Falten- und Lippenunterspritzung mit Hyaluronsäure-Injektionen | derma.plus

Falten- und Lippenunterspritzung mit Hyaluronsäure-Injektionen

Zusammenfassung

Hyaluronsäureinjektionen zur Faltenbehandlung, Lippenvergrößerung und Gesichtskonturierung dienen vor allem einem kosmetischen Zweck. Für die Falten- und Lippenunterspritzung kommt heutzutage zumeist eine stabilisierte, quervernetzte Hyaluronsäure nichttierischen Ursprungs zur Anwendung. Die biotechnologisch hergestellten Hyaluronsäureprodukte sind vom Körper vollständig biologisch abbaubar und zeichnen sich durch einen sehr hohen Reinheitsgrad aus. Appliziert wird das Hyaluronsäuregel in die mittleren bis tiefen Hautschichten.

Auf einen Blick:

+ Indikationen Revitalisierung & Verjüngung des Hautbilds, Unterspritzung von Falten, Volumenaufbau im Gesicht & der Lippen sowie Gesichts- & Lippenkonturierung

+ Kontraindikationen akute Infektionen im Behandlungsbereich (z.B. Herpes simplex, Akne), bekannte Allergien gegen Inhaltsstoffe, Schwangerschaft oder Stillzeit, Immunsuppression

+ Behandlungsdauer circa 15-30 Minuten

+ Nebenwirkungen häufig sind Spannungsgefühle, leichte Schmerzen und kleinere Hämatome, selten sind allergischen Reaktionen und Infektionen

Einführung

Dem Gesicht kommt bei unserem gesamten Erscheinungsbild eine tragende soziale Rolle zu. Im Laufe eines Lebens altert die Haut. In welchem Ausmaß die Haut altert, ist individuell abhängig von inneren (genetischen) und äußeren (Umwelt) Einflüssen. Typische Umwelteinflüsse, die die Hautalterung beschleunigen, sind Sonnenlicht (UV-Strahlung), Konsum von Tabak und auch Stress. Hyaluronsäure wird durch UV-Strahlung und den natürlichen Alterungsprozess kontinuierlich abgebaut. Merkmale der Hautalterung sind der Verlust der Elastizität, trockene Haut und Faltenbildung. Weiterhin nimmt die Dichte des Unterhautfettgewebes und die Dicke der Haut mit zunehmendem Alter ab, sie atrophiert. Die Haut verliert an Spannkraft, erschlafft und Falten bilden sich aus. Die Konturen des Gesichts verschwimmen mehr und mehr.

Anti-Aging Effekt der Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der in fast allen Geweben vorkommt. Chemisch ist Hyaluron ein Glucosaminoglykan, ein mehrkettiges Zuckermolekül. Durch diese chemische Eigenschaft ist Hyaluron in der Lage, ein vielfaches seines Gewichts an Wasser zu speichern. Damit hat Hyaluronsäure einen augmentierenden, Volumen gebenden Effekt. Durch gezielte Injektion kann Hyaluronsäure die Haut aufpolstern, Falten mindern und die Wangenpartie sanft liften. Die Haut erhält Feuchtigkeit und Spannkraft zurück.

Hyaluronsäure-Produkte

Derzeit sind verschiedene Filler zur Injektion mit Hyaluronsäure auf dem deutschen Markt zugelassen. Es wird zwischen unvernetzter (nativer) und vernetzter Hyaluronsäure unterschieden. Der Vernetzungsgrad beeinflußt die Wasserbindungskapazität sowie den Abbauprozess. Verschiedene Hersteller bieten unterschiedliche Technologien der Zusammensetzung der Hyaluronsäure an. Grundsätzlich gilt: Der erreichbare Volumeneffekt hängt von der Konzentration der Hyaluronsäure, dem Vernetzungsgrad, der Partikelgröße und der Viskosität des Produkts ab. Bei der Wahl des Produkts sollte dringend auf Langzeitstudien über das Auftreten möglicher Nebenwirkungen geachtet werden. Eine Leitlinie hierzu ist zum Beispiel die Injectible Filler Safety Study (1).

