Zusammenfassung

Die Windeldermatitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter. Dabei entzündet sich die Haut durch die Reibung der Windel und das Einwirken von aggressiven Bestandteilen aus Stuhl und Urin. Begünstigt durch das feucht-warme Klima unter der Windel können sich zusätzlich Hautpilze ansiedeln. Frühe Stadien heilen bei häufigem Windelwechsel und geeigneter Pflege in der Regel von alleine ab. Vor allem Pilzinfektionen sollten allerdings medikamentös behandelt werden.

Auf einen Blick:

+ Auftreten bei allen Säuglingen und Kleinkindern im Windelalter, vor allem zwischen dem 9.-12. Lebensmonat, aber auch bei älteren Windel tragenden Menschen möglich

+ Symptome rote, entzündete und geschwollene Haut an den Kontaktstellen zur Windel, Knötchenbildung und in schweren Fällen nässende Eiterbläschen und Geschwüre (Ulzera) möglich, starker Juckreiz bis hin zu Schmerzen

+ Einflussfaktoren feucht-warmes Klima unter der Windel, aggressiver Stuhl durch Zahnen, Infektionen und Ernährungsumstellung, Sekundärinfektionen mit Pilzen oder Bakterien

+ Ansteckungsgefahr keine

Einführung

Die Windeldermatitis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter und betrifft rund ein Drittel aller Säuglinge mindestens einmal im Verlauf der Windelzeit. Am häufigsten tritt sie zwischen dem 9. und dem 12. Lebensmonat auf, begünstigt durch eine Ernährungsumstellung wie das Abstillen oder die Umstellung auf feste Nahrung (Beikost). Es handelt sich in der Regel um ein irritatives Kontaktekzem, das durch ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren zustande kommt. Reibung der Windel an der feuchten Haut (Irritation) und der Kontakt zu Urin und Stuhl schädigt die Hautbarriere und löst Entzündungsprozesse aus. Milde Verläufe heilen bei konsequenter Hautpflege meist von selbst ab, doch in etwa 6% aller Fälle kommt es zu schweren Verlaufsformen, die häufig mit Infektionen durch Pilze (dann spricht man vom Windelsoor) oder sehr viel seltener durch Bakterien einhergehen. In diesen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung mit entzündungshemmenden Wirkstoffen sowie je nach Infektionserreger mit Anti­­mykotika (Antipilzmittel) und/oder Antibiotika angezeigt. Durch die zunehmende Verwen­dung von Windeln mit supersaugfähigen Einlagen sind die Fälle von Windeldermatitis bei Säuglingen in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Gleichzeitig tragen aber heute zunehmend auch ältere Menschen aufgrund von Inkontinenz oder Demenzerkrankungen Windeln und können deshalb auch an einer Windeldermatitis erkranken.

Ursachen und Auslöser

Übersicht der Faktoren, die die Windeldermatitis beeinflussen

Eine Windeldermatitis entsteht durch verschiedene, miteinander wechselwirkende Faktoren (s. Graphik).

Auf der einen Seite erzeugt der Luftabschluss ein feucht-warmes Klima, das die Hornschicht der Haut aufquellen lässt. Dadurch wird diese empfindlicher gegenüber Reibung durch die Windel. Hierdurch und durch die Wirkung verschiedener Enzyme aus dem Urin und dem Stuhl wird die Hautbarriere geschädigt. So wandeln Ureasen aus dem Urin, Harnstoff in Ammoniak um, der die Haut reizt und gleichzeitig den pH-Wert erhöht. Diese Alkalisierung beeinträchtigt die Aktivität von antimikrobiellen Peptiden, die von Hautzellen gebildet werden, und begünstigt so das Wachstum vom Mikroorganismen wie dem Hefepilz Candida albicans und dem Bakterium Staphylococcus aureus. Beide Organismen, die nicht zur normalen Hautflora gehören, können sich auf der entzündeten Haut massenhaft vermehren und zudem durch die angegriffene Hautbarriere leichter in tiefere Hautschichten eindringen. Gleichzeitig verstärkt die Alkalisierung die Aktivität von Verdauungsenzymen aus dem Stuhl, vor allem von fettabbauenden Lipasen und proteinabbauenden Proteasen, die ebenfalls die Haut angreifen.

