Unbeliebte Urlaubsmitbringsel: Hautkrankheiten | derma.plus

Unbeliebte Urlaubsmitbringsel: Hautkrankheiten

derma_VitaminD
Vitamin D – Mehr als nur für die Knochen wichtig?
6. August 2019
Urlaubsmitbringsel Geschlechtskrankheiten
Unbeliebte Urlaubsmitbringsel: Geschlechtskrankheiten
13. August 2019

Sommer, Sonne, Juckreiz: Diese Hautkrankheiten fängt man sich im Urlaub ein

Spätestens im September endet für die meisten Deutschen die schönste Zeit des Jahres: Die Urlaubssaison. Die Kinder gehen wieder zur Schule, Erwachsene an ihren Arbeitsplatz und schnell ist man wieder im alten Trott. Es sei denn, es beginnt an ungewöhnlichen Körperstellen zu jucken, oder andere Hautirritationen treten auf. Dann hat man sich im Urlaub eventuell einen Parasiten, Bakterien oder andere Erreger eingefangen. Dermatologen und Hausärzte diagnostizieren im Spätsommer und Herbst vermehrt Reisedermatosen, wie Ringelflechten, Krätze oder Kopfläuse.

„Zwei entscheidende Faktoren begünstigen zunehmend auch Kontakt mit Erkrankungen, die bisher in Deutschland eher als exotisch anzusehen waren: die Lust auf Fernreisen und der Klimawandel mit zunehmend höher werdenden Temperaturen und längeren Trockenperioden. Subtropische Erkrankungen, wie die durch parasitäre Einzeller verursachte Leishmaniose, die Larva mirgrans – auch als Hautmaulwurf bezeichnet – die durch eine Wurmerkrankung verursacht wird, oder die zu den Epizoonosen gehörende, durch Fliegen verursachte Hautmyiasis sind heute in der dermatologischen Praxis nicht mehr so selten. – Prof. Abeck, Dermatologe aus München.

Gemeinsam mit den Experten von Spring wollten wir herausfinden, welche Hautkrankheiten in den Urlaubsländern am häufigsten auftreten und haben dafür verschiedene Gesundheitsdaten über Krankheiten und Erreger wie Krätze, Hautmaulwurf, Orientbeule, Kopfläuse, Ringelflechte, Allergische Reaktionen durch Henna und Mallorca-Akne ausgewertet.

 

Juckreiz und Knötchen nach dem Sex? Es könnte Krätze (Skabies) sein!

 

Bei der durch Milben verursachten Krätze, auch Skabies genannt, nisten sich die 0,1 bis 0,5 Millimeter großen Parasiten in die Haut ein und verursachen, nach zwei bis fünf Wochen, häufig großflächige Hautausschläge mit unangenehmen Pusteln und Bläschen. Es sind vor allem dünne Hautstellen betroffen, wie zwischen den Fingern oder an den Leisten. Die Krätze wird nicht nur beim Sex übertragen, sondern auch bei mangelnder Hygiene (gemeinsame Nutzung von Handtüchern/Kleidung) oder bei sehr engem Körperkontakt, daher kann man sich kaum vor einer Ansteckung schützen. Insbesondere junge Reisende sind betroffen: Jugendherbergen oder Hostels bergen wegen ihrer hohen Besucherzahlen und häufigen Bewohnerwechseln ein besonderes Übertragungsrisiko. Die Behandlung erfolgt durch Cremes, die die Parasiten abtötet. Die Skabies wird seit einigen Jahren auch in Deutschland wieder vermehrt diagnostiziert, wie ein Anstieg der Cremeverkäufe zeigt. Im Jahresverlauf zeigen die Graphen unterschiedliche Peaks in den Google Suchanfragen und einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen (80 %) ab August an. Diese Differenz ist mit der hohen medialen Präsenz der Hautkrankheit zu erklären, welche ihr nicht nur in den Sommermonaten zuteil wird.

Teilweise ist die Diagnosestellung hier etwas schwierig: „Eine besonders gute Hautpflege kann auch dem Profi die Diagnose erschweren. Wichtig ist daher, frühzeitig an die Möglichkeit der Erkrankung zu denken. – so der Hamburger Dermatologe Prof. Mensing.

 

Erreger Krätzmilbe Sarcoptes scabiei variatio hominis
Übertragungvor allem durch engen Hautkontakt (z.B. Sex)
Verbreitungweltweit verbreitet, in tropischen Ländern bis zu 15% der Bevölkerung betroffen
Symptomekommaartige Milbengänge, Juckreiz und schuppige Entzündungen der Haut, vor allem zwischen den Fingern oder an den Leisten

 

Hier finden Sie mehr zum Thema Krätze:

 

Barfußgehen und unbekleidetes Liegen am Sandstrand: Achtung Hautmaulwurf!

 

Beim Befall mit Larva migrans, umgangssprachlich Hautmaulwurf, bohren sich die Larven des Hakenwurms langsam durch das menschliche Körpergewebe. Die Parasiten gelangen durch Hautkontakt mit deren Eiern in die Haut, wenn man zum Beispiel barfuß am Strand spaziert oder sich anderweitig im Sand aufhält. Sichtbar wird die Erkrankung erst, wenn sich der Hautmaulwurf durch den Fuß gräbt und die typischen, serpentinenartigen Wanderungsgängen der Larven sichtbar werden.
Diese Hautkrankheiten treten hauptsächlich in Südamerika und Afrika auf. Hier steigt die Aufmerksamkeit im Winter um 20%, da die tropischen Länder bevorzugt in den kalten Monaten besucht werden.

 

ErregerLarva migrans cutanea
ÜbertragungHautkontakt mit den Eiern des Wurms, v.a. durch Barfußlaufen und Spielen am Strand
Verbreitungmit Tierkot kontaminierte Orte, wie Strände in subtropischen- und tropischen Regionen (mit Schwerpunkt in Südamerika, Afrika und und im Mittelmeerraum)
Symptomeserpentinenartige, gerötete Wanderungsgänge in der Haut (häufig an den Fußsohlen), Juckreiz, später Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall

 

Nicht abheilende Stichreaktionen – an Leishmaniose (Orientbeule) denken!

 

Bei nicht heilen wollenden Insektenstichen kann es sich um eine kutane Leishmaniose – die Orientbeule – handeln. Der Erreger wird durch den Stich der Sandmücke, die hauptsächlich in Ostafrika und den Tropen vorkommt, übertragen, der bis zu zwei Millionen Infektionen jährlich verursacht. Bei fehlender Behandlung bilden die offenen Stichwunden Zugang für andere Infektionen und Entzündungen. In der oben dargestellten Grafik sind zwei Höhepunkte zu sehen, da Länder wie Spanien, Italien und Griechenland ebenso von Leishmaniose betroffen sind, wie die Tropen. Urlauber stecken sich demnach in beiden Jahreshälften an. Durch den Klimawandel wird Deutschland für die Mücke, die eigentlich in unseren Breiten nicht heimisch ist, allerdings immer interessanter.

 

ErregerLeishmania spp.
ÜbertragungStich der Sandmücke, die den Parasiten im Speichel trägt
Verbreitungvor allem Süditalien, Südspanien, Griechenland und Korsika, sowie tropische Regionen
Symptome„nicht abheilender Stich“ wird zu Knötchen bis hin zum Geschwür

 

Experte Prof. Abeck, Hautarzt aus München: Mücken werden uns in Deutschland als direkte Folge der Klimaerwärmung mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme bereiten: Die Tigermücke ist in der Umgebung von Heidelberg und Freiburg bereits heimisch geworden und die Japanische Buschmücke, die ein potenzieller Überträger des West-Nil-Virus ist, hat bereits die Region Hannover erreicht.“

 

Starker Juckreiz auf dem Kinderkopf: Lausige Zeiten stehen an

 

Der Kopflausbefall ist die mit Abstand häufigste Parasitose im Kindesalter. Klassischerweise steigen die Fallzahlen ab August drastisch an (im August steigt der Verkauf von Anti-Kopflaus-Medikamenten um 50 %). Die Kopflaus wird durch direkten Haar-zu-Haar Kontakt übertragen und kommt weltweit vor, in den Sommermonaten kann es tourismusbedingt erhöhte Fallzahlen in der Mittelmeerregion geben. Durch enges und intensives Spielen der Kinder ist die Vermehrung der Läuse stark begünstigt. Der starke Juckreiz auf der Kopfhaut ist ein typisches Symptom. Eine entsprechende Behandlung ist notwendig und mit den am Markt befindlichen Präparaten gut durchführbar. Kontaktpersonen sollten zudem dringend auch nach Läusen untersucht werden, um eine ständige Reinfektion zu vermeiden.

 

ErregerPediculus humanus capitis
ÜbertragungHaar-zu Haar-Kontakt, vor allem bei Kindern durch enges Spielen, gemeinsame Benutzung von Kopfkissen etc.
Verbreitungweltweit verbreitet, nach den Sommerferien ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen
Symptomestarker Juckreiz der Kopfhaut, sichtbare Nissen und Läuse in den Haaren

 

Das Spielen mit Tieren im Urlaub kann unangenehme Folgen haben: Pilzinfektionen!

 

Es sind häufig Kinder, die sich eine RingelflechteTinea corporis – unabsichtlich einfangen. Vor allem beim Streicheln streunender Tiere besteht ein hohes Ansteckungsrisiko. Die Infektion zeigt sich in der Regel als ringförmige, schuppende und juckende Hautveränderung, die am ganzen Körper auftreten kann, aber bei Kindern häufig die Kopfhaut betrifft. Die Ringelflechte wird ab August vrmehrt diagnostiziert, unmittelbar nach der Urlaubssaison und steigt stetig bis in den Dezember, wenn viele Fernreisende aus der südlichen Hemisphäre heimkehren.

„Da man dem Tier den Befall nicht ansehen kann, ist vom Streicheln streunender Tieren abzuraten. Wenn die Infektion nach einem Urlaub auf dem Bauernhof auftritt, ist der Überträger zu ermitteln. Durch Anzucht des Erregers im Labor, ist dies leicht möglich.“ – Dermatologe Prof. Mempel aus Hamburg.

 

Erregerdiverse Dermatophyten
ÜbertragungStreicheln von befallenen Tieren, vor allem streunenden Katzen und Nagern
Verbreitungsubtropische Regionen mit Schwerpunkt im Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln
Symptomeringförmige, schuppende und juckende Läsionen, bei Kindern kann der Kopf auch befallen sein

 

Vorsicht bei Tattoos im Urlaub – eine schwere allergische Reaktion ist möglich

 

Die insbesondere in orientalischen Regionen beliebten Henna-Tattoos bergen ein hohes Risiko schwere allergische Reaktionen hervorzurufen. Der Grund ist die in der Farbe enthaltene chemische Zusatzstoff p-Phenylendiamin, der in Deutschland verboten ist, und die Farbe der Tätowierung intensiviert. Die Folgen sind schwerwiegende Hautausschläge und das krebserregende Risiko des Stoffes.

 

Ursachep-Phenylendiamin, eine in Deutschland verbotene Substanz als Beimischung zum Henna-Farbstoff
VerbreitungNordafrika, Türkei, weitere orientalisch geprägte Regionen in Asien und Indien
Symptomeschwere allergische Reaktionen mit Juckreiz, Entzündung im Bereich der Tätowierung zwei Wochen nach Aufbringung

 

Eine Sonderform der Sonnenallergie – die Mallorca-Akne!

 

Weit oben auf der Souvenir-Liste steht die Hautkrankheit “Mallorca-Akne”: Die sogenannte Mallorca-Akne betrifft vor allem Urlauber, die mit fetthaltigem Sonnenschutz lange Zeit intensiver Sonneneinstrahlung aussetzen. Stunden, manchmal auch Tage, nach dem Sonnenbad treten v.a. im Bereich der Schultern und der Brust extrem juckende Knötchen auf, die nur bei strikter Meidung der Sonne abheilen. Grund ist eine Reaktion zwischen den Fettanteilen der Creme und den UV-Strahlen.

 

Ursacheintensive Sonneneinstrahlung auf fettig eingecremter Haut
Verbreitungweltweit, Schwerpunkt in Regionen mit hoher UV-Strahlenbelastung, wie Südeuropa oder Nordafrika
Symptomezwei Stunden bis drei Tage nach dem Sonnenbad juckende Knötchen vor allem im Bereich der Schultern und Brust

 

Ein kleiner Tipp von Prof. Abeck: „Wenn ich Sonnenschutzmittel und Insektenabwehrmittel anwenden möchte, immer zuerst das Sonnenschutzpräparat auftragen und erst im Abstand von etwa 10 Minuten das Abwehrmittel! Ansonsten wird der Lichtschutzfaktor reduziert.“

 

Hier finden Sie mehr zum Thema Sonnenallergie:

 

 

Alle diese Hautkrankheiten sind behandelbar. Wie in den meisten Krankheitsfällen gilt auch hier – je früher entgegengewirkt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

„Das klinische Bild und die Reiseanamnese reichen in der Regel für eine sichere Diagnosestellung aus. Eine Blutuntersuchung zur Diagnosesicherung gibt es für die Urlaubsdermatosen nicht.“ – Prof. Babilas, Oberarzt für Dermatologie aus Regensburg.

Weitere Informationen und Hinweise zur Behandlung und Therapiemöglichkeiten finden Sie auf derma.plus.

 

Letzte Aktualisierung am 08.09.2019