Die richtige Hautpflege bei Säuglingen

Zusammenfassung

Ein Runder Tisch von europäischen Experten für die Kinderhaut hat kürzlich ihre erstmals 2009 zusammengestellten Empfehlungen für die Pflege der gesunden Säuglingshaut aktualisiert. Konsens ist nun, dass Säuglinge bedenkenlos gebadet werden können, sobald sich ihre Körpertemperatur stabilisiert hat. Dabei ist die Verwendung von geeigneten Badezusätzen möglich. Nach dem Baden empfiehlt sich das Eincremen mit wirkstofffreier Feuchtigkeitscreme, um die Hautbarriere zu stabilisieren und der Entstehung von Neurodermitis vorzubeugen.

Hautpflege beim Säugling: So machen Eltern alles richtig

Alle Eltern wollen es richtig machen: eine sanfte und effektive Reinigung der Haut ist die Grundlage der Säuglingspflege. Wird die Haut nicht optimal gepflegt, kann dies eine Störung der Hautbarriere verursachen. Dabei wird die obere Hautschicht (Epidermis) durchlässig, was dazu führt, dass einerseits Wasser nach außen verloren geht – die Haut wird trocken – und andererseits Stoffe aus der Umwelt in die Haut eindringen können. Eine gestörte Hautbarriere ist eine der Ursachen für die Entstehung der atopischen Dermatitis. Synonym wird die Erkrankung auch als atopisches Ekzem oder Neurodermitis bezeichnet. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich durch gute Hautpflege des Neugeborenen, vor allem durch regelmäßiges Eincremen mit Feuchtigkeitscreme, die Hautbarriere stabilisieren und in vielen Fällen ein Ausbruch der atopischen Dermatitis verhindern lässt.

Viele Eltern sind nach der Geburt verunsichert, wie sie die Haut ihres Neugeborenen pflegen sollen, zumal sie von verschiedensten Seiten Ratschläge erhalten. So galt bis vor einigen Jahren noch die Empfehlung, Säuglinge nur selten zu baden und auch auf Pflegeprodukte wie Feuchtigkeitscremes und Badezusätze weitgehend zu verzichten. Um mit dieser Unsicherheit aufzuräumen, traf sich bereits 2009 ein runder Tisch aus Experten für Kinderhaut und erstellte eine Liste von Empfehlungen für die Hautpflege von gesunden Neugeborenen und Säuglingen. Dabei ging es hauptsächlich um die Frage, ob Badezusätze für die Reifung der Haut schädlich sind oder ob sie bedenkenlos bei Säuglingen angewendet werden können. In diesem Jahr fand nun ein erneutes Treffen der Expertenrunde statt, um die 2009 erarbeiteten Richtlinien vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu ergänzen und auf die Frage der Hautpflege mit Feuchtigkeitscreme und Öl sowie die spezielle Pflege des Windelbereichs auszudehnen. Dabei sichteten die Experten vorab die wissenschaftliche Literatur und untersuchten, ob die Empfehlungen von 2009 durch Daten aus den veröffentlichten Studien gestützt werden. Die daraufhin verbesserten und aktualisierten Empfehlungen gelten für alle gesunden und reif geborenen Säuglinge.

Abb.: Direkt nach der Geburt sollten Neugeborenen nur abgetrocknet und die Käseschmiere in die Haut einmassiert werden. Das erste Bad folgt, wenn sich die Körpertemperatur stabilisiert hat. Anschließend können Neugeborene regelmäßig mit Badezusätzen oder mit Wasser alleine gebadet werden, wobei statt Seife die milderen Syndets mit leicht saurem pH-Wert zu bevorzugen sind. Der Windelbereich kann mit Wasser alleine oder mit Feuchttüchern gesäubert werden. Regelmäßiges Eincremen des ganzen Körpers mit Feuchtigkeitscreme stärkt die Hautbarriere. Die Verwendung von Ölen ist weniger gut untersucht und ist deshalb weniger zu empfehlen als die Verwendung von Creme. Auf Speiseöl sollte beim Eincremen verzichtet werden.