Begünstigt werden diese Prozesse durch zu seltenes Wechseln der Windeln und somit eine zu lange Verweildauer von Ausscheidungsprodukten auf der Haut, einen aggressiven Stuhl während des Zahnens oder aufgrund einer Ernährungsumstellung sowie durch häufigen Stuhlgang oder Durchfall als Folge einer Infektion. Seltener kann eine Windeldermatitis auf eine Unverträglichkeit gegen Inhaltsstoffe der verwendeten Windeln oder Pflegeprodukte zurückgeführt werden. So reagieren manche Kinder empfindlich auf das Konservierungsmittel Methylisothiazolinon in Feuchttüchern oder auf die elastischen Komponenten der Windel an Hüft- und Beinabschluss. Durch die Kombination von Wärme und Feuchtigkeit können außerdem stark juckende Miliaria (Hitzepickel) auftreten, die bei starkem Schwitzen durch einen Verschluss der Ausführgänge der Schweißdrüsen entstehen. Daneben gibt es Ausschläge im Windelbereich, die nicht durch die Windel selbst ausgelöst werden. Dazu gehören verschiedene Dermatosen, die zwar nicht auf den Windelbereich beschränkt sind, sich aber bei Säuglingen häufig zuerst dort manifestieren. Auch einige Infektions- und Stoffwechselkrankheiten zeigen Symptome im Windelbereich und müssen von einer Windeldermatitis abgegrenzt werden.

Symptome und Krankheitsverlauf

Als eine Frühform der Windeldermatitis lässt sich die Intertrigo (umgangssprachlich Hautwolf) einstufen, ein Wundsein durch Reibung von sich berührenden Hautflächen, das durch das Aufquellen (Mazeration) der Haut begünstigt wird. Als Folge zeigen sich ineinanderfließende (konfluierende), gerötete und leicht geschwollene Hautbereiche. In der Regel sind dabei nur die in direktem Kontakt zur Windel stehenden und bei Bewegung mechanischer Belastung ausgesetzten Bereiche betroffen, während die Hautfalten ausgespart bleiben. Im weiteren Verlauf bilden sich oft rötliche Papeln, knötchenartige Verdickungen, deren Ausbreitung auf eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans hindeuten kann. Bei schweren Verlaufsformen kommen Geschwüre (Ulzera) hinzu, tiefgehende Substanzdefekte der Haut, die wie ausgestanzt wirken. Man spricht hier auch von einer Jacquet-Dermatitis. Bei diesem Krankheitsbild leiden die Kinder unter einem ausgeprägten Juckreiz, der vor allem beim Auftreten von ulzerösen Veränderungen in starke Schmerzen übergehen kann. Spätestens wenn sich nässende Eiterbläschen (Pusteln) bilden, sollte ein betroffenes Kind dem Arzt vorgestellt werden!

Diagnose und Differentialdiagnose

Viele Dermatosen manifestieren sich bei Säuglingen und Kleinkindern erstmals in der Windelregion und können deshalb mit einer Windeldermatitis verwechselt werden. Dabei reicht das Spektrum von entzündlichen Hauterkrankungen wie der Schuppenflechte (Psoriasis), über Autoimmunerkrankungen bis hin zu Infektionskrankheiten und Stoffwechselerkrankungen, die Hautausschläge im Windelbereich verursachen.

Die Diagnose der Windeldermatitis erfolgt nach einer ausführlichen Patientenbefragung (Anamnese) anhand der genauen Erscheinungsform und Lokalisation der Hautveränderungen. Bestehen Probleme in der klinischen Einschätzung hinsichtlich des Vorliegens einer Infektion mit Pilzen oder Bakterien können entsprechende mikrobiologische Untersuchungen durch den behandelnden Arzt indiziert sein.

Zur Abgrenzung der möglichen Differentialdiagnosen sollte der gesamte Körper untersucht und auch die Familienanamnese mit einbezogen werden. Bei unklaren Hautveränderungen und dem Verdacht auf Autoimmunerkrankungen oder die seltene Langerhans-Zell-Histiozytose kann die histologische Untersuchung einer Hautbiopsie notwendig sein. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über einen möglichen Zinkmangel, der ebenfalls Ausschläge verursachen kann.

