Zusammenfassung

Eitrige Entzündungen der Haut entstehen, wenn die natürliche Schutzbarriere gestört wird und Bakterien in tieferliegende Hautschichten eintreten und sich dort vermehren können. In der Folge entwickeln sich Hautveränderungen mit deutlichen Entzündungsanzeichen (Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerzhaftigkeit, Eiter), unter Umständen kann es zu einer Ausbildung systemischer Symptome kommen. Je nach Ausprägung der Symptome kann eine stationäre Aufnahme mit antibiotischer Therapie notwendig werden.

Auf einen Blick:

+ Auftreten Pyodermien treten unabhängig von Alter und Geschlecht auf

+ Symptome Mit Eiterbildung einhergehende Entzündungen der Haut oder Hautanhangsgebilde in unterschiedlichen Ausprägungen

+ Einflussfaktoren Verletzungen (Mikroläsionen), Immunschwäche, Blutarmut (Anämie), mangelhafte Hygiene, Störungen der Hautbarriere

+ Ansteckungsgefahr keine

Eitrige Entzündung: Einführung


Als Pyodermien werden eine Vielzahl an Erkrankungen bezeichnet, die durch Eitererreger hervorgerufen werden und primär die Haut sowie ggf. Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel, Haut– (z.B. Schweiß- und Talg-) Drüsen) betreffen. Pyodermien treten unabhängig von Alter und Geschlecht auf, werden durch mangelnde Hygiene, Blutarmut (Anämie) oder Immunabwehrschwäche begünstigt. Je nach Art und klinischem Ausprägungsgrad der Pyodermie variiert die Therapie.

Ursachen und Auslöser

Potentielle Eitererreger finden sich bei jedem Menschen auf der Hautoberfläche. Normalerweise ist die Haut jedoch vor einem Eindringen der Erreger durch mehrere Schutzmechanismen (Hautbarriere) geschützt, zu denen die Hornschicht, antimikrobielle Stoffe im Oberflächenfilm und die physiologische (gesunde), symbolische Hautflora aus Bakterien und Pilzen zählen, die eine Konkurrenz für krankheitserregende Keime bilden und so deren Vermehrung hemmen. Sind nun Hautflora, Oberflächenfilm oder Hornschicht durchlässig geworden, können eitererregende Bakterien in tiefere Hautschichten vordringen. Bei bestehender Immunschwäche fällt es ihnen zusätzlich leichter, sich dort zu vermehren, während Blutarmut die Schutzbarriere der Haut anfälliger werden lässt und mangelnde Hygiene die Vermehrung krankheitserregender Keime begünstigt.

Die wichtigsten pathogenen Keimen sind hier Staphylokokken (besonders Staphylococcus aureus) und Streptokokken (besonders ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A), seltener Pseudomonaden (Pseudomonas aeruginosa) und Pilze (Candida albicans).

Symptome und Krankheitsverlauf

Staphylokokken und Streptokokken breiten sich aufgrund ihrer charakteristischen Eigenschaften (die bestimmt werden durch die Bildung von für das Bakterium typischen Leitenzymen) unterschiedlich aus, was die Unterscheidung der Erreger bisweilen schon anhand des Krankheitsbildes ermöglicht. Dabei werden in Abhängigkeit von Angriffspunkt und Ausbreitung der Infektion die folgenden Krankheitsbilder unterschieden:

 

Follikulär gebundene Pyodermien: Follikulitis, Furunkel und Karbunkel

Haar- und auch Schweißdrüsenfollikel können bakteriell infiziert werden, was sich klinisch als Follikulitis manifestiert. Hier sind die Auslöser meist Staphylokokken, die sich vor allem vertikal in die Tiefe ausbreiten. Das Fortschreiten der Entzündungsreaktion mit nachfolgendem Einschmelzen des Gewebes um den Haarfollikel (=Perifollikulitis) resultiert klinisch im Furunkel und beim Zusammenfließen mehrerer Furunkel im Karbunkel. Durch weitere Einschmelzung des Gewebes kommt es zum Abszess.

Tabelle: Entwicklungsstadien der follekulär gebundenen Pyodermien

FollikulitisOstiofollikulitis ist eine Infektion der Haarwurzel durch Staphylokokken und wird provoziert durch starkes Schwitzen bei adipösen Patienten vor allem in den feuchtwarmen Räumen von Hautfalten oder in zu fett oder zu feucht behandelten Hautarealen.
Zusätzlich scheint die Hormonumstellung im Rahmen der Pubertät einen fördernden Einfluss zu haben, da Kinder praktisch nie erkranken.
FurunkelFurunkel entwickeln sich aus einer Follikulitis. Die Bakterien dringen von außen in den Follikelkanal der Haare (meist von Terminalhaarfollikeln) ein, vermehren sich dort und entfalten aufgrund von Enzymwirkungen erhebliche entzündliche Veränderungen im den Follikel umgebenden Gewebe (perifollikulär).
KarbunkelDiese massive Infektion entsteht bei Befall mehrerer Haarfollikel oder durch das Zusammenschmelzen von nebeneinander liegenden Furunkeln.

Ein Abszess kann sich sowohl aus einem Furunkel oder Karbunkel, selten aber auch aus einem Erysipel oder einer Ekthyma entwickeln. Charakteristisch für den Abszess ist, dass der mit Eiter gefüllte Hohlraum vom umliegenden Gewebe abgekapselt ist. Kommt es dagegen zur diffusen Ausbreitung der Hautinfektion in die Tiefe liegt das Krankheitsbild der Phlegmone vor.