Behandlungsbereiche für Hyaluronsäure

Der Indikationsbereich für die Unterspritzung mit Hyaluronsäure ist sehr groß. Je nach Vernetzungsgrad der Hyaluronsäure und Applikationstiefe lassen sich verschiedene Anti-Aging Effekte hervorrufen. Entgegen früherer Lehrmeinung werden die vernetzen Hyaluronsäurefiller nicht in unterschiedliche Dermisschichten injiziert, sondern in das subkutane Unterhautfettgewebe oder epiperiostal auf den Knochen.
Nicht vernetze Hyaluronsäurefiller können auch direkt in die Dermis gespritzt werden. Es findet dadurch eine Rehydratation der Haut statt und Spannkraft und Elastizität werden erhöht. Die Haut wirkt jünger und feine Knitterfältchen glätten sich. Auch oberflächliche Mimikfalten im perioralen Bereich um die Lippen (Raucherfältchen) oder im periorbitalen Bereich um die Augen (Krähenfüße) können bei Applikation von Hyaluronsäure effektiv behandelt werden (z.B. Decoria® essence).
Um Falten von moderater Tiefe auszugleichen wird Hyaluronsäure von mittlerem Vernetzungsgrad appliziert. Dies ist für die Lippenkonturierung, das Auffüllen der Nasolabialfalten oder auch der Glabellafalten (Zornesfalte) gut geeignet.
Bei tiefen Falten oder Narben werden stark vernetzte Hyaluronsäureprodukte mit großem Volumeneffekt verwendet (z.B. Decoria® intense). Hier kann mit gezielten Injektionen eine Remodellierung der Gesichtskonturen und der Volumenwiederaufbau des Gesichts erreicht werden. Die Injektion erfolgt hier meist tief mit dem Knochen als Widerlager. Beim Volumenaufbau v.a. im Mittelgesicht werden die individuellen Depots, die durch den Alterungsprozess abnehmen, gezielt wieder hergestellt. Dadurch ergibt sich ein sanfter, natürlicher Liftingeffekt. Für diese Behandlungen sind sehr gute anatomische Kenntnisse der Strukturen im Gesicht eine wichtige Voraussetzung.

 

Übersicht Indikationen für Hyaluronsäure-Injektionen

  • Revitalisierung, Verjüngung des Hautbilds v.a. Wangen oder Dekolleté
  • Lippenfältchen (Raucherfältchen)
  • Sonnenfalten (Krähenfüße)
  • Nasolabialfalte
  • Zornesfalte
  • Narben
  • Lippenkonturierung
  • Aufbau von Lippenvolumen
  • Marionettenfalten
  • Remodellierung von Gesichtskonturen
  • Volumenaufbau Gesicht

Behandlungsablauf

Vorbereitung

Einer Behandlung mit Hyaluronsäure-Spritzen sollte ein ausführliches Beratungs- und Aufklärungsgespräch vorangegangen sein. Im Gespräch werden die individuellen Voraussetzungen wie Hautbild und Faltentiefe und die Wünsche der Patientin/des Patienten eruiert. Anschließend sollte eine genaue Aufklärung über mögliche Risiken und Nebenwirkungen erfolgen.
Eine Anästhesie ist meist nicht nötig. Viele Produkte enthalten Lidocain, ein lokales Anästhetikum. So wird beim Unterspritzen gleichzeitig die Stelle betäubt. Um den Einstich abzuschwächen, kann vor der Behandlung eine Creme mit Lokalanästhetikum aufgetragen werden. Bei einer ausgedehnten Behandlung kann eine lokale Nervenblockade des N. infraorbitalis oder des N. mandlibularis gesetzt werden. Damit werden bestimmte Gesichtsregionen betäubt, ohne die Gesichtskonturen zu verfälschen (z. B. Oberlippe bei Infraorbitalisblock).