 

Entzündliche Dermatosen

Hierzu zählen vor allem die Schuppenflechte, das seborrhoische Säuglingsekzem und das atopische Ekzem (s. Tabelle). Seltener ist im frühen Kindesalter das allergische Kontaktekzem.

Tabelle: Differentialdiagnosen der Windeldermatitis und Abgrenzungsmöglichkeiten

atopisches Ekzemin der Regel ist beim atopischen Ekzem der Windelbereich ausgespart; ein Befall der Windelregion findet sich manchmal bei älteren (> 1 Jahr) Kindern, die eine eher trockene Haut aufweisen. Die unscharf begrenzten schuppenden Rötungen jucken und werden aufgekratzt.
seborrhoisches Ekzemfast immer finden sich auch Hautveränderungen am Kopf- und im Gesicht; Juckreiz fehlt in der Regel; feuchte Schuppung, die sich auf allen Herde gleichmäßig zeigt; Zeitpunkt des Auftretens ist häufig innerhalb der ersten drei Lebensmonate (v.a. 4.-6. Lebenswoche)
Psoriasisim Säuglingsalter beginnt die Schuppenflechte gerne im Windelbereich und den Hautfalten wie den Achseln in Form flächiger Rötungen, die sehr scharf zur unbefallenen Haut abgegrenzt sind

Allergische Reaktionen auf Bestandteile der Windel oder von Pflegeprodukten wie Feuchttüchern sind bei Säuglingen selten. Sie können jedoch grundsätzlich gegen Konservierungsmittel, Duftstoffe und Inhaltsstoffe von Windeln wie Gummi, Kleber und Farbstoffe entstehen. Hautrötungen zeigen sich dann begrenzt an den Kontaktstellen, beispielsweise an den Windelbündchen am Bauch und an den Oberschenkeln.

Durch eine komplexe Interaktion von entzündlichen Reaktionen, dem Aufquellen der Haut durch die abschließenden und feuchten Bedingungen unter der Windel, Sekundärinfektionen mit Candida albicans und dem Einsatz von Kortikosteroid-haltigen Präparaten kann das sogenannte Granuloma gluteale infantum entstehen, das mit der Bildung rotbrauner, runder oder ovaler Knoten einhergeht. Nach Absetzen der Kortikosteroide heilt diese Hautentzündung jedoch in der Regel schnell ab.

 

Infektionskrankheiten

Die Impetigo contagiosa (Borkenflechte) ist eine hochansteckende, oberflächige Infektionskrankheit der Haut, die vorwiegend im Kindesalter auftritt. Häufig beginnt sie im Bereich des Nabels und bildet vor allem in den Hautfalten nässende Pusteln und Blasen (Bullae), die aufplatzen und eine goldgelbe Eiterkruste bilden. Die kleinblasige Form, Impetigo vulgaris (Grindflechte), wird durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A wie Streptococcus pyogenes ausgelöst. Erreger der großblasigen Form (Impetigo bullosa) ist dagegen Staphylococcus aureus. Vor allem im Neugeborenenalter drohen schwerwiegende Komplikationen durch eine systemische Ausbreitung der Bakterien wie eine Blutvergiftung oder Knochenmarks- und Gelenkentzündungen. Streptokokken können auch die Perianale Streptokokkendermatitis hervorrufen, bei der sich Hautrötungen mit kleinen Pusteln und Krusten rund um den After zeigen. Bei älteren Säuglingen und Kleinkindern ist diese Infektionskrankheit recht häufig.

Neben dem Hefepilz Candida albicans können auch andere Pilze Hautinfektionen im Windelbereich verursachen. Zu diesen als Dermatophyten bezeichneten Erregern gehören u. a. Epidermophyton floccosum und Trichophyton rubrum. Ein weiterer Erreger ist der Hefepilz Malassezia, der bekannt dafür ist, entzündliche Hauterkrankungen wie die Seborrhoische und die Atopische Dermatitis sowie die Schuppenflechte zu verschlimmern. Das Erythrasma ist dagegen eine sogenannte Pseudomykose, d. h. sie wird von dem Bakterium Corynebacterium minutissimum ausgelöst, ähnelt aber in ihrem Erscheinungsbild einer Pilzerkrankung. Dermatophyteninfektionen erfolgen bei Säuglingen meist durch Ansteckung bei Familienmitgliedern, bei denen eine Pilzerkrankung der Hornhaut, Nägel oder Haare (Tinea) vorliegt. Auch ältere Patienten, die auf eine Windel angewiesen sind, leiden häufig unter einer Dermatophytheninfektion. Meist infizieren sie sich dabei an bestehenden Infektionsherden an der Fußsohle (Tinea pedis, oft ausgelöst durch Trichophyton rubrum und T. interdigitale) und übertragen die Erreger mit den Händen auf den Windelbereich. Dort finden die Pilze im abgeschlossenen feucht-warmen Klima optimale Wachstumsbedingungen. Typisch sind gerötete Knötchen mit einer randbetonten Schuppung, die oft stark jucken.

