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Juckende Kopfhaut: Ursachen und Behandlung

Wenn die Haut juckt, ist sie meist zu trocken oder entzündet. Dies gilt analog auch für die meisten Fälle einer juckenden Kopfhaut. Aber es gibt eine große Zahl weiterer Erkrankungen, die allein oder neben weiteren Symptomen zu einer juckenden Kopfhaut führen, die entsprechend abgeklärt werden müssen, um effizient behandelt zu werden.
Ein Fachbeitrag von
Facharzt für Dermatologie, Venerologie, Allergologie
Juckende Kopfhaut: Ursachen und Behandlung
Eine juckende Kopfhaut kann viele Ursachen haben. Wenn Ihre Kopfhaut juckt, sollten Sie versuchen, die Ursache herauszufinden und sie entsprechend zu behandeln. Dieser Artikel hilft Ihnen herauszufinden, was die Ursache für Ihre juckende Kopfhaut sein könnte.

Die Kopfhaut ist Teil unseres größten Organs, das unseren gesamten Körper bedeckt und nach außen abschließt. Als solches kann sie grundsätzlich von den meisten bekannten Hautkrankheiten (Dermatosen) betroffen sein. Gleichzeitig unterscheidet sich die Kopfhaut aber durch verschiedene Eigenschaften von anderen Hautbereichen. Dazu gehört insbesondere die Bedeckung mit Haaren, die das Mikroklima auf der Kopfhaut wesentlich beeinflusst. Aber auch in der Menge und der Zusammensetzung des gebildeten Hauttalgs – wovon wiederum der pH-Wert abhängt – unterscheidet sich die Kopfhaut von der restlichen Haut. Das dadurch bedingte Milieu begünstigt das Wachstum bestimmter Bakterien und Pilze, wodurch ein spezifisches Mikrobiom entsteht.

Hinzu kommt, dass die Kopfhaut im Vergleich zur Körperhaut besonders gut durchblutet ist und die einzelnen Haarfollikel von einem dichten Netz an Nervenfasern umgeben sind. An den Haarfollikeln gibt es eine Vielzahl an Sensoren für Berührungs-, Temperatur- und Vibrationsreize. An den freien Nervenendigungen um die Haarfollikel kann stressbedingt der Entzündungsmarker Substanz P ausgeschüttet werden. Dieses Neuropeptid verursacht dann Juckreiz, Brennen und Schmerzen der Kopfhaut und der Haarwurzeln.

Vielfältige Ursachen

Juckreiz der Kopfhaut (Pruritus capillitii) ist kein definiertes Krankheitsbild, aber dafür ein Symptom verschiedenster Erkrankungen. Häufig ist ganz einfach Hauttrockenheit die Ursache für den Juckreiz. Diese kann anlagebedingt aufgrund einer allgemein trockenen Haut sein oder durch die Verwendung eines ungeeigneten Haarshampoos oder anderer Pflegeprodukte, insbesondere alkoholhaltiger, zustande kommen.

Aber auch verschiedene Hautkrankheiten (Dermatosen) wie die atopische Dermatitis oder eine Schuppenflechte (Psoriasis) sind durch trockene Haut gekennzeichnet.

Sinnvoll für die Suche nach einer Ursache ist eine Unterscheidung in Juckreiz mit und ohne Dermatose sowie mit und ohne Haarausfall (Alopezie). Im ersten Schritt sollten sich die Ärzte auf die häufigsten bekannten Ursachen konzentrierten. Hierzu gehören das Austrocknungsekzem, die atopische Dermatitis (Neurodermitis), die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), eine Kontaktdermatitis und die seborrhoische Dermatitis, die auf eine vermehrte Talgproduktion zurückzuführen ist.  Seltene Ursachen sind eine Infektion mit Läusen, eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung wie der Lichen planopilaris als Form der vernarbenden Alopezie sowie psychische Ursachen wie Angst.