Vom ersten Bad zum regelmäßigen Badevergnügen

Die Expertenrunde modifizierte ihre Empfehlungen zur Reinigung des Säuglings direkt nach der Geburt. Die vom Fruchtwasser und dem Blut der Mutter feuchte Haut sollte in erster Linie zügig getrocknet werden, um einen Abfall der Körpertemperatur zu verhindern. Im Unterschied zu den Empfehlungen von 2009 sollte das Neugeborene deshalb nicht mehr mit Wasser abgewaschen, sondern nur mit einem trockenen Handtuch vorsichtig abgewischt werden. Lediglich starke Verunreinigungen sollten weiterhin mit Wasser entfernt werden. Gleichzeitig bleibt auf diese Weise die Käseschmiere (Vernix caseosa) erhalten, die das Ungeborene im Mutterleib vor einem Austrocknen durch das Fruchtwasser schützt, als Gleitmittel bei der Geburt wirkt, und der Haut auch nach der Geburt noch Feuchtigkeit spendet, ein Auskühlen des kleinen Körpers verhindert und einen antibakteriellen Schutz vermittelt. Bei der ersten Reinigung ist es deshalb sinnvoll, die Käseschmiere in die Haut des Neugeborenen einzumassieren. Um ein Auskühlen des Säuglings zu verhindern, sollte das erste Bad erst dann stattfinden, wenn sich die Körpertemperatur stabilisiert hat, sowie wenn die erste Stillmahlzeit und das erste Kennenlernen von Mutter und Kind beendet sind. Hebammen und Kinderkrankenschwestern sollten nach Möglichkeit Gummihandschuhe tragen, wenn sie das Kind zum ersten Mal baden, um sich selbst vor dem mütterlichen Blut und die Kinder vor einer mikrobiellen Infektion zu schützen.
Später kann das Neugeborene regelmäßig gebadet werden, auch wenn der Nabelschnurstumpf noch nicht abgefallen ist, da Studien keinen nachteiligen Effekt auf den Heilungsprozess des Nabels verzeichnen konnten. Insgesamt ist Baden in Hinblick auf die Barrierefunktion der Haut dem Waschen mit einem Waschlappen sogar vorzuziehen, und sollte wenn möglich mindestens zwei bis dreimal pro Woche stattfinden. Vor allem als Teil der Abendroutine kann ein fünf- bis zehnminütiges Bad das Schlafverhalten verbessern und einen positiven Einfluss auf die Eltern-Kind-Bindung ausüben. Für Erwachsene wurde gezeigt, dass ein abendliches Bad, wohl durch eine Modulation der Körpertemperatur, einschläfernd wirkt. Bei Säuglingen stimuliert ein Bad darüber hinaus das Tastempfinden. Deshalb sollte sich die Länge des Bades bei älteren Säuglingen an deren individueller Vorliebe orientieren.
Während im Krankenhaus Badeutensilien desinfiziert werden müssen, um die Übertragung von Krankenhauskeimen zu verhindern, reicht es zu Hause aus, das Bad und die Badespielsachen regelmäßig zu säubern. Die Wassertemperatur sollte die Körpertemperatur (37-37,5°C) widerspiegeln und die Lufttemperatur bei 21-24°C liegen, um eine Auskühlung des Säuglings zu verhindern. Dabei sollte das Wasser bis an die Hüften des Säuglings reichen, und der Körper regelmäßig mit Hilfe eines Waschlappens mit Wasser bedeckt werden. Bei Verwendung von Öl als Badezusatz verhindert eine Badematte das Ausrutschen in der Wanne. Nach dem Baden sollte das Neugeborene sofort mit einem Handtuch bedeckt werden, um ein Auskühlen zu verhindern. Im Unterschied zu früher empfehlen die Experten heute, die Säuglinge auf jeden Fall mit einer Feuchtigkeitscreme einzucremen, um einem Austrocknen der Haut vorzubeugen. Im Windelbereich kann vorbeugend Heilsalbe verwendet werden. Bei pathologischen Hautveränderungen wie einer Windeldermatitis oder chronisch trockenen Hautstellen sollten die Säuglinge immer einem Arzt vorgestellt werden.