Verschiedene Viruserkrankungen zeigen ebenfalls Symptome im Windelbereich. Dazu zählen Herpes-simplex-Infektionen, bei der sich genabelte Bläschen und ausgestanzte Erosionen auf gerötetem Grund zeigen und die oft von allgemeinen Krankheitssymptomen wie Fieber, Schmerzen und vergrößerten Lymphknoten begleitet werden. Typisch für Herpes-simplex-Infektionen ist außerdem das asymmetrische Auftreten, bei dem in der Regel nur eine Körperhälfte betroffen ist. Ebenfalls in der Windelregion zeigen können sich durch die Humanen Papillomaviren HPV6 und HPV11 ausgelöste Feigwarzen (Condylomata acuminata) und durch das Molluscipoxvirus ausgelöste Dellwarzen (Mollusca contagiosa) sowie Ausschläge, die auf die durch Coxsackie-Viren ausgelöste Hand-Mund-Fuß-Krankheit zurückzuführen sind.

 

Autoimmunerkrankungen

Der Lichen sclerosus ist eine entzündliche Hauterkrankung, die sich vor allem im Kleinkind- und Vorschulalter manifestiert, und die wohl als Autoimmunerkrankung einzuordnen ist, da Antikörper gegen körpereigene Proteine nachzuweisen sind. Im Frühstadium äußert er sich in geschwollenen und geröteten Hautveränderungen, die den Symptomen einer Windeldermatitis ähneln. Später kommen porzellanartige weißliche Plaques hinzu, die eine Abgrenzung zur Windeldermatitis ermöglichen. Der Lichen sclerosus juckt sehr stark und verursacht oft Schmerzen beim Wasserlassen und der Darmentleerung. Das Bullöse Pemphigoid, bei dem sich juckende und brennende Knötchen und später Blasen im Windelbereich bilden, ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung. Diese Krankheit ist im Kindesalter jedoch sehr selten und zeigt sich auch an den Extremitäten und im Gesicht, so dass sie leicht von der Windeldermatitis abgegrenzt werden kann.

 

Stoffwechselerkrankungen

Ähnliche Symptome wie die Schuppenflechte zeigt ein Zinkmangel, der entweder angeboren oder erworben sein kann. Bei dem Heriditären (erblichen) Zinkmangelsyndrom (Acrodermatitis enteropathica) kann aufgrund eines fehlerhaften Zinktransporters im Darm Zink aus der Nahrung nur schlecht aufgenommen werden. Der Zinkmangel manifestiert sich typischerweise nach dem Abstillen. Auch ehemalige Frühgeborene zeigen aufgrund eines erhöhten Nährstoffbedarfs oft Symptome eines Zinkmangels. Neben verschiedenen anderen Symptomen gehören dazu oft Hautveränderungen mit der Ausbildung von Pusteln und Krusten im Windelbereich. Bei Verdacht auf eine Acrodermatitis enteropathica sollte gleichzeitig auch eine Cystische Fibrose ausgeschlossen werden.

 

Andere Krankheiten

Das Kawasaki-Syndrom ist eine fieberhafte Erkrankung des Säuglings- und Kleinkindalters, die zu lebensgefährlichen Komplikationen führen kann. Möglicherweise wird sie durch ein Toxin des Hefepilzes Candida albicans ausgelöst. Das Syndrom geht mit einem charakteristischen Ausschlag einher, der sich oft in der Windelregion zeigt.