Juckende Kopfhaut aufgrund von Kopfpsoriasis (Psoriasis capitis)
Wenn Sie eine juckende Kopfhaut haben, könnte es sich um Psoriasis capitis handeln. Dies ist eine Form der Psoriasis, die speziell die Kopfhaut betrifft. Wenn Sie glauben, dass Sie diese Krankheit haben könnten, sollten Sie einen Dermatologen aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten.
Tinea Capitis - Juckende Kopfhaut, verursacht durch einen Pilz
Wenn Ihre Kopfhaut juckt, könnte es sich um Tinea capitis, eine Pilzinfektion, handeln. Tinea capitis tritt am häufigsten bei Kindern auf, aber auch Erwachsene können daran erkranken. Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie glauben, dass Sie Tinea capitis haben, denn sie kann manchmal zu Haarausfall führen.

Die Ursache finden

Um eine Diagnose zu stellen, ermitteln die behandelnden Ärzte zuerst in einer ausführlichen Anamnese Krankheitsgeschichte, Symptome und mögliche Risikofaktoren. Anschließend wird die gesamte Kopfhaut optisch untersucht und abgetastet. Mit Hilfe eines Dermatoskops, einem speziellen Auflichtmikroskop, lässt sich die Haut bis in tiefere Schichten untersuchen, ohne dass eine Probe entnommen werden muss.

Schuppen im Rahmen einer Hauterkrankung finden sich in der Regel an der gesamten Kopfhaut. Sind Schuppen nur in einzelnen Arealen vorhanden und besteht klinisch der Verdacht auf eine Pilzerkrankung können Schuppen zum Anlegen einer Pilzkultur verwendet werden.

Im Pull-Test wird untersucht, ob sich Haare bereits auf leichten Zug hin aus der Kopfhaut lösen. Ist der Pull-Test in einem schuppenden Areal der Kopfhaut positiv, spricht das für eine Pilzinfektion der Kopfhaut (Kopfmykose), die häufig durch Fadenpilze der Gattung Trichophyton  (Trichophytie) oder Microsporum (Mikrosporie) verursachte werden. Ist der Pull-Test negativ, kann in der Regel auf das schmerzhafte Auszupfen von Haaren verzichtet werden. Stattdessen existieren software-basierte, auflichtmikroskopische Erfassungssysteme, die ein sogenanntes Phototrichogramms erstellen. Darüber lassen sich die Haardichte und ein gemittelter Haardurchmesser bestimmten sowie die Anzahl von Haaren, die sich jeweils in der Wachstumsphase und in der Ruhephase befinden. Eine Kopfhautbiopsie ist nur noch in seltenen Fällen nötig. Dazu gehört der Verdacht auf ein bösartiges Non-Hodgkin-Lymphom, das kutane T-Zell-Lymphom (Mycosis fungoides), das vorwiegend die Haut betrifft. Typisch dafür sind Ekzemherde um die Haarfollikel, die auch mit starken topischen Steroiden (Klasse III und IV) nicht abklingen.

Juckende Kopfhaut aufgrund von Atopischem Kopfekzem
Juckende Kopfhaut? Auch ein atopisches Ekzem auf dem Kopf kann die Ursache sein. Diese Erkrankung kann zu starkem Juckreiz und Entzündungen der Haut führen. Wenn Sie glauben, dass Sie ein atopisches Ekzem am Kopf haben, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, um Behandlungsmöglichkeiten zu finden.

Wenn Haut und Haare krank sind

Sind auf der Kopfhaut Schuppen und Rötungen sichtbar, kann ein Kontaktekzem vorliegen, beispielsweise als Reaktion auf ein Pflegeprodukt. Weitere Möglichkeiten sind eine Schuppenflechte oder eine seborrhoische Dermatitis. Während Kopfhaut und Schuppen bei der Schuppenflechte trocken sind, sind sie bei der seborrhoischen Dermatitis durch zu viel Hauttalg fettig. Selten diagnostiziert wird das „Red Scalp“-Syndrom, das heute als Sonderform einer auf der Kopfhaut ausgeprägten Form der chronisch-entzündlichen Rosazea gilt. Neben Rötungen, Pusteln und Besenreisern (Teleangiektasien) treten dabei Juckreiz, Brennen und Stechen auf. Typischerweise schlägt eine Behandlung mit topischen, entzündungshemmenden Steroiden nicht an. Sind stattdessen orale Tetrazykline wirksam, kann dies die Diagnose „Red Scalp“-Syndrom unterstützen. Bei einem Befall mit Läusen (Pediculosis capitis) oder der Skabiesmilbe – Auslöser der ansteckenden Krätze – ist Juckreiz das wichtigste Symptom.

