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WHO veröffentlicht erstmals Bericht zur Psoriasis

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Welt-Psoriasistag am 29. Oktober

Der Welt-Psoriasistag 2016 trägt das Motto „Verstehen – anerkennen – einbeziehen“. Es geht um das Abbauen stigmatisierender Vorurteile und eine bessere medizinische Versorgung für Betroffene. Bereits 2004 wurde der „Welt-Psoriasistag“ in die Liste der internationalen Gedenktage aufgenommen.

 

Psoriasis rückt in den Fokus der WHO

Nachdem die Psoriasis (Schuppenflechte) 2014 von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „besonders versorgungsrelevante nicht-ansteckenden Krankheit“ eingestuft worden ist, erschien in diesem Jahr erstmalig ein globaler WHO-Bericht zur Schuppenflechte. Weltweit leben über 125 Millionen Menschen mit der Krankheit. Allein in Deutschland leiden ca. 2 Millionen Menschen (2,5% der Gesamtbevölkerung) an einer Psoriasis – viele lebenslang.

Die genaue Ursache der chronischen Hautkrankheit konnten bisher noch nicht bestimmt werden, Mediziner gehen aber von einer erblich bedingten Veranlagung aus. Übergewicht und Tabakkonsum gelten neben Stress als Risikofaktoren.

 

WHO-Bericht unterstreicht: Psoriasis geht mit starker psychischer Belastung einher

Psoriasis hat einen sehr starken Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen, hervorgerufen durch soziale Stigmata und Exklusion aufgrund der als unästhetisch empfundenen Hautveränderungen. Der WHO-Bericht stellt Gesellschaftliche Aufklärung, eine frühe Diagnose sowie den Zugang zu einer adäquaten Behandlung als wichtigste Maßnahmen in den Fokus. „Nicht die Psoriasis führt zu Ausgrenzung, sondern in erster Linie die gesellschaftliche Reaktion darauf und das lässt sich ändern“, so ein Zitat aus dem WHO-Bericht.

Die schwere psychische Belastung von Psoriasis-Patienten aufgrund bestehender gesellschaftlicher Stigmata wird auch im weiteren Verlauf des WHO-Berichtes immer wieder unterstrichen. So heißt es beispielsweise: „In einer Studie mit 127 Psoriasis-Patienten äußerten 9,7% einen Todeswunsch und 5,5% berichteten zum Zeitpunkt der Studie aktive Selbstmordgedanken zu haben.“ In einer anderen Studie in den USA gaben 98% der Befragten an, dass die Krankheit sich auf ihr emotionales Wohlbefinden auswirke. Für 94% ist das Sozialleben von der Krankheit beeinträchtigt.

 

WHO-Bericht erwähnt deutsche Psoriasis-Netzwerke als vorbildliches Modell

Der WHO Bericht spricht von der „German experience“ und nennt Deutschland ein Vorbild für bessere Psoriasis-Behandlung auf nationaler Ebene. Um die Krankheit besser kontrollieren zu können, wurden 2005 eine Reihe von Maßnahmen gestartet. Neben klinischen Studien und Forschungsprojekten haben insbesondere die 28 regionalen Psoriasis-Netzwerke sowie die Implementierung einer neuen Behandlungsleitlinie dazu beigetragen, die Situation hierzulande zu verbessern.

 

Psoriasis verursacht erhebliche Kosten

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Krankheit beliefen sich laut einer Studie aus dem Jahr 2007 auf durchschnittlich 6.700€ pro Jahr und Patient. Inzwischen dürfte sich dieser Betrag noch einmal deutlich erhöht haben, da seit einigen Jahren vermehrt sehr teure Biologika bei der Psoriasis-Therapie zum Einsatz kommen, wenn andere Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden.

 

Patientenverbände und Dermatologen sehen die Versorgung von Psoriasis-Patienten weiterhin kritisch

Insgesamt stellt die obige Studie nicht nur hohe Kosten für die Krankheit fest, sondern bezeichnet die Versorgungssituation auch in Deutschland als unbefriedigend. Die gleiche Meinung wird auf der Internetseite weltpsoriasistag.de vertreten. Die Webseite ist eine Initiative des Deutschen Psoriasis Bund e.V., des Berufsverband der Deutschen Dermatologen, des bundesweiten PsoNet und der Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Ihr Vorwurf an die Gesundheitspolitik: „Die notwendige basistherapeutische Pflege der Haut wird von den maßgeblichen gesundheitspolitischen Instanzen des deutschen Gesundheitswesens als individuelle Körperpflege abgetan, damit die hierfür anfallenden Kosten nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen werden müssen – selbst dann nicht, wenn die Erkrankten hierfür dreistellige Summen monatlich aufbringen müssen.“

 

Letzte Aktualisierung am 14.05.2017