Bei der Langerhans-Zell-Histiozytose handelt es sich um eine sehr seltene Krankheit unbekannter Ursache, bei der es zu Gewebeneubildung ausgehend von den Langerhans-Zellen der Haut kommt. Charakteristisch für diese Krankheit, die typischerweise im ersten Lebensjahr auftritt, ist das schubweise Auftreten von gelbbraunen, leicht schuppenden Knötchen. Daneben sind verschiedene Organsysteme betroffen, wodurch die Krankheit oft tödlich verläuft.

Therapie und Behandlung

In der Regel ist eine medikamentöse Therapie der Windeldermatitis nicht nötig. Stattdessen sollten verschiedene allgemeine Maßnahmen ergriffen werden, die ein Abheilen des Ausschlags begünstigen (Lesen Sie hierfür auch unseren Beitrag: „Die richtige Hautpflege bei Säuglingen„). Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können äußerlich anzuwendende (topische) entzündungshemmende Glukokortikoide, Antimykotika und antimikrobiell wirksame Substanzen eingesetzt werden.

 

Allgemeine Maßnahmen

Um den Windelbereich möglichst trocken zu halten, sollte ein häufiger Windelwechsel von tagsüber etwa alle zwei Stunden und mindestens einmal auch nachts durchgeführt werden. Wenn möglich sollte die Windel zwischendurch ganz entfernt werden, um Luft an die Haut zu lassen. Generell empfiehlt sich die Verwendung von Einmalwindeln mit supersaugfähigen Einlagen. Die Reinigung des Windelbereichs sollte auf die Entfernung von Stuhlresten beschränkt werden, da die Verwendung von Pflegeprodukten die Haut wiederum reizen kann. Anstelle von Wasser empfiehlt sich die Verwendung von Ölen oder eines milden, synthetischen Flüssigreinigungsmittels (Syndets), mit denen sich die Stuhlreste sanft und ohne zu Rubbeln lösen lassen. Sollen Lebensmittelöle verwendet werden, so kann dies mit Sonnenblumen- oder Mandelöl geschehen, während Olivenöl die Haut austrocknet und deshalb zur Hautpflege nicht geeignet ist. Nach der Reinigung muss die Haut, insbesondere auch in den Hautfalten, vorsichtig trocken getupft werden. Bei der Verwendung von Feuchttüchern sollte darauf geachtet werden, dass diese keine Duftstoffe oder andere reizende Zusätze wie Alkohol oder Farbstoffe enthalten.

Wundschutzprodukte helfen, die geschädigte Hautbarriere wiederaufzubauen. Entsprechende Cremes und Salben haben durch ihren hohen Fettgehalt abdeckende Funktion und enthalten günstigerweise pflegende Bestandteile wie das entzündungshemmende und juckreizlindernde Dexpanthenol sowie Zinkoxid, das antiseptisch wirkt und nässende Wunden austrocknet. Manche Heilsalben enthalten neben Zinkoxid das wundheilungsfördernde Fischöl Lebertran (Mirfulan®, Bübchen Spezial Wundschutz). Eine austrocknende Wirkung haben auch Gerbstoffe, die in Lotionen, Salben oder Sitzbädern zum Einsatz kommen. Ein synthetisch hergestellter Gerbstoff mit entzündungshemmender, juckreizstillender und austrocknender Wirkung ist das Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat (z. B. Tannolact®). Sucralfat ist ein Aluminiumsalz von Saccharosesulfat und kann in einer wässrigen Creme eine Schutzschicht auf der betroffenen Haut bilden. Um den pH-Wert des Urins zu senken, kann man Säuglingen außerdem eine kleine Menge Preiselbeersaft (120-160 ml) zu trinken geben.

 

Medikamentöse Behandlung

Sofern die Diagnose gesichert ist, können therapeutisch hartnäckige Fälle von Windeldermatitis kurzfristig mit topischen entzündungs­hemmenden Kortikosteroiden behandelt werden. Dabei kommen hauptsächlich Wirkstoffe der Klasse I und II (z. B. Hydrokortisonbuteprat und Hydrokortisonbutyrat) zum Einsatz. Die Präparate sollten nicht länger als eine Woche einmal am Tag und nur in geringen Mengen aufgetragen werden, da der Wirkstoff durch die geschädigte Haut verstärkt aufgenommen wird. Alternativ und über längere Zeit kann der topische Calcineurininhibitor Pimecrolimus verwendet werden.