Haarausfall kann ebenfalls mit Juckreiz einhergehen, wobei hier zwischen den nicht-vernarbenden und vernarbenden Formen unterschieden werden muss. Während nicht-vernarbende Formen wie die sehr häufige androgenetische Alopezie in der Regel nicht jucken, ist der Juckreiz bei den vernarbenden Formen für die Betroffenen oft belastend. Ein Beispiel hierfür ist der Lichen planopilaris, der als entzündliche Autoimmunerkrankungen die Haarfollikel zerstört.

Was jetzt helfen kann

Gerade bei trockener Kopfhaut reicht oft schon ein Wechsel des Haarshampoos oder ein Weglassen von Pflegeprodukten, um den Juckreiz zu lindern. Shampoos haben einen großen Einfluss auf Menge und Zusammensetzung des Hauttalgs sowie auf den pH-Wert der Haut; außerdem können sie sogenannte Feuchthaltefaktoren („natural moisturizing factors“, NMF) auswaschen, die ansonsten Feuchtigkeit in der Haut zurückhalten. Bei der Neigung zu einer trockenen Kopfhaut sollten deshalb bevorzugt rückfettende Shampoos verwendet werden. Auf alkoholische Tinkturen sollte dagegen unbedingt verzichtet werden, weil Alkohol Talg entfernt und die Haut austrocknet. Am wirksamsten zur Behandlung der trockenen und juckenden Kopfhaut sind Lotionen (Öl-in-Wasser-Emulsionen, die über Nacht aufgetragen werden).

Für Menschen mit fettiger Kopfhaut, wie sie für Patienten mit seborrhoischer Dermatitis typisch ist, existieren ebenfalls spezielle Shampoos. Salizylsäurehaltige Shampoos helfen gegen Schuppen. Juckreizlindernd sind Shampoos mit Polidocanol, einem Wirkstoff, der leicht schmerzlindernd und betäubend auf die Haut wirkt. Shampoos gegen Schuppen und Juckreiz können abwechselnd mit festem Schema verwendet werden.

Bei nachweislich entzündlichen Prozessen können für eine begrenzte Zeit ein- bis zweimal täglich topische Steroide verwendet werden. Eine Ausnahme ist hier das „Red Scalp“-Syndrom, bei dem stattdessen orales Tetrazyklin oder topisches Ivermectin wirksam ist. Letzteres hat den Vorteil, dass ein Ansprechen auf den Wirkstoff eine Abgrenzung zur klinisch ähnlichen Folliculitis decalvans, einer Form der vernarbenden Alopezie, ermöglicht. Zusätzlich zu entzündungshemmenden Steroiden können bei der Schuppenflechte Vitamin D3-haltige Gels zu einer Verbesserung führen. Bei Tinea captitis helfen Shampoos mit einem Antimykotikum wie Ketokonazol oder Ciclopirox. . Hierdurch kann die Ansteckung anderer verhindert werden. Die Abheilung einer bestätigten Tricho- oder Mikrosporie bedarf immer einer oralen Behandlung mit Antimykotika.

Bei vernarbenden Alopezien, die klinisch durch den irreversiblen Verlust von Haarfollikeln gekennzeichnet sind, ist der auftretende Juckreiz häufig für die Betroffenen sehr belastend. Hier sollte mit Hilfe einer antientzündlichen Therapie der Juckreiz konsequent bekämpft werden, um den Leidensdruck der Betroffenen zu verringern.

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Wenn der ganze Körper betroffen ist

Neben Dermatosen können sowohl systemische Hauterkrankungen als auch systemische Erkrankungen anderer Organsysteme Kopfhautjucken hervorrufen, ohne dass dabei zwingend weitere Hautsymptome auftreten. Bei den systemischen Hauterkrankungen handelt es sich in erster Linie um Autoimmunerkrankungen wie den systemischen Lupus erythematodes (SLE), der durch akute und chronische Entzündungen in verschiedenen Organen und Geweben gekennzeichnet ist. Weitere bekannte Auslöser von Kopfhautjucken sind die Dermatomyositis, eine Entzündung der quergesteiften Muskulatur, die das Bindegewebe betreffende Sklerodermie und das entzündlich-rheumatische Sjörgen-Syndrom.

