subkutane Laserbehandlung) der Patienten an mindestens einer Komplikation. Dagegen wiesen alle Patienten, die mittels Saugkürettage behandelt worden waren, Komplikationen auf, darunter schwere wie Narbenbildung und Gewebeschädigungen. Dementsprechend benötigten die Patienten im Schnitt fast 15 Tage, um sich vollständig von der Saugkürettage zu erholen, während sie bei der Lasertherapie nach etwa 4 und bei der Mikrowellentherapie sogar nach etwa 3 Tagen wieder vollständig wiederhergestellt waren (Abb. 2).

Insgesamt ist die Mikrowellentherapie sowohl der Saugkürrettage als auch der subkutanen Lasertherapie überlegen. Sie reduziert effektiv Schweißbildung und Körpergeruch bei gleichzeitig wenig Nebenwirkungen, einer kurzen Erholungszeit und einer geringen Rückfallrate. Außerdem kommt sie ohne Schnitte und dem Einführen von Kanülen aus, ist vom Behandler leicht zu erlernen und kann bei Bedarf risikolos wiederholt werden, während die Wiederholbarkeit der Saugkürettage durch Narbenbildungen und Gewebeschädigungen begrenzt ist. Die Mikrowellentherapie sollte deshalb als Therapie der ersten Wahl bei einer axillären Bromhidrose in Betracht gezogen werden.

 

Literatur


 

Letzte Aktualisierung am 18.03.2019