Zusammenfassung

Dellwarzen sind knötchenartige Hauterscheinungen die durch das Molluscum-contagiosum-Virus verursacht werden und ansteckend sind. Häufig bilden sich die Dellwarzen auch ohne Behandlung zurück. Jedoch sind prolongierte, monatelange Verläufe mit Ausbildung immer neuer Dellwarzen nicht selten. Deshalb ist eine frühzeitige Behandlung durchaus sinnvoll.

Auf einen Blick:

+ Auftreten meist Kinder unter 4 Jahren, bei über 15-Jährigen selten

+ Symptome weiß-rötliche Knötchen mit glatter Oberfläche und rahmigem Inhalt, vor allem an Oberkörper und Genitalbereich

+ Einflussfaktoren Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Pockenvirus, begünstigt durch trockene, entzündete oder beanspruchte Haut, Besuch öffentlicher Bäder, Geschlechtsverkehr

+ Ansteckungsgefahr hoch

Einführung

Dellwarzen, in der medizinischen Fachsprache „Molluscum contagiosum“ genannt, sind Hautveränderungen, die durch eine Infektion mit dem Molluscum-contagiosumVirus hervorgerufen werden. Der populäre Name „Dellwarze“ leitet sich von der meist vorhandenen Delle in der Mitte der Warzenoberfläche ab, die teilweise schon mit dem bloßen Auge, ansonsten mit der Lupe zu sehen ist. Neben dieser Bezeichnung ist auch der Begriff „Mollusken“ weit verbreitet, der auf den Namen des ursächlichen Virus zurückzuführen ist.

Am häufigsten betroffen sind Patienten der Altersgruppe von 0 bis 15 Jahren und hier insbesondere Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren. Eine trockene Haut oder Ekzeme erhöhen das Risiko für die Infektion mit Dellwarzen. Bei Erwachsenen ist die Krankheit eher selten, betrifft dann meistens Patienten mit trockener Haut z.B. bei Neurodermitis, Patienten mit einer Immunschwäche (z.B. nach Kortisontherapie, AIDS-Patienten) oder „sexuell Umtriebige“ (in den letzten Jahren wurden Dellwarzen häufiger im Genitalbereich gesehen). Neben der Möglichkeit der Ansteckung über Geschlechtsverkehr ist ein Besuch öffentlicher Schwimmbäder häufig die Ursache, insbesondere bei sich genital rasierenden Personen, bei denen die Infektionsausbreitung durch die winzigen mechanischen Verletzungen gefördert wird.

Dellwarzen können speziell bei trockener Haut von einem mitunter starken Juckreiz begleitet werden. Übt man Druck auf die Warzen aus, tritt eine rahmige Masse heraus, die das Virus in hochkonzentrierter Form enthält und zum Entstehen neuer Dellwarzen auf der Haut führt.

Das Molluscum contagiosum-Virus gehört zu den Pockenviren und gilt als ungefährlich, aber hoch-ansteckend. Das Virus ist deutlich spezialisierter als die Humanen Papillom-Viren (HPV), die für vulgäre Warzen verantwortlich sind. Neben dem Menschen wurden Dellwarzen auch bei Primaten, Kängurus und Esel nachgewiesen.

Die Ansteckung mit Dellwarzen erfolgt in den allermeisten Fällen von Mensch zu Mensch über direkten Hautkontakt, beispielsweise beim Spielen von Kindern, bei Erwachsenen auch über Geschlechtsverkehr und gemeinsam benutzte Objekte, insbesondere Textilien wie Handtücher.

Prinzipiell können Dellwarzen am ganzen Körper auftauchen, jedoch sind Dellwarzen bei Kindern bevorzugt im Bereich des Nackens, der Arme und Beine sowie des Gesichts. Bei Erwachsenen sind bevorzugt die Haut von Bauch und Genitalbereich befallen. Wegen des charakteristischen Aussehens der Warzen, insbesondere der namensgebenden Delle, kann die Diagnose vom Arzt durch einen einfachen Blick meist ohne Probleme gestellt werden. In Zweifelsfällen wird die Diagnose durch die Betrachtung mittels Lupe bzw. Dermatoskop gesichert.
Häufig kommt es nach wenigen Monaten zu einem spontanen Abheilen der Warzen, ohne dass eine Behandlung stattgefunden hat. Jedoch insbesondere bei Personen mit trockener Haut oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die Warzen monatelag, in Einzelfällen auch jahrelang bestehen bleiben. Während mehrheitlich zehn bis 20 Dellwarzen pro Person zu finden sind, sind auch Verläufe mit 50 und mehr Warzen möglich.

Die Entfernung der Warzen kann durch den Betroffenen im Rahmen einer Selbstbehandlung oder durch den Arzt erfolgen.