Wasser, Seife oder Syndets?

Waschaktive Substanzen (Tenside oder Detergenzien) in Badezusätzen, helfen Schweiß, Talg und Schmutz von der Haut zu entfernen. Allerdings können sie gleichzeitig die Hautbarriere schädigen und zu Hauttrockenheit, Ausschlag und Juckreiz führen. Wichtig ist hier eine Unterscheidung zwischen Seife und synthetischen Detergenzien (Syndets). Auf Seife basierende Reinigungsmittel entziehen der Haut feuchtigkeitsspendende Faktoren und Lipide, zu denen neben Fetten, Ölen und Wachsen auch Phospholipide, die Hauptbestandteile der Zellmembranen, gehören. Darüber hinaus sind Seifen mit einem pH-Wert von etwa 10 basisch, was sich ungünstig auf den pH-Wert der Haut auswirkt. Dieser liegt im leicht sauren Bereich (durchschnittlich pH 5,5), wodurch krankmachende Mikroorganismen im Wachstum gehemmt und nützliche wie die Milchsäurebakterien gefördert werden. Gleichzeitig ist das saure Milieu wichtig für die Aktivität von Enzymen, die am Aufbau und der Regeneration der Hautbarriere beteiligt sind, weshalb man auch von einem Säureschutzmantel der Haut spricht. Syndets sind oft milder als Seife und vor allem leicht sauer wie die Haut auch, wodurch sie deren Säureschutzmantel stabilisieren. Allerdings können auch Syndets das aggressive Tensid Natriumlaurylsulfat (SLS) enthalten, das man bei Reinigungsprodukten für Säuglinge vermeiden sollte. Flüssige Reinigungsmittel versorgen die Haut besser mit feuchtigkeitsspendenden Substanzen als feste Waschstücke, weshalb sie bei Säuglingen zu bevorzugen sind. Ihre Anwendung beeinflusst die normale Reifung der Hautbarriere nicht, und kann uneingeschränkt empfohlen werden. Allerdings sollten ausschließlich Reinigungsprodukte zum Einsatz kommen, deren Inhaltsstoffe bekannt und für die Anwendung bei Säuglingen zugelassen sind. Ein Muss sind diese Produkte allerdings nicht. Auch mit Wasser alleine lässt sich die Haut des Säuglings in den allermeisten Fällen sauber halten.

Die Pflege der Haut im Windelbereich

Fast jeder Säugling entwickelt zu irgendeinem Zeitpunkt eine Windeldermatitis. Das abgeschlossene, feuchte Milieu unter der Windel begünstigt das Wachstum von Bakterien, der basische Urin beeinträchtigt den Säureschutz der Haut und aktiviert Enzyme aus dem Stuhl wie Lipasen und Proteasen, die die Haut angreifen. Aus diesem Grund sollte die Windel möglichst oft gewechselt und die Haut darunter trocken und sauber gehalten werden. Für die Reinigung gibt es verschiedene, gleichwertige Methoden: die Reinigung mit Wasser mit Hilfe von Wattepads oder Waschlappen oder die Reinigung mit geeigneten Feuchttüchern. Letztere wirken meist auf Ölbasis und können ohne Bedenken von der Geburt an bei jedem Windelwechsel verwendet werden. Dabei sollten sie einen pH-Puffer zur Aufrechterhaltung des Säureschutzmantels der Haut enthalten (beispielsweise einen Citratpuffer aus Citronensäure und Natriumcitrat) und weitgehend auf Reizstoffe wie Alkohol, Duftstoffe, ätherische Öle, Seife und aggressive Tenside wie Natriumlaurylsulfat verzichten. Konservierungsmittel sind in Feuchttüchern dagegen notwendig, um das Wachstum von Bakterien zu vermeiden. Vorsichtig ist bei Methylisothiazolinon geboten, da bereits Fälle von Kontaktdermatitis als Reaktion auf dieses Konservierungsmittel bekannt sind. Nach der Reinigung sollte die Haut im Windelbereich an der Luft trocknen oder vorsichtig mit einem Tuch trockengetupft werden.

