Periorale Dermatitis – Anthelminthikum als neue Behandlungsoption

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Praziquantel-Salbe als neue Behandlungsoption bei Mundrose

Die periorale Dermatitis ist eine häufige Form der Hautentzündung. Häufigste Auslöser sind zu reichhaltige  Hautpflegeprodukte oder die Anwendung  kortisonhaltiger Präparate im Gesicht. Sie tritt hauptsächlich um den Mund herum auf und ähnelt in ihrer Erscheinung der Akne. In der Regel verbessert sich das Hautbild nach dem Absetzen der Pflegeprodukte oder Medikamente von alleine. Eine Salbe mit dem Wirkstoff Praziquantel kann die Abheilung der Hautläsionen jedoch beschleunigen.

 

Die periorale Dermatitis (Mundrose) ähnelt in ihrer Erscheinung mit einem Ausschlag aus feinen Eiterbläschen und Knötchen einer Akne. Der Ausschlag tritt typischerweise um den Mund herum (perioral) auf, wobei um das Lippenrot ein schmaler Rand ausgespart bleibt. Die Ursache der Entzündung ist im Detail noch unklar. Zu den möglichen Auslösern gehören die  Verwendung zu reichhaltiger Hautpflegeprodukte im Gesicht, eine Kontaktallergie und die Verwendung von topischen oder systemischen Glukokortiko­steroiden (Kortison).  Auch eine Besiedelung der Haut durch die Demodex-Milbe (Demodex folliculorum) kann eine periorale Dermatitis verschlimmern. Obwohl der Ausschlag harmlos ist und nicht juckt, kann er für die Patienten sehr belastend sein, zumal er unbehandelt über viele Wochen bestehen kann.

 

Abwarten oder therapieren?

Die erste therapeutisch sinnvolle Maßnahme ist das Absetzen der als Auslöser in Frage kommenden Hautpflegeprodukte bzw. der verwendeten Kortisonpräparate. Darüber hinaus empfehlen manche Ärzte einfach abzuwarten, bis die Entzündung von alleine verschwindet. Viele Patienten wünschen sich jedoch eine schnelle Besserung der Symptome. Hierfür eignet sich insbesondere das Antibiotikum Metronidazol, das in einer Cremegrundlage verwendet wird. Auch  Erythromycin (äußerlich oder in schweren Fällen als Tablette) sind wirksam. Es besteht jedoch immer noch Bedarf nach wirskamen Substanzen. Praziquantel ist eine Isochinolin-Verbindung, die toxisch auf Parasiten wie etwa Bandwürmer und gleichzeitig entzündungshemmend wirkt und bereits seit über 60 Jahren systemisch als Mittel gegen Wurminfektionen eingesetzt wird. Bei einer topischen Anwendung in einer Salbe sind deshalb keine schwereren Nebenwirkungen zu erwarten.

 

Ein Wurmmittel als Behandlungsoption

In einer placebokontrollierten Studie mit 46 Teilnehmern im Alter von 24-39 Jahren – davon 41 Frauen – wurde die Sicherheit und Wirksamkeit von Praziquantel in einer ukrainischen Universitätsklinik untersucht. Die Hälfte der Patienten verwendete zweimal täglich eine 3%ige Praziquantel-Salbe, die andere Hälfte erhielt eine wirkstofffreie Salbe. Zuvor wurde sichergestellt, dass die Studienteilnehmer keine weiteren Medikamente einnahmen, die die Ergebnisse verfälschen könnten. Die Behandlung erfolgte  für vier Wochen, und die Patienten wurden nach jeder Woche und ein weiteres Mal vier Wochen nach Therapieende durch einen Hautarzt untersucht. Diesem war bekannt, in welcher Gruppe die Patienten zugeordnet waren, während die Patienten selbst nicht wussten, ob sie den Wirkstoff erhielten (einfach verblindete Studie).