Ursachen und Auslöser

Die Infektion mit den ursächlichen Viren breitet sich von Mensch zu Mensch, aber auch von der ursprünglich infizierten Hautstelle auf andere Körperregionen aus, insbesondere durch Kratzen der geschädigten Stellen. Jede Person mit Hautkontakt zu einer infizierten Person ist infektionsgefährdet. Für Personen mit trockener Haut bzw. Ekzemen oder Personen mit einer Immunschwäche besteht ein besonders hohes Risiko. Insbesondere öffentliche Schwimmbäder sind ein Ort hoher Ansteckungsgefahr, da durch den langen Kontakt mit Wasser die Haut aufgeweicht wird und die Dellwarzen-Erreger dadurch leichter durch die Hautschicht eindringen können. Weiterhin sind hier viele Menschen auf engem Raum und die Übertragung wird durch das Barfußlaufen zusätzlich erleichtert.

Das Dellwarzen-Virus ist extrem umweltresistent und kann aus diesem Grund nicht nur durch direkten Hautkontakt übertragen werden, sondern auch durch Benutzung derselben Handtücher, Textilien oder sogar desselben Spielzeugs. Werden die Warzen aufgekratzt, verteilt sich die ansteckende Flüssigkeit aus ihrem Inneren auf den benachbarten Hautarealen und es kommt zu Neubildungen. Bei Erwachsenen geschieht die Übertragung häufig während des Geschlechtsakts, weshalb die Infektion mit Dellwarzen auch zu den Geschlechtskrankheiten gezählt wird.

Symptome und Krankheitsverlauf

Nach dem Kontakt durchdringt das Virus die Epidermis (oberste Hautschicht) und beginnt, sich in den dortigen Zellen zu reproduzieren. Durch diesen Wachstumsprozess kommt es im Verlauf zur Ausbildung der Knoten.

Klinisch imponieren die Dellwarzen als hautfarbene bis weiße oder weiß-gelbliche, derbe, halbkugelige Knötchen mit einem Durchmesser von 3-5 mm. Größere, bis zu 15 mm durchmessende Knoten werden als Mollusca gigantea (Riesenmollusken) bezeichnet (s. Abbildungen). Beim sogenannten Eczema molluscatum, einer schweren Verlaufsform mit mehr als 100 Dellwarzen, werden diese von einem deutlichen Juckreiz begleitet.

 

Subjektive Symptome fehlen bei Dellwarzen häufig. Hin und wieder wird leichter Juckreiz angegeben, dieser kann bei Vorliegen eines Eczema molluscatum sehr ausgeprägt sein. Klinisch auffallend ist ein typisches Ekzem, auf dem sich die Mollusken zeigen (Abbildung unten). Komplikationen in Form von zusätzlichen bakteriellen Infektionen des geschädigten Hautbereiches kommen hierbei häufiger vor.

Bezüglich des Krankheitsverlaufs lässt sich sagen, dass zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Erscheinen der ersten Warzen ein Zeitraum von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten liegen kann. Daher ist es oft schwierig nachzuverfolgen, an welchem Ort man sich das Virus zugezogen hat. Bei intaktem Immunsystem bilden sich die Dellwarzen normalerweise innerhalb eines Zeitraums von sechs bis zwölf Monaten eigenständig wieder zurück.

Diagnose und Differentialdiagnose

Für den Hautarzt stellt die Diagnose der Dellwarzen dank der namensgebenden Delle in der Mitte normalerweise keine größeren Probleme dar. Man spricht hier von einer einfachen Blickdiagnose. Im frühen Stadium kann es jedoch zu Verwechslungen mit anderen Hautkrankheiten kommen. Hierzu zählen Fettablagerungen in der Haut, Milien (kleine Zysten), Genitalwarzen und gewöhnliche Warzen. Der Blick durch das Dermatoskop erlaubt bei 20-facher Vergrößerung in Zweifelsfällen fast immer die korrekte Diagnose, so dass eine Diagnosestellung über Gewebeprobe und anschließende histopathologische Untersuchung unter dem Mikroskop nur in sehr seltenen Fällen notwendig wird. (Abbildung oben).

Therapie und Behandlung

Die Frage, ob eine Behandlung notwendig ist oder zunächst abgewartet werden kann, wird abhängig vom konkreten Fall unterschiedlich beantwortet. Argumente für eine möglichst umgehende Behandlung, die auch vom Autor des Beitrages vertreten wird, ist die Verhinderung einer individuellen Ausbreitung der Dellwarzen und der Übertragung der Dellwarzen auf Kontaktpersonen. Ein abwartendes Vorgehen ist möglich, jedoch sollte bei einer Vergrößerung der Warzenanzahl eine aktive Behandlung nochmals in Erwägung gezogen werden.

