Entzündung einfach erklärt | derma.plus

Definition: Entzündung

Der Begriff „Entzündung“ (lateinisch: inflammatio) beschreibt eine komplexe Abfolge von Reaktionen des Immunsystems als Antwort auf verschiedene, in der Regel schädigende Reize. Solche Reize können Infektionen (Bakterien, Viren, Parasiten), aber auch Verletzungen, physikalische und chemische Einflüsse (Verbrennungen, Verätzungen, Strahlung etc.), Gewebsuntergänge (Nekrosen), Tumorerkrankungen, Fremdkörper (z.B. Holzsplitter) oder Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) sein.

Ziel der Entzündung ist grob zunächst die Beseitigung des ursächlichen Reizes, der Abtransport von entstandenen Schadstoffen/zerstörtem Zellgewebe und letztlich, wenn möglich, die Bildung von vorübergehendem Ersatzgewebe im Rahmen des Heilungsprozesses (Reparation oder Regeneration).

Sichtbar- und spürbare Folge sind die fünf Hauptanzeichen (=Kardinalsymptome) der Entzündung: Wärme (= Calor), Rötung (= Rubor), Schmerzhaftigkeit (=Dolor), Schwellung/Umfangsvermehrung (=Tumor) und Funktionseinschränkung (=Functio laesa).

Diese fünf Hauptsymptome lassen sich durch die im geschädigten Bereich ablaufende Antwort des Körpers erklären:

  • Rötung (Rubor): Durch den einwirkenden Reiz werden direkt oder indirekt die Wände der Blutgefäße in diesem Bereich geschädigt. In Folge dessen werden zahlreiche Botenstoffe (u.a. Histamin) freigesetzt, die zu einer Erweiterung der umliegenden Blutgefäße führen. Durch diesen Mechanismus wird der Blutstrom in diesem Bereich verlangsamt und die Bestandteile des Blutes, die für die folgenden Entzündungs- und Heilungsprozesse gebraucht werden, können leichter aus dem Blut in das geschädigte Gewebe austreten. Als sichtbarer „Nebeneffekt“ erscheint der Bereich gerötet, weil sich durch die erweiterten Gefäßen mehr Blut als normal in diesem Bereich ansammelt.
  • Wärme (Calor): Die verstärkte Durchblutung führt nicht nur zur Rötung, sondern auch zu einer Erwärmung des betroffenen Bereiches, weil das Blut vermehrt Wärme aus der Körpermitte in das Entzündungsgebiet transportiert.
  • Schwellung (Tumor): Die im Entzündungsgebiet ausgeschütteten Botenstoffe führen dazu, dass die Wände der Blutgefäße für bestimmte Stoffe durchlässiger werden, als sie es normalerweise sind. Auch eine direkte Schädigung der Blutgefäßwände (z.B. durch Einschnitte, Quetschungen) kann diesen Effekt verstärken. Diese erhöhte Durchlässigkeit hat zum einen wie auch die Rötung den Sinn, dass die für den Entzündungs- und Heilungsprozess benötigten Botenstoffe besser aus dem Blut ins Gewebe wandern können. Zum anderen entsteht durch den geförderten Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe ein Ödem (=Flüssigkeitsansammlung zwischen den Zellen). Diese Flüssigkeitsansammlung zeigt sich als Schwellung. Die Schwellung führt gemeinsam mit dem ausgelösten Schmerzreiz dazu, dass der Bereich instinktiv geschont oder komplett ruhig gestellt wird.
  • Scherzhaftigkeit (Dolor): Die mitunter extreme Schmerzhaftigkeit des entzündeten Gewebes kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden: Zum einen kann durch die ursächlichen Reize es direkt zu einer Schädigung des Gewebes kommen, die von den Nervenzellen als „Schmerz“ wahrgenommen wird. Zusätzlich kann es durch die im Verlauf der Entzündung freigesetzten Entzündungsstoffe (Mediatoren) zu einer weiteren schmerzhaften Zerstörung von Zellen kommen. Drittens führt die oben beschriebene Schwellung des Gewebes durch die Ödembildung dazu, dass der Druck im betroffenen Bereich schmerzhaft ansteigt.
  • Funktionsverlust (Functio laesa): Die Summe der oben beschriebenen Vorgänge führt dazu, dass das betroffene Gebiet aufgrund der Schmerzhaftigkeit und der eingeschränkten Beweglichkeit möglichst wenig belastet wird bzw. seine ursprüngliche Funktion im Körper nicht mehr erfüllen kann. Aus diesem Grunde kann es im Rahmen von Entzündungen insbesondere der lebenswichtigen Organe zu fatalen Komplikationen kommen.

Je nach ihrem zeitlichen Verlauf können Entzündungen als akut, primär chronisch, sekundär chronisch, chronisch-progredient oder chronisch-rezidivierend eingestuft werden.

Die Symptome einer Entzündung richten sich nach ihrem Ausmaß und dem betroffenen Organ. Während bei kleineren Verletzungen der Haut ohne zusätzliche bakterielle Infektion beispielsweise die Entzündungsreaktion lokal begrenzt bleibt, kann es bei akuten Entzündungen von größerem Ausmaß oder in lebenswichtigen Organen und insbesondere nach einer Infektion zu schwerwiegenden systemischen Symptomen kommen. Dazu gehört in erster Linie Fieber (ausgelöst durch bestimmte Entzündungsmediatoren), ein Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut, ein erhöhter Blutdruck und Puls, Schüttelfrost, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Dieser Zustand kann unter Umständen lebensbedrohliche Ausmaße erreichen.