Ein Zusammenhang zwischen Depressionen und Psoriasis?

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Erhöhtes Depressionsrisiko bei Patienten mit Schuppenflechte

Ein Beitrag von Frau Dr. rer. nat. Larissa Tetsch

Die Auswertung von Patientendaten zweier großer US-amerikanischer Gesundheits­organisationen bestätigt einen Zusammenhang zwischen einer bestehenden Psoriasis-Erkrankung und dem Depressionsrisiko. So erkranken Patienten mit Schuppenflechte signifikant häufiger an einer Depression als Patienten der Vergleichsgruppe. Das Selbstmordrisiko scheint dagegen nicht zuzunehmen. Diese Daten sollen dabei helfen, den Einfluss von Medikamenten auf das Depressionsrisiko zu ermitteln.

Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Depressionen. Chronische Krankheiten stellen generell eine große psychische Belastung dar, die das Depressionsrisiko erhöhen kann. Gleichzeitig beeinflussen Entzündungsmarker im Blut den Serotoninspiegel, wodurch ebenfalls Depressionen entstehen können. Diese können wiederum das Selbstmordrisiko erhöhen.

Chronische Erkrankungen stellen eine außerordentliche psychische Belastung für die Betroffenen dar und schon länger wird vermutet, dass sie das Risiko für Depressionen erhöhen. Vor allem chronisch-entzündliche Erkrankungen stehen hier im Fokus, da bestimmte Entzündungsmarker den Serotonin­spiegel und damit direkt die Entstehung von Depressionen beeinflussen können (Abb.). Ein weiterer Hinweis auf diesen Zusammenhang sind erhöhte Werte an entzündungsfördernden, zellulären Botenstoffen (Cytokine), die im Blut von Selbstmördern gefunden wurden. In einer Studie der renommierten US-amerikanischen Mayo Clinic wurden vor allem Diabetes mellitus, rheumatische Arthritis und Osteoarthritis als Risikofaktoren für eine Depression festgestellt. Andere Studien deuteten auch für Patienten, die an der chronisch-entzündlichen Schuppenflechte (Psoriasis) leiden, auf ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Selbstmordneigung hin.

Rund 2-3% der Weltbevölkerung leiden an einer Schuppenflechte, womit sie zu den häufigeren Hautkrankheiten gehört. Dennoch gibt es bisher nur wenige verlässliche Daten zum Zusammenhang mit psychischen Problemen. Noch mehr gilt dies für andere chronisch-entzündliche Krankheiten wie Schuppen­flechtenarthritis (Arthritis psoriatica), bei der sich die Gelenke der Hände, Füße und/oder der Wirbelsäule entzünden, und die oft als Begleiterscheinung einer Schuppenflechte auftritt, sowie für die Spondylitis ankylosans, auch als Morbus Bechterew bekannt. Hierbei handelt es sich um eine ebenfalls chronische rheumatische Erkrankung mit Entzündungen und Versteifung von Gelenken, vor allem der Kreuz-Darmbeingelenke.

 

Die Studie

Eine Studie, die Daten von zwei US-amerikanischen Gesundheitsorganisationen aus den Bundesstaaten Washington und Kalifornien auswertete, verglich nun das Risiko für Patienten, die an Schuppenflechte, Schuppenflechtenarthritis oder Morbus Bechterew erkrankt sind, gleichzeitig an Depressionen und Selbstmordgedanken zu leiden, mit dem Risiko für Patienten der Kontrollgruppe. Hierzu gehörten Patienten aus der Kartei der Gesundheits­organisationen, die nicht an den untersuchten Krankheiten litten. Der Schweregrad der entzündlichen Erkrankungen wurde von der Therapie abgeleitet, die die Patienten zuletzt erhalten hatten, wobei keine oder nur eine äußere (topische) Therapie einer leichten Form der Psoriasis und eine Behandlung durch Phototherapie oder systemische Wirkstoffe einer schweren Form zugeordnet wurden. Die beiden Gesundheitsorganisationen verfügen zusammen über Daten von 4,8 Millionen Menschen, von denen der Großteil auf Kalifornien entfällt und die Heterogenität der Bevölkerung hinsichtlich ethnischer, demografischer und sozioökonomischer Zusammensetzung widerspiegelt.

 

Ergebnisse der Studie

Im Studienzeitraum von Anfang 2007 bis Mitte 2015 wurden die Daten von 36214 Psoriasis-, 5138 Schuppenflechtenarthritis- und 1878 Morbus Bechterew-Patienten ausgewertet, wobei Patienten, die sowohl an Schuppenflechte als auch an Schuppenflechtenarthritis litten, der zweiten Gruppe zugeordnet wurden. An einer schweren Form der Schuppenflechte litten 2326 der Patienten, wobei die Zahl möglicherweise höher anzusiedeln ist, da die Ableitung aus der Therapie problematisch sein kann, wenn Ärzte systemische Therapien eher zögerlich anordnen. Alle Patienten wurden auf eine diagnostizierte Depression sowie auf dokumentierte Selbstmordgedanken und -versuche untersucht. Insgesamt zeigte sich, dass die Patienten aller drei untersuchten Krankheiten ein höheres Risiko aufwiesen, an einer Depression zu erkranken. Selbstmordgedanken und -versuche traten dagegen nicht häufiger auf als in der Kontrollgruppe. Interessanterweise gab es im Unterschied zu früheren Studien weder hinsichtlich Depressionen noch Selbstmordabsichten einen Unterschied zwischen Patienten mit einer leichten und einer schweren Krankheitsausprägung.

 

Einfluss der medikamentösen Therapie

Momentan wird diskutiert, ob bestimmte Medikamente gegen Schuppenflechte das Depressionsrisiko beeinflussen können. So sollen der neue Phosphodiesterase Typ 4-Hemmstoff Apremilast und das Retinoid Acitretin Depressionen auslösen oder verstärken können, während Hemmstoffe des Tumornekrosefaktors Alpha Depressionen möglicherweise eher reduzieren. Um dies zu bewerten, ist eine gute Ausgangsdatenlage notwendig, die durch die vorliegende Studie durch Einbeziehung großer und heterogener Patientenzahlen geschaffen wurde. Als nächstes sollte nun untersucht werden, inwieweit spezielle Therapien einen Einfluss auf das Depressions- und Selbstmordrisiko der Patienten haben.

 

Ein Zusammenhang zwischen Depressionen und Psoriasis?
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Literatur

 

Letzte Aktualisierung am 22.03.2017