Behandlung

Zuerst erfolgt die Reinigung der Haut, um Make-up- oder Tagescreme-Reste vollständig zu entfernen. Aseptisches Arbeiten ist ein absolutes Muss! Vor Injektion wird die Haut daher gründlich desinfiziert. Anschließend wird die Hyaluronsäure an die gewünschte Stelle injiziert, bis der gewünschte Effekt erreicht ist. Dafür sind meist mehrfache Einstiche durch die Haut nötig. Anschließen kann bei Bedarf gekühlt werden, um Schwellungen oder Hämatomen (blaue Flecken) vorzubeugen. Die ganze Behandlungsprozedur beträgt zumeist 15 bis 30 Minuten.

Nachsorge

Die Behandlung ist ambulant. Meist sind die Patienten noch am selben Tag wieder gesellschafts- und arbeitsfähig. Vermeiden Sie die ersten Tage nach der Behandlung starke Sonneneinstrahlung, Hitze und Kälte sowie schwere körperliche Aktivitäten und aggressive Kosmetika. Ein Kontrolltermin beim Arzt sollte nach etwa einem Monat geplant werden.

Dauer des Effekts von Unterspritzung mit Hyaluronsäure

Hyaluronsäureprodukte gehören zur Gruppe der nichtpermanenter Filler. Nach einer gewissen Zeit wird die Hyaluronsäure vom Körper wieder abgebaut. Je nach Stelle und Tiefe der Injektion und dem verwendeten Produkt kann der Effekt in der Regel zwischen 6-12 Monaten anhalten. Eine Behandlung mit Hyaluronsäure-Filler kann jederzeit wiederholt werden. Bei regelmäßiger Anwendung findet sich auch, durch die Neubildung von Kollagen und Elastin, ein zusätzlicher straffender Effekt, so dass die Abstände zwischen den Behandlungen länger werden können.

Nebenwirkungen bei Unterspritzung mit Hyaluronsäure

Viele Nebenwirkungen können vermieden oder das Risiko minimiert werden. Dafür sind genaue Kenntnisse der anatomischen Strukturen, der Indikation, der Injektionstechniken und -tiefen und der verwendeten Präparate sehr wichtig.
Häufige Nebenwirkungen sind Spannungsgefühle und leichte Schmerzen nach der Injektion. Auch kleinere Hämatome und Schwellungen können nach einer Behandlung auftreten. Hier kann durch Kühlung der Stellen, für mindestens eine Stunde, Abhilfe geschafft werden. Die Symptome klingen nach wenigen Tagen wieder ab.
Selten treten allergische Reaktionen (zumeist auf das Lokalanästhetikum), Rötungen oder Knötchenbildung unter der Haut auf. Bei entsprechender Desinfektion der Injektionsstelle sind Infektionen und Entzündungen ebenso selten. Auch eine Über- oder Unterkorrektur sind seltene Komplikationen. Unerwünschte Knötchen oder Überkorrektur können durch Injektion des Enzyms Hyaluronidase wieder aufgelöst werden.

Kontraindikationen für Hyaluronsäure-Injektionen

Bei einer akuten Infektion (z.B. Herpes simplex, Akne) im Bereich des Gesichts darf afgrund des erhöhten Infektionsrisikos keine Unterspritzung mit Hyaluronsäure erfolgen. Falls bekannte Allergien gegen Inhaltsstoffe bestehen, z.B. Lidocain, sollte auf ein anderes Produkt gewechselt werden. Zur Injektion von Hyaluronsäure in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine genauen Daten. Deshalb sollte während dieser Zeit auf eine Behandlung mit Fillern verzichtet werden. Zwischen einer Behandlung der Haut mit z.B. Dermabrasion, Laser oder chemischem Peeling und einer Injektion mit Hyaluronsäurefiller sollten etwa 2 -4 Wochen liegen.
Beim Vorgespräch sollten alle bekannten Vorerkrankungen mit dem Arzt besprochen werden. Bei Immunsupprimierten Patienten oder bei wiederkehrender Angina, akutem Gelenkrheumatismus wird nach Einzelfall entschieden.

 

Hyaluronsäureinjektionen dürfen ausschließlich von medizinisch qualifiziertem Fachpersonal angewandt werden!

 

Literatur

 

Letzte Aktualisierung: 10.01.2019