 

Nicht-follikulär gebundene Pyodermien

Tabelle: Defintionen nicht-follekulär gebundener Pyodermien und deren bakterielle Ursache

Impetigo Contagiosa Der Erkrankung liegt eine Invasion von Eitererregern in oberflächliche Epidermisschichten zuGrunde. Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt von Haut zu Haut. Das Eindringen der Erreger wird durch vorbestehende minimalen Verletzungen (Mikroläsionen) oder vorbestehenden Erkrankungen wie einem atopischen Ekzem, einer Skabies oder Windpocken begünstigt. In über 80% ist der verantwortliche Erreger Staphylococcus aureus.
EkthymaHier bilden sich wie ausgestanzt wirkende Hautdefekte von unterschiedlicher Größe. Die Erreger sind zumeist Streptokokken der Gruppe A, seltener Staphylococcus aureus. Als Eintrittspforte fungieren kleine Hautdefekte.
Erysipel In über 90% sind Streptokokken, bevorzugt ß- hämolysierende Streptokokken der Gruppe A,  daneben aber auch Vertreter der Gruppen B, C und G, auslösend. Darüber hinaus kommen eine Vielzahl weiterer Bakterien in Betracht, so S. aureus oder gramnegative aerobe sowie anaerobe Erreger. Eintrittsstelle ist zumeist eine Hautstelle mit gestörter Barrierefunktion.

Tritt eine eitrige Entzündung der Haut und ihrer Anhangsgebilde unabhängig von Haarfollikeln auf, entsteht das klinische Bild der nicht-follikulär gebundenen Pyodermien. Die vor allem im Kindesalter auftretende Borkenflechte (Impetigo contagiosa) wird in einem separaten Artikel vorgestellt.

Als pathologisches Ursprungsgeschehen für einen Abszess wurden bereits das Erysipel und die Ekthyma vorgestellt, beide meist durch Streptokokken, seltener auch in Kombination mit bspw. Staphylokokken, verursacht. Kleine Hautverletzungen, Stiche oder auch vorherige Follikulitiden begünstigen das Entstehen der charakteristischen, wie ausgestanzt wirkenden Ulzera (also Geschwüre mit in der Tiefe liegenden Defekten der Haut), die von genannten Bakterien hervorgerufen werden. Breiten sich die Erreger über die Lymphgefäße großflächig weiter aus, entsteht das Bild eines Erysipels, auch Wundrose genannt. Da hier die Entzündung nicht mehr nur auf die Haut begrenzt ist sondern über das Gefäßsystem auch in andere Körperbereiche gelangt, wird sie meist von Allgemeinsymptomen wie Unwohlsein, Fieber, oder Schmerzhaftigkeit der Lymphgefäße & -knoten begleitet und ist damit in ihrem Verlauf um einiges bedrohlicher. Als akut lebensbedrohlich ist hier besonders die nekrotisierende Fasziitis (Entzündung der Faszien) zu nennen, bei der sich die Erreger bis auf die die Muskeln umhüllenden Bindegewebsbänder (Faszien) ausbreiten, wobei die Haut darüber gänzlich absterben und es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen kann.

Ebenfalls zu den nicht-follikulären Pyodermien gehört zu guter Letzt die weit weniger gefährliche Nagelfalzentzündung oder Paronychie. Hier ist das Erregerspektrum bunt und besonders in das Nagelbett eingewachsene Nägel fördern das Entstehen der eitrigen Entzündungen. Nicht selten kommt es im Verlauf der Paronychie zu einer Ablösung des Nagels.

Diagnose und Differentialdiagnose

Wegen ihrer eindeutigen klinischen Bilder lassen sich die Pyodermien meist schon durch allein durch die Betrachtung diagnostizieren. Zusätzlich kann eine Vermehrung der zum Immunsystem gehörenden weißen Blutkörperchen im Blutbild (Leukozytose) wegweisend sein. Zusätzlich ist eine mikrobiologische Diagnostik zur Identifzierung des Erregers unabdingbar. Hierzu wird ein Abstrich direkt aus den Wunden, Entzündungsherden, gegebenenfalls Abszessen entnommen und auf darin angesiedelte Erreger untersucht.

Differentialdiagnostisch sind die Pyodermien abzugrenzen von bakteriellen Entzündungen auf bereits chronisch erkrankter Haut, wie sie etwa bei Neurodermitis (atopisches Ekzem) oder Schuppenflechte (Psoriasis) auftreten können. Diese sekundären Infektionen werden unter dem Begriff der Impetiginisation gesammelt.

Therapie und Behandlung

Die Behandlung unkomplizierter bakterieller Haut- und Weichteilinfektionen ist eine Domäne der ambulanten Therapie. Ausgedehnte Erysipele sowie tiefe und komplizierte Infektionen, wie im Falle der Phlegmone oder der nekrotisierenden Fasziitis, bedürfen im Gegensatz dazu einer stationären Behandlung, da eine intravenöse Antibiotikatherapie (Erysipel) oder eine kombinierte Therapie aus chirurgischer Entfernung zerstörter Gewebeanteile mit nachfolgender und intravenös-antibiotischer Behandlung notwendig sein können.

Therapieempfehlungen der derma.plus Experten

Schon bei Verdacht auf eine nekrotisierende Fasziitis ist eine umgehende Vorstellung/ Einweisung in eine chirurgisch erfahrene Abteilung notwendig. Follikulär gebundene Pyodermien (Follikulitis, Furunkel, Karbunkel) werden hier besprochen. Bei akuten Nagelfalzentzündungen hilft zunächst ein Therapieversuch mit antimykotischen Lösungen (z.B. Ciclopiroxolamin-Lösung). Wiederkehrende Nagelfalzentzündungen können häufig durch lokale Entlastung (Einlage von Gaze-Laschen, Nagelspangen) in Kooperation mit versierten Nagelpfleger/innen behandelt werden.

 

Eitrige Entzündung (Pyodermie)
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Literatur

Letzte Aktualisierung: 02.11.2016