Tacrolimus - keine Therapiealternative bei kreisrundem Haarausfall | derma.plus

Tacrolimus – keine Therapiealternative bei kreisrundem Haarausfall

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Kreisrunder Haarausfall ist eine besonders belastende Form des Haarausfalls, die oft junge Menschen betrifft. Dabei schädigt eine fehlgeleitete Immunantwort die Haarwurzel, wodurch das Haarwachstum gelähmt wird. Die Therapie erfolgt deshalb mit Wirkstoffen, die das Immunsystem unterdrücken wie stark wirksame Glukokortikoide. Der Kortisonersatzstoff Tacrolimus zeigt dagegen bei kreisrundem Haarausfall keine ausreichende Wirkung wie verschiedene Studien gezeigt haben.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist eine Form des Haarausfalls, die im Unterschied zum hormonell bedingten, androgenetischen Haarausfall vor allem jüngere Menschen betrifft. Typischer­weise fallen die Haare in einem kreisrunden Areal aus, schwere Formen können jedoch auch den gesamten Körper betreffen. Der kreisrunde Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarwurzeln angreift und dadurch das Haarwachstum lähmt. Grundsätzlich ist dieser Prozess umkehrbar, so dass sich das Haarwachstum durch verschiedene äußerlich aufzu­tragende (topische) oder systemische, entzündungshemmende und immunsupprimierende Wirkstoffe wieder anregen lässt. Zur topischen Therapie werden vor allem stark wirksame Glukokortikoide der Klasse III-IV wie Mometasonfuroat, Betamethason und Clobetasol angewendet.

 

Calcineurinhemmer als Therapieoption?

Glukokortikoide haben bei langfristiger Anwendung eine hautausdünnende (atrophierende) Neben­wirkung. Als Therapiealternative werden deshalb oft Calcineurinhemmer wie Tacrolimus oder Pimecrolimus eingesetzt, die ebenfalls entzündungshemmend wirken, jedoch einen anderen Wirk­mechanismus aufweisen als Glukokortikoide. In zwei Tiermodellen für den kreisrunden Haarausfall wurde gezeigt, dass Tacrolimus (auch als FK506 bezeichnet) tatsächlich die Zahl der Entzündungszellen reduzieren und das Haar­wachstum stimulieren kann. Verschiedene klinische Studien, die aufbauend auf den Tierversuchen klären wollten, ob Tacrolimus im Vergleich zu Clobetasol eine Behandlungs­alternative für den kreisrunden Haarausfalls darstellt, zeigten jedoch enttäuschende Ergebnisse. Für die Studien waren Patienten ausgewählt worden, die schon sehr lange unter ihrer Krankheit gelitten hatten und zuvor erfolglos mit anderen topischen Immunsuppressiva behandelt worden waren. Deshalb erschien es möglich, dass das Versagen der Studien auf die Auswahl von Patienten mit einer therapieresistenten Krankheitsform zurückzuführen war und andere Patientengruppen durchaus von einer Behandlung mit Tacrolimus profitieren könnten.

 

Direkter Vergleich zwischen Clobetasol und Tacrolimus

In einer koreanischen Studie wurde deshalb eine weitere Studie mit zwölf Patienten durchgeführt, die unter einer milden Krankheitsform des kreisrunden Haarausfalls litten, erst seit weniger als sechs Monaten erkrankt waren und noch keine anderen Behandlungen erhalten hatten. Das besondere an dieser Studie war, dass jeder Patient gleichzeitig mit einer Tacrolimus-Salbe (0,1%) und einer Clobetasol­­propionat-Lotion (0,05%) behandelt wurde. Durch die Aufteilung des erkrankten Kopfhaut­areals in zwei Hälften, von denen jeweils eine mit einer der beiden Wirkstoffzubereitungen behandelt wurde, war ein direkter Wirksamkeitsvergleich möglich. Die Zubereitungen wurden zweimal täglich für 16 Wochen aufgetragen. Nach dem 16wöchigen Behandlungszeitraum wurde das besser wirksame Mittel für weitere acht Wochen auf dem gesamten erkrankten Hautareal anwendet.

 

Behandlung Haarausfall Tacrolimus kreisrunder Haarausfall

Wirksamkeit von Clobetasol und Tacrolimus. Zwölf Patienten mit einer milden Form des kreisrunden Haarausfalls behandelten das betroffene Hautareal jeweils zur Hälfte mit einem der beiden Wirkstoffe. Insgesamt profitierten neun von zwölf Patienten von der Behandlung mit Clobetasol und nur vier von der Behandlung mit Tacrolimus. Acht Patienten sahen mit Clobetasol eine stärkere Verbesserung des Haarwachstums als mit Tacrolimus. Exzellente und gute Ergebnisse wurden ausschließlich mit Clobetasol erzielt.

Tacrolimus zeigt keine ausreichende Wirksamkeit

Insgesamt profitierten neun von zwölf Patienten (75%) von einer Behandlung mit Clobetasol, aber nur vier von der Behandlung mit Tacrolimus (Abbildung). Die Verbesserung des Haarwachstums wurde in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt: keine (unter 20%), eine leichte (21-40%), mittelmäßige (41-60%), gute (61-80%) und exzellente (81-100%) Verbesserung. Topisches Clobetasol führte bei vier Patienten (33,5%) zu einer exzellenten, bei einem (8,2%) zu einer guten und bei zwei (16,7) zu einer mittelmäßigen Verbesserung des Haarwachstums. Dagegen zeigte Tacrolimus insgesamt nur bei zwei Patienten überhaupt einen mittelmäßigen Erfolg. Bei acht der zwölf Patienten war die Behandlung mit Clobetasol erfolgreicher als die mit Tacrolimus. Vier von diesen erlebten eine exzellente Verbesserung durch die Anwendung von Clobetasol. Diese Patienten verwendeten Clobetasol deshalb im Anschluss an die 16wöchigen Behandlung auch auf dem Hautareal, das zuvor mit Tacrolimus  weniger zufrieden­stellend behandelt worden war. Bei allen vier Patienten kam es durch diese Behandlung zu einer deutlichen Stimulation des Haarwachstums an Stellen, an denen Tacrolimus zuvor nur schwach gewirkt hatte. Tacrolimus war somit insgesamt deutlich weniger erfolgreich bei der Behandlung des kreisrunden Haarausfalls als Clobetasol und stellt keine Behandlungsalternative zu Clobetasol dar.

 

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Literatur

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Jung KE et al., Comparison of the topical FK506 and clobetasol propionate as first-line therapy in the treatment of early alopecia areata. Int J Dermatol 2017; 56:1457.

 

Letzte Aktualisierung am 09.04.2018