Der Erfolg der Therapie wurde anhand einer Reduktion des Schweregrad-Indexes für die periorale Dermatitis (PODSI) bewertet. Dabei wird anhand der Ausprägung der drei Krankheitssymptome Hautrötung, Schuppung und Knötchenbildung der Schweregrad der Krankheit bestimmt. Werte zwischen 0,5-2,5 auf der Skala bedeuten eine milde, Werte von 3 bis 5,5 eine moderate und Werte von 6 bis 9 eine schwere Krankheitsform. Weiterhin wurde der Einfluss der Therapie auf die 5-Punkte-Skala des Investigator’s Global Assessment (IGA) und auf den Dermatologischen Lebensqualitäts­index (DLQI) ermittelt. Nach dem Ausschluss von Patienten, die die Studienkriterien nicht erfüllen, wurden 22 Teilnehmer der Wirkstoffgruppe und 21 Teilnehmer der Kontrollgruppe zugeteilt. Schwere Nebenwirkungen traten bei keinem Patienten auf. Eine leichte Hauttrockenheit nach Auftragen der Salbe konnte durch Verwendung einer Feuchtigkeitscreme behoben werden.

 

Praziquantel beschleunigt die Abheilung

In der Wirkstoffgruppe kam es zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Symptome (Abb.).

Periorale Dermatitis Mundrose Therapie

Abb.: Anteil der Studienteilnehmer, die den PODSI50 erreichten. Nach einer Woche erreichte fast die Hälfte der Patienten der Wirkstoffgruppe eine 50%ige Reduktion des PODSI und damit eine Halbierung der Symptome. In der Testgruppe gelang dies nur etwa jedem zehnten Patienten. Zum Therapieende nach vier Wochen erreichten fast zwei Drittel der Patienten in der Wirkstoffgruppe und die Hälfte der Patienten in der Testgruppe den PODSI50.

Dies war zwar auch in der Kontrollgruppe der Fall, geschah jedoch deutlich langsamer. So erreichten in der ersten Woche 45,4% der Patienten in der Wirkstoffgruppe (10 von 22), aber nur 9,5% in der Kontrollgruppe (2 von 21) eine Reduktion des PODSI um 50% (PODSI50). Am Ende der Therapie, nach vier Wochen, hatten sich die Werte mit 72,7% und 52,3% in den beiden Gruppen etwas angeglichen. Insgesamt sank der PODSI in der Wirkstoffgruppe im Mittel von 5,4 auf 2,1 (eine Differenz von 3,2), in der Kontrollgruppe dagegen nur von 5,4 auf 2,6 (eine Differenz von 2,6).  Auf dem IGA erreichten 82% der Patienten in der Wirkstoffgruppe und nur 43% der Patienten in der Kontrollgruppe nach vier Wochen eine Erscheinungsfreiheit oder wiesen nur noch leichte Symptome auf. Die Lebensqualität der Patienten stieg ebenfalls bei der Behandlung mit Praziquantel stärker als bei der Gabe des Placebos.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die Symptome der perioralen Dermatitis in der Regel auch ohne Behandlung nachlassen, wenn die auslösenden Faktoren wie Pflegeprodukte oder kortisonhaltige Medikamente wegfallen. Allerdings kam es durch die Verwendung von Praziquantel deutlich schneller zu einer Verbesserung des Hautbilds und mehr Patienten erreichten das primäre Studienziel, die Reduktion der Symptome um die Hälfte (PODSI50).

 

Wirkstoff hilft zweifach

Praziquantel reduziert die Menge eines am entzündlichen Geschehen beteiligten Eiweißes (als CH3L1 oder auch YKL bezeichnet), das sich bei Patienten mit anderen entzündlichen Krankheiten wie Schuppenflechte, rheumatischer Arthritis, Morbus Crohn und Krebs in erhöhter Menge im Blutserum befindet. Außerdem scheint der Wirkstoff gegen die Demodex-Milbe zu wirken, deren Anwesenheit auf der Haut die Symptome einer perioralen Dermatitis verschlimmern kann. Da bei der Anwendung im Rahmen der Studie keine nennenswerten Nebenwirkungen auftraten, bietet sich der Wirkstoff für die Behandlung der perioralen Dermatitis bei Patienten an, die nicht abwarten möchten, bis die Symptome von selbst verschwinden.

 

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Periorale Dermatitis – Anthelminthikum als neue Behandlungsoption
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Literatur


 

Letzte Aktualisierung am 26.09.2017