Der Farbstoff Methylrosaliniumchlorid besitzt eine hautberuhigende und antimikrobielle Wirkung sowohl gegen Pilze wie Candida albicans als auch gegen das Bakterium Staphylococcus aureus. Es kann in einer wässrigen 0,5%igen Lösung einmal täglich angewendet werden. Meist erfolgt dies in Kombination mit topischen Antimykotika.

Sind Pilze in den betroffenen Hautbereichen nachgewiesen, können verschiedene topische Antimykotika zur Behandlung eingesetzt werden. Hierzu gehören nystatin- und azolhaltige Präparate sowie das Breitspektrum-Antimykotikum Ciclopirox. Generell haben die azolhaltigen Wirkstoffe wie Clotrimazol, Miconazol, Ketoconazol und Bifonazol ein breiteres antimikro­bielles Wirkungsspektrum als Nystatin und verfügen zusätzlich über entzündungshemmende Eigenschaften. Die Antimykotika-haltigen Produkte werden mehrmals täglich aufgetragen. Die das Erythrasma verursachenden Corynebakterien können mit dem Antibiotikum Fusidinsäure ausgeschaltet werden. Aber auch einige Antimykotika wie Bifonazol und Ciclopirox zeigen eine Wirkung gegen dieses Bakterium.

Eine systemische Gabe von Antimykotika oder Antibiotika ist für die Therapie einer Windeldermatitis in der Regel nicht nötig. Liegt eine zusätzliche Pilzinfektion des Mundraums oder des Verdauungstrakts durch Candida-Hefepilze vor (Soor), empfiehlt sich die orale Gabe von Amphotericin oder Nystatin in Form einer Suspension. Infektionen mit Staphylococcus aureus beispielsweise im Rahmen einer Impetigo bullosus können mit Cephalosporinen wie Cefaclor und Cephalexin oder mit penizillinasefesten Penizillinen behandelt werden. Bei einer Penizillinallergie ist der Einsatz von Clindamycin möglich.

Tabelle: Übersicht über die Therapie der Windeldermatitis

Allgemeine Maßnahmen
• Häufiger Windelwechsel
• Verwendung supersaugfähiger Windeln
• Verwendung von Ölen oder Syndets zur Hautreinigung
• Verwendung von Wundschutzprodukten und Heilsalben mit Dexpanthenol (Bepanthen®), Zinkoxid und Lebertran (Mirfulan®, Bübchen Spezial Wundschutz) oder Gerbstoffen (z. B. Tannolact®)
Medikamentöse Behandlung
Topisch antimykotischClotrimazol (Imazol® Paste), Miconazol (z. B. Infecto®Soor Paste) oder Nystatin (z. B. Candio-Hermal® Softpaste)
mehrmals täglich auftragen
Topisch antimikrobiell0,5%ige Methylrosaliniumchlorid-Lösung
1x täglich für 5-7 Tage
Topisch entzündungshemmendHydrokortison¬buteprat (Neuroderm® Akut Creme), Hydrokortisonbutyrat (Alfason® Creme) (1x täglich für 3-7 Tage) oder Pimecrolimus (Elidel® Creme)
(2x täglich für 3-7 Tage)
Orale AntimykotikaAmphotericin B (Ampho-Moronal® Suspension)
Orale AntibiotikaCephalosporine wie Cefaclor (Infectocef®) und Cephalexin (Cephalexin®-ratiopharm)
oder Clindamycin (Clinda-Lich® AT)

Prävention und Vorbeugung

Generell können alle pflegenden Maßnahmen zur Behandlung einer Windeldermatitis auch zur Prävention durchgeführt werden. Windeln sollten häufig gewechselt und die Haut mit milden Seifen oder Syndets gereinigt werden. Da der Stuhl gestillter Kinder einen niedrigeren pH-Wert aufweist als der von nicht-gestillten Kindern, beugt Stillen einer Windeldermatitis vor. Bei ersten Anzeichen einer Hautrötung sollten abdeckende Wund­schutzprodukte mit Dexpanthenol, Zinkoxid oder Gerbstoffen verwendet werden.

 

Windeldermatitis
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Literatur

 

Letzte Aktualisierung: 07.03.2017