Eine Vielzahl an Stoffwechselerkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse, darunter Diabetes mellitus, kommen ebenfalls als Ursache für eine juckende Kopfhaut in Frage; ebenso manche Krebserkrankungen wie das Hodgkin-Lymphom, das kutane T-Zell-Lymphom, chronische Leukämien und solide Tumoren verschiedener Organsysteme. Weitere mögliche Ursachen sind Eisenmangel, verschiedene Bluterkrankungen, Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C, die Einnahme bestimmter Medikamente sowie eine Schwangerschaft.

Im Unterschied zu Dermatosen sind systemische Erkrankungen anderer Organsysteme aber eher selten die Ursache von Kopfhautjucken. Im Rahmen der Anamnese und anhand eines Differenzialblutbildes sollten sich diese Ursachen bereits weitgehend ausschließen lassen. Die Therapie orientiert sich dann an der Grunderkrankung. Zur symptomatischen Behandlung können z.B. Steroid-haltige Lotionen über Nacht auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Bedarfsweise können auch sedierende Antihistaminika und in schweren therapieresistenten Fällen Neuroleptika oder Antidepressiva zum Einsatz kommen.

Wenn sich häufige Ursachen ausschließen lassen

Oft weniger einfach zu diagnostizieren sind neurologische oder psychische Ursachen für den Juckreiz. Neuropathischer Juckreiz kann beispielsweise im Nachgang einer Gürtelrose (Herpes zoster), als Teil eines Diabetes mellitus oder nach Verletzungen oder Erkrankungen des Zentralennervensystems auftreten. Neurologische Ursachen sind wahrscheinlich, wenn im betroffenen Areal Missempfindungen wie Über- oder Unterempfindlichkeiten (Parästhesie, Hypästhesie) auf Berührungen oder Schmerzüberempfindlichkeit (Hyperalgesie) beobachtet werden.

Können alle bisher genannten Ursachen ausgeschlossen werden, bleibt zuletzt die Möglichkeit des psychogenen Juckreizes. Diese Diagnose lässt sich meist erst nach mehreren Arztbesuchen stellen, bei denen die Betroffenen ausführlich über ihr soziales und berufliches Umfeld, mögliche Stressfaktoren, psychiatrische (Vor-)Erkrankungen, die Einnahme von Arzneimitteln sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch befragt werden. Oft können unkontrollierbare Ängste oder Depressionen Juckreiz auslösen, aber auch übermäßiger Stress, Schizophrenie, Zwangsstörungen und insbesondere Dermatozoenwahn, die Wahnvorstellung, von Parasiten befallen zu sein. Betroffene sollten wenn möglich an einen Psychiater überwiesen werden. Ist dies nicht möglich, wie beispielsweise bei Patienten mit Dermatozoenwahn, bei dem die mangelnde Einsicht zum Krankheitsbild gehört, kann der behandelnde Hautarzt selbst ein Antipsychotikum verschreiben. Sinnvoller ist jedoch ein stationärer Aufenthalt in einer psychodermatologischen Klinik, in der Psychologen und Dermatologen sich gemeinsam um den Patienten kümmern.

Von außen ohne sichtbare Symptome und deshalb nur durch eine Biopsie diagnostizierbar ist die hyperreagible Kopfhaut, eine vom Nervensystem ausgehende (neurogene) Entzündung, bei der in der Kopfhaut große Mengen der Juckreiz auslösenden Verbindung Substanz P nachweisbar ist. Linderung können auch polidocanolhaltige Shampoos, sedierende Antihistaminika und trizyklische Antidepressiva bringen.

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Quellen und weiterführende Literatur

Tobias W. Fischer (2019). Pruritus capillitii: Wenn die Kopfhaut juckt. hautnah dermatologie 35, 26.

Letzte Aktualisierung: 3. Mai 2022
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