Eincremen stärkt die Hautbarriere

Das regelmäßige Eincremen von Säuglingen ab dem Zeitpunkt der Geburt kann nachweislich die Hautbarriere stärken und einem Ausbruch der atopischen Dermatitis vorbeugen. Deshalb gilt heute die Empfehlung, auch gesunde Neugeborene mindestens zweimal wöchentlich am ganzen Körper mit einer wirkstofffreien Feuchtigkeitscreme einzucremen. Dabei sollte nur eine dünne Schicht aufgetragen werden, damit die Haut weiterhin atmen kann und das Kind nicht unter der Cremeschicht schwitzt. Besondere Sorgfalt sollte auf die Hautfalten am Hals, den Achseln und den Beinen verwandt werden sowie auf die Haut um den Mund herum, die sogenannte periorale Region, die durch die Speichelbildung vor allem während des Zahnens stark beansprucht wird. Die Formulierung der Creme sollte darüber hinaus der Jahreszeit angepasst werden, mit einem höheren Wasseranteil im Sommer. Auch hier sollte man konsequent auf das hautbarriereschädigende Natriumlaurylsulfat verzichten. Liegt eine Neugeborenenakne (Acne neonatorum) vor, empfiehlt es sich, in den betroffenen Bereichen auf Pflegeprodukte zu verzichten, da diese die Poren verstopfen und die Akne verstärken können.
Statt Feuchtigkeitscreme werden vor allem bei der Babymassage oft Öle als Feuchtigkeitsspender eingesetzt. Allerdings gibt es bislang keine Studien, die die Auswirkung von Ölen bei direkter Anwendung oder als Zusatz im Badewasser auf die Haut von Säuglingen untersuchen. Aus diesem Grund sprechen die Experten nur eine schwache Empfehlung aus, Öl als Badezusatz oder als Ersatz für eine Feuchtigkeitscreme zu verwenden, auch wenn bislang keine nachteiligen Effekte bekannt sind. Es sollten nur Öle mit pharmazeutischer Reinheit aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke verwendet werden. Speiseöle wie Oliven- oder Rapsöl sind dagegen ungeeignet, da deren Zusammensetzung variiert und die Öle mit der Zeit durch oxidative Prozesse verändert werden. Im Falle einer Verwendung von Öl sollte nur eine dünne Schicht aufgetragen und unbedingt verhindert werden, dass Säuglinge Bestandteile des Öls einatmen oder verschlucken.

Zusammenfassung: Pflege der Säuglingshaut

Die neuen Richtlinien zur Pflege der gesunden Säuglingshaut zeigen, dass diese vom richtigen Einsatz von Reinigungs- und Pflegeprodukten durchaus profitieren kann. Allerdings bleibt es dabei, dass eine Reinigung mit Wasser alleine bei Säuglingen in der Regel ausreicht. Neu ist die Empfehlung, Neugeborene konsequent mit wirkstofffreier Feuchtigkeitscreme einzucremen, um die Hautbarriere zu stabilisieren. Alle vorgestellten Empfehlungen beziehen sich auf die Pflege der Haut von gesunden und reif geborenen Säuglingen. Frühgeborene Säuglinge und solche, die bereits pathologische Hautveränderungen wie ein Atopisches Ekzem aufweisen, können im Detail andere Bedürfnisse an die Hautpflege aufweisen, was am besten mit einem Hautarzt, der Erfahrung mit Kinderhaut hat, besprochen wird.

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Letzte Aktualisierung: 21.02.2017