Tabelle: Behandlungsmöglichkeiten bei Mollusca contagiosa

Therapien der 1. WahlZeitdauer bis Abheilung SchmerzintensitätRisiken
Kürettage der Mollusken mittels Ringkurette oder scharfem Löffel nach örtlicher Betäubung sofortkeine bis geringkleine Narben möglich
Exprimierung der Mollusken mittels Eihautpinzette nach örtlicher Betäubungsofortkeine bis geringkleine Narben möglich
Zweimal tägliches Betupfen mit Kaliumhydroxid (InfectoDell®) bis zum Eintritt einer Entzündungsreaktion Tage-Wochengering bis mäßig
KryotherapieTage-Wochenhochkleine Narben möglich
Therapien der 2. Wahl
Lasertherapie mittels Farbstofflaser oder Abtragungslaser (CO2- oder Erbium-Laser) nach örtlicher Betäubungsofortkeine bis gering kleine Narben möglich
Topische Applikation von ImiquimodWochengering
Topische Applikation von Cantheritinhäufig Einmaltherapiegeringkleine Narben möglich

Unter den Therapien der ersten Wahl werden die Abtragung mit der Ringkürette oder dem Ausdrücken mit der Eihautpinzette durch den Arzt bzw. die medizinische Fachangestellte in der Praxis durchgeführt (Abbildung). Es ist möglich, die Eltern anzuleiten, so dass eventuell neu aufgetretene Dellwarzen dann zuhause selbstständig entfernt werden können. Dieses Vorgehen wird bei uns seit Jahren erfolgreich praktiziert. Das selbstständige Entfernen durch die Eltern ist für alle Lokalisationen mit Ausnahme des Gesichts und des Genitalbereichs möglich. Eine gute Schmerzreduktion ist durch das äußerliche Auftragen eines die beiden Lokalanästhetika Lidocain und Prilocain enthaltenden Gels 30 oder 45 Minuten vor dem Eingriff zu erreichen.

In unserem Journalbeitrag zum Thema „Dellwarzen bei Kindern“ und „Dellwarzenentfernung mittels Kürettage – effektiv & sicher“ finden Sie weitere Informationen.

 

Die Behandlung der Mollusken mittels Kälte benötigt in der Regel mehrere Sitzungen und ist überdies schmerzhaft, sodass dieses Verfahren bei uns nicht durchgeführt wird. Alternativ kann zwei mal täglich eine Kaliumhydroxid-Lösung (InfectoDell®) auf die Mollusken aufgetragen werden, bis es zum Auftreten einer Entzündungsreaktion kommt. Diese Therapie kann durch die Eltern bzw. die Patienten selbst erfolgen. Die weitere Möglichkeit eines Lasertherapieverfahrens ist abhängig vom Vorhandensein eines Lasers, kostenintensiver als die händischen Verfahren und nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen abgebildet.

Überdies bieten die Wirkstoffe Imiquimod und Cantharidin therapeutische Alternativen. Imiquimod, ein Präparat das Hautzellen zur Bildung immunologisch aktiver Substanzen wie Interferon-Gamma anregt, ist für die Behandlung von Mollusken nicht zugelassen. Die Verwendung von Imiquimod erfolgt somit „off-label“, was bedeutet, dass es für den Wirkstoff in dieser speziellen Anwendungsmöglichkeit (oftmals aus Kostengründen) keine klinischen Studien im Rahmen eines Zulassungsverfahrens gab. Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit konnte aber in mehreren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden. Cantharidin, eine zellzerstörend wirkende Substanz, die in der Natur vom männlichen Blasenkäfer (blister beetle) gebildet wird und 1952 erstmals synthetisiert wurde, ist in Deutschland nicht erhältlich, kommt jedoch in den USA weitverbreitet zum Einsatz und kann problemlos von dort bezogen werden. Die Substanz wird durch den Arzt appliziert und nach einigen Stunden abgewischt. Die Wirksamkeit von Cantharidin weist gegenüber Imiquimod aktuellen Veröffentlichungen zufolge deutliche Vorteile bei der Behandlung der Dellwarzen auf.

Prävention und Vorbeugung

Aus den oben genannten Fakten zu Übertragungswegen und Ansteckungspotential des Virus ergebe sich die folgenden Empfehlungen zur Vorbeugung einer Infektion:

  • Halten Sie ihr Kind vom Aufkratzen oder Aushebeln der Läsionen ab
  • Ein bestehendes Eczema molluscatum sollte konsequent behandelt werden
  • Das gemeinsame Benutzen von Kleidung, Handtüchern und Cremes soll konsequent vermieden werden
  • Auch gemeinsame Bäder sind zu unterlassen
  • Direkten Hautkontakt zu Kindern mit Mollusken vermeiden

 

Bei Erwachsenen wird der Virus-Erreger häufig beim Geschlechtsverkehr übertragen, daher ist es während des Vorhandenseins der Dellwarzen angebracht, auf Sex zu verzichten, um den Geschlechtspartner nicht anzustecken.

 

Dellwarzen (Molluscum contagiosum)
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Letzte Aktualisierung: 31.08.2017