Präbiotische Feuchtigkeitscreme verbessert die Neurodermitis

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Ein neuer Therapieansatz: Präbiotische Feuchtigkeitscreme verbessert die Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Ein Beitrag von Frau Dr. rer. nat. Larissa Tetsch

Wirkstofffreie Feuchtigkeitscreme stärkt die Hautbarriere bei Patienten mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) und stabilisiert die Zusammensetzung der Hautflora. Deshalb ist die regelmäßige Pflege der Haut ein zentraler Baustein im Therapiekonzept der Neurodermitis. In einer durch La Roche-Posay Dermatological Laboratories durchgeführten klinischen Untersuchung stimulierte die Zugabe eines Extraktes von nicht-pathogenen Bakterien der Art Vitroscilla filiformis zur Feuchtigkeitscreme das angeborene Immunsystem der Patienten und hatte dadurch einen zusätzlichen positiven Einfluss auf die Hautflora und auch auf das Hautekzem.

Veränderungen in der Zusammensetzung der Hautflora spielen bei verschiedenen Hautkrankheiten eine Rolle. Dazu gehört u. a. Neurodermitis, die auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt wird. In den Industriestaaten leiden ca. 3% der Bevölkerung an dieser chronisch-entzündlichen Krankheit, darunter viele Kinder. Am Beginn dieser komplexen Krankheit stehen meist Defekte in der Hautbarriere, durch die reizende oder allergene Substanzen in tiefere Hautschichten eindringen und dort Entzündungen hervorrufen können.  Daneben spielen Verschiebungen in der Zusammensetzung der natürlichen Hautflora eine Rolle. Vor allem das opportunistische Bakterium Staphylococcus aureus kommt bei vielen Patienten mit atopischer Dermatitis vermehrt auf der Haut und in Hautläsionen vor. Besonders in den akuten Phasen der Krankheit, den Schüben, tritt das Bakterium massenhaft auf und im Gegenzug nimmt die Vielfalt der Hautflora ab. Wichtig für die Eindämmung der Staphylokokken und die Wiederherstellung einer vielfältigen Hautflora sind antimikrobielle Peptide, die einen Teil des angeborenen Immunsystems darstellen. Patienten, die an atopischer Dermatitis leiden, können diese antimikrobiellen Peptide häufig weniger gut herstellen, als nicht betroffene Menschen.

Um das Immunsystem von Patienten mit atopischer Dermatitis zu beeinflussen, wurden in früheren Studien Probiotika mit lebenden, nicht-pathogene Bakterien eingesetzt, doch die Ergebnisse waren widersprüchlich. Die Anwendung von präbiotischen Zubereitungen mit bakteriellen Zellextrakten direkt auf der Haut ist ein alternativer therapeutischer Ansatz, um Immunreaktionen zu modulieren und die Hautflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein vielversprechender Kandidat ist das Bakterium Vitreoscilla filiformis, dessen Extrakt im künstlichen Hautmodell das angeborene Immunsystem und die Produk­tion von antimikrobiellen Peptiden stimulierte. In einer doppeltblinden, randomisierten (zufallsgesteuerten), vergleichenden Studie wurde nun die Wirkung einer Feuchtigkeitscreme untersucht, die mit einem Zellextrakt dieser Bakterien angereichert war. Zusätzlich enthielt die Creme den Zucker Mannose, der vor allem das Wachstum von Bakterien der Gattung Xanthomonas fördert und dadurch die Zusammensetzung der Hautflora verbessern soll. Als Kontrolle wurde eine für Patienten mit atopischer Dermatitis geeignete, kommerzielle Feuchtigkeitscreme verwendet.

 

Verlauf der Studie

Die ausgewählten 60 Patienten zwischen 6 Monaten und 63 Jahren mit mittelschwerer atopischer Dermatitis erhielten 15 Tage vor dem Studienbeginn eine systemische Therapie oder eine Phototherapie, um die Krankheits­symptome um mindestens 25% zu reduzieren. Bei 53 der Patienten war dies erfolgreich, und diese wurden zufallsgesteuert in eine Testgruppe (26 Patienten) und eine Kontrollgruppe (27 Patienten) eingeteilt. Von Tag 1 bis Tag 28 sollten sie täglich morgens und abends ihren gesamten Körper mit der entsprechenden Feuchtigkeitscreme eincremen. Jeweils am ersten und letzten Studientag (Tag 1 und 28) wurden ihre Krankheitssymptome auf Basis des Diagnoseschemas „Scoring Atopic Dermatitis“ (SCORAD) klassifiziert, und es wurden Hautabstriche angefertigt.

 

Ergebnisse der Studie

Bei der Testgruppe war der SCORAD nach 28 Tagen von durchschnittlich 11 auf 9,3 gesunken, während er bei der Kontrollgruppe von 10 auf 13,2 gestiegen war (Abb. 1). Dies entspricht einer durchschnittlichen prozentualen Veränderung von -11% in der Testgruppe (und damit einer Ver­besserung der Symptome), sowie von +35% in der Kontrollgruppe (und damit einer Verschlechterung der Symptome). Zeigten im Studienverlauf in der Testgruppe 30% der Patienten einen Schub (Abb. 2), so waren es in der Kontrollgruppe mit 60% doppelt so viele. Außerdem verlief der Schub bei den Patienten der Testgruppe milder (Zunahme des SCORAD um 46%) als bei den Patienten der Kontrollgruppe (Zunahme des SCORAD um 79%). In der gleichen Zeit wiesen 65% der Patienten in der Testgruppe und nur 33% in der Kontrollgruppe eine Verbesserung der Symptome auf. Bei den Patienten der Testgruppe hatten außerdem wie erwünscht die Bakterien der Gattung Xanthomonas auf der Haut zugenommen, während bei der Kontrollgruppe Bakterien der unerwünschten Gattung Staphylococcus häufiger geworden waren. In der Haut der Patienten der Testgruppe ließ sich außerdem eine Stimulation der Bildung von antimikrobiellen Peptiden und anderen Antworten des angeborenen Immunsystems nachweisen.

Die Studie zeigt damit zum ersten Mal, dass die äußerliche Anwendung eines Präbiotikums ein interessanter therapeutischer Ansatz ist, um das Immunsystem zu modulieren und auf diese Weise die Hautflora und nachfolgend auch das Ekzem positiv zu beeinflussen. Die Wirkung hielt dabei mindestens einen Monat nach Beendigung der vorangegangenen Therapiemaßnahme an. Die präbiotische Feuchtigkeitscreme könnte auch bei anderen chronisch-entzündlichen Hautkrankheiten wie Akne, Rosacea und Schuppenflechte zum Einsatz kommen.

 

Präbiotische Feuchtigkeitscreme verbessert die Neurodermitis
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Literatur

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  • Seité et al., Clinical efficacy of emollients in atopic dermatitis patients – relationship with skin microbiota modification. Clin. Cosmet. Investig. Dermatol. 2017, 10; 25-33.

 

Letzte Aktualisierung am 17.03.2017