Haartransplantation | derma.plus

Zusammenfassung

Eine Haartransplantation eignet sich für Betroffenen mit irreversiblen Haarausfall, wie der androgenetischen oder einer vernarbenden Alopezie, besonders wenn medikamentöse Therapien mit Finasterid oder Minoxidil nicht ausreichend anschlagen oder der Haarausfall bereits zu weit fortgeschritten ist. Die beiden Hauptmethoden zur Haartransplantation, die FUT und die FUE, überzeugen mit einer bis zu 100-prozentigen Erfolgschance und geringen Nebenwirkungsrisiko.

Auf einen Blick:

+ Indikationen irreversibler Haarausfall, wie androgenetische und vernarbende Alopezien

+ Methoden Follicular-Unit-Transplantation oder Follicular-Unit-Exzision

+ Behandlungsdauer circa 3 bis 6 Stunden

+ Nebenwirkungen Schmerzen, Schwellungen, Krusten, seltener Infektionen und Haarfollikelzysten

+ Erfolgsaussichten sehr gut

Wie kommt es zu Haarausfall?

Den unerwünschten, über das normale Maß hinausgehenden Haarausfall bezeichnet man als Effluvium. Das Ergebnis des Haarausfalls, die Haarlosigkeit, bezeichnet man als Alopezie. Diese sichtbare Lichtung des Haarkleids kann alle normalerweise behaarten Körperstellen treffen. Es können sowohl die Kopfhaare als auch Bart, Augenbrauen, Brusthaare, etc. betroffen sein.

Die häufigste Variante des Haarausfalls (95% der Fälle) ist die sogenannte androgenetische Alopezie. Dieser erblich bedingte Haarausfall trifft Männer deutlicher häufiger und ausgeprägter auf als bei Frauen. Er wird durch ein Stoffwechselprodukt des Testosterons ausgelöst, durch das Dihydrotestosteron (DHT). Diese biologisch besonders aktive Form des Testosterons zirkuliert sowohl in der Blutbahn von Männer als auch von Frauen. Werden nun die Haarfollikel empfänglich für das zirkulierende DHT, so vermittelt dieses einen sofortigen Übertritt des Haarfollikels in seine letzte Lebensphase. Die Haare werden dünner und fallen schließlich aus. Die Haarwurzel selbst bildet sich zurück und verkümmert.

Wann, in welchem Ausmaß und in welchem Verteilungsmuster die Haarfollikel empfänglich für das DHT werden, ist erblich fixiert. So erklären sich die Unterschiede im Ausfallsmuster auch innerhalb einer Familie. Je nach erblicher Prägung kann dieser Prozess schon in der Pubertät beginnen. Meist vollzieht sich die Alopezie schubweise. Bei Männern reagieren meist die Haarfollikel in der Schläfenregion als erstes empfindlich auf das DHT („Geheimratsecken“), gefolgt von den Haarfollikeln im Tonsurbereich. Im Endstadium kann eine Vollglatze entstehen, bei der lediglich ein Haarkranz um den Kopf verbleibt. Interessanterweise sind die Haarfollikel im Bereich dieser Hinterkopfregion resistent gegen Dihydrotestosteron, sie fallen daher nicht aus. Bei Frauen folgt die androgenetische Alopezie einem anderen Muster. Meist bleibt der Haarsaum im vorderen Stirnbereich relativ stabil, die Haare im zentralen Kopfbereich dünnen aus. Eine Glatze bildet sich in der Regel nicht. Der Prozess beginnt bei Frauen meist mit den Wechseljahren und somit später als bei Männern.

Zahlreiche andere Erkrankungen können eine Haarlosigkeit auslösen. Hierzu zählen die vernarbenden Alopezien, ausgelöst durch mechanisch, physikalisch oder chemische Schädigung, wie nach Verletzung, Verätzung oder Verbrennungen. Auch Tumoren oder Infektionserkrankungen (z.B. Pilzerkrankungen, Syphilis), hormonelle Störungen (Schilddrüsenleiden) oder bestimmte entzündliche Hauterkrankungen (Knötchenflechte) können eine Alopezie auslösen. Schließlich ist der Haarverlust auch häufig Nebenwirkung einer medikamentösen Therapie.

Für wen ist eine Haartransplantation geeignet?

Eine Haartransplantation ist immer dann eine Therapiemöglichkeit, wenn der Haarausfall irreversibel ist, also an den betroffenen Stellen keine Haare mehr nachwachsen. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass noch genügend Dihydrotestosteron-resistente Haarfollikel vorhanden sind, also der Haarkranz ausreichend groß und dicht ist. Als Faustregel gilt, dass das Verhältnis von behaartem zu unbehaartem (behandlungswürdigem) Areal nicht größer als 1:5 sein darf.

Die Methode der Haartransplantation eignet sich nicht nur für Kopfhaar, man kann sie auch für Augenbrauen, Bart oder Brusthaar einsetzen.

Wann ist eine Haartransplantation sinnvoll?

Die androgenetische Alopezie wird zunächst medikamentös behandelt. Man nutzt hierzu beispielsweise Finasterid, eine Substanz, die die Bildung von DHT hemmt. Oder Minoxidil, eine Substanz die auf noch nicht gänzlich geklärte Weise das Haarwachstum fördert.

Eine Haartransplantation kann dann zum Einsatz kommen, wenn diese Therapie nicht ausreichend anschlägt oder der Haarausfall schon zu weit fortgeschritten ist. Ein weiterer Grund kann sein, dass viele Patienten eine einmalige Behandlung einer langfristigen Tabletteneinnahme vorziehen. Sehr häufig wird jedoch nach vollzogener Transplantation die Einnahme des Finasterid fortgesetzt, um die noch bestehenden, DHT sensiblen Haarfollikel, zu schützen und zu erhalten.

Der ideale Zeitpunkt für eine Haartransplantation hängt von den individuellen Vorstellungen und Wünschen des Betroffenen ab. Wird die Transplantation bereits in einer frühen Phase der androgenetischen Alopezie vollzogen, sollte zusätzlich das Medikament Finasterid eingenommen werden, um die noch bestehenden, DHT sensiblen Haarfollikel, zu schützen und zu erhalten. Zudem kann im Laufe der Jahre eine weitere Haartransplantation erforderlich sein. Wird die Haartransplantation durchgeführt, wenn die Glatzenbildung abgeschlossen ist, ist der Aufwand ungleich größer. Es können allerdings relativ sicher die Haare identifiziert werden, die nicht vom Haarausfall betroffen sind.

Welche Haartransplantationsmethoden gibt es?

Haartransplantation bedeutet, dass gesunde Haare an einer bestimmten Körperstelle entnommen und an kahlen Stellen der gleichen Person wieder eingesetzt werden. Es gibt hauptsächlich zwei Methoden zur Haartransplantation:

  • FUT = Follicular-Unit-Transplantation: Entnahme eines ganzen Hautsteifens mit seinen Haaren, welche dann zur Verpflanzung vereinzelt werden
  • FUE = Follicular-Unit-Exzision: Entnahme einzelner Haargruppen zur Verpflanzung

Bei beiden Methoden wird das Ausgangsmaterial aus Arealen mit gesundem Haarwuchs entnommen. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung, es ist keine Vollnarkose notwendig. Die Behandlung dauert je nach Ausmaß der Haarlosigkeit und der Anzahl der zu transplantierenden Haare etwa drei bis sechs Stunden.

Wie läuft eine Haartransplantation ab?

Bei der FUT wird ein quer verlaufender Streifen der Haut samt Haaren aus dem Hinterkopfbereich, dort wo der Haarkranz ist, entnommen. Hierzu werden an dieser Stelle die Haare zunächst abrasiert. Im Anschluss wird die Stelle mit einer Naht verschlossen, was hinterher kaum sichtbar ist, da die langen Haare anschließend darüber liegen. Diese Technik eignet sich somit für Personen, die später eine Langhaarfrisur tragen möchten. Der entnommene Streifen wird anschließend weiter zerkleinert, die einzelnen sog. Follicular Units werden voneinander getrennt. Als Follicular Unit bezeichnet man eine Gruppe Haarwurzeln, die eine anatomische Einheit bildet. So gehören etwa 5 Haarwurzeln zu einer Einheit, sie bilden quasi eine kleine Insel.

Bei der FUE-Technik werden im Gegensatz zur FUT direkt nur einzelne Follicular Units entnommen, nicht ein ganzer Hautstreifen. Hierzu muss der gesamte Haarkranz abrasiert werden, um die kleinen Haarinseln richtig erkennen zu können. Es sollten nicht mehr als 10 – 15 Follicular Units pro Quadratzentimeter entnommen werden. Sie werden in einer zufälligen Anordnung aus der Haut herausgestanzt. Vorteil dieser Methode ist es, dass keine Narbe entsteht, die multiplen kleinen Entnahmestellen sind nach kurzer Zeit nicht mehr sichtbar. Sie eignet sich am besten für Personen, die ohnehin eine Kurzhaarfrisur tragen möchten.

Die einzelnen Follicular Units können nun in die haarlosen Areale eingesetzt werden. Pro Sitzung können etwa 1000 bis 2000 Units transplantiert werden. Zum Einbringen werden mittels eines sehr kleinen Hohlbohrers oder eines Lasers kleinste Löcher in die Haut gebohrt. Alternativ können auch mit einem Skalpell kleinste Schlitze erzeugt werden. Für das kosmetische Ergebnis unerlässlich ist das schräge Einsetzen die Follicular Units, wobei die Wuchsrichtung in der Region unbedingt berücksichtigt werden muss. Wichtig ist zudem, die einzelnen Implantate nicht linear anzuordnen, sondern sie „chaotisch“ auf der kahlen Fläche zu verteilen, damit das Resultat später natürlich wirkt.

Welche Erfolgschance hat eine Haartransplantation?

Die Erfolgsaussichten hängen maßgeblich von der Größe des betroffenen Areals sowie der Vitalität der verbliebenen Haare und des Gesamtorganismus ab. Je mehr Haare transplantiert werden können und je dichter diese gesetzt werden, desto besser ist am Ende das Ergebnis. Bei sehr gravierendem Haarausfall können auch mehrere Sitzungen notwendig sein.

Normalerweise ist der Erfolg der Haartransplantation sehr hoch, bei ansonsten gesunden Patienten wachsen bis zu 100% der versetzten Haare an. Bei älteren Patienten, starken Rauchern und Diabetikern ist die Aussicht etwas geringer, da hier die Follikel teilweise absterben können, aber insgesamt immer noch gut.

Um das Anwachsen der Haare und die Nährstoffversorgung zu optimieren, wird sehr häufig eine lokale Injektionstherapie Therapie mittels PRP (Thrombozytenreiches Plasma; plättchenreiches Plasma) empfohlen.

Bedenken muss man jedoch, dass eine Haartransplantation keine Sofortmaßnahme ist. Durch die suboptimale Nährstoffversorgung fallen die versetzten Haare zunächst aus und es dauert bis zu drei Monate, ehe ein normales Haarwachstum einsetzt.

Welche Gefahren bestehen bei einer Haartransplantation?

Die Risiken der Haartransplantation steigen mit dem Ausmaß der transplantierten Units. Je größer das Therapieareal ist, desto größer auch die Verletzung des Gewebes. An den Entnahme- und Implantationsstellen bilden sich direkt nach dem Eingriff Rötungen und kleine Schwellungen. Diese können in den Gesichtsbereich absacken, sodass die Augen anschwellen. Kühlen kann hier Abhilfe schaffen. Häufig treten Krusten im OP Areal auf, die meist nach Tagen bis Wochen wieder verschwinden. Ein Wundinfekt ist eine gefürchtete Komplikation, da durch die auch in tiefere Hautschichten reichenden Defekte durch die Ex- und Implantation, Keime schnell tiefere Gewebeschichten erreichen können. Therapeutisch kommen dann systemisch verabreichte Antibiotika zum Einsatz.

Durch den Eingriff können für Tage bis Wochen nach der Behandlung Schmerzen im Bereich der Entnahmestelle auftreten.

Eine weitere Komplikation ist das Auftreten von Haarfollikelzysten zwei bis drei Monate nach der OP an den Implantationsstellen. Diese können von allein wieder verschwinden oder müssen vom Arzt entfernt werden.

Man sollte frühestens am dritten Tag nach dem Eingriff das erste Mal Haare waschen. Vorher besteht die Gefahr, dass es zu Nachblutungen oder zu einem Verrutschen und Ausreißen der Implantate kommt.

Zu einer großflächigen Narbenbildung sollte es bei sachgemäßer Durchführung und ordnungsgemäßer Schonung in den ersten Tagen nach der Behandlung nicht kommen.

Grundsätzlich sollte der Eingriff nur in spezialisierten Zentren vorgenommen werden. Vor Billiganbietern, die gerade auch im Ausland unkontrolliert diese Dienstleistung anbieten, sei explizit gewarnt.

Was kostet eine Haartransplanatation?

Die Kosten einer Haartransplantation sind stark von der Anzahl der transplantierten Units abhängig. Man rechnet etwa mit 5 – 8 Euro pro Unit, das heißt die meisten Haartransplantationen kosten zwischen 2.000 Euro und 9.000 Euro. Da der Eingriff meist eine rein ästhetische Zielsetzung verfolgt, werden die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen. Ausnahmen können bei der Behandlung von Narben nach schwerwiegenden Verletzungen oder anderen Traumata vorkommen, dies sollte man jedoch im Vorfeld abklären.

Literatur

 

Letzte Aktualisierung